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Gruppenschau in Dresden

Verflechtungen

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In Dresden spinnt die Schau "Ereignis eines Fadens" globale Netzwerke

Es riecht nach Heu. Wülste aus getrocknetem Gras bilden eine nahezu quadratische dreidimensionale Oberfläche. "Lichtbild Raute" (2010) von Olaf Holzapfel steht stellvertretend für das, was die 13 Positionen dieser Ausstellung eint: Rohstoffe, die zu Linien, Flächen oder räumlichen Gebilden verarbeitet wurden. "Das Ereignis eines Fadens – Globale Erzählungen im Textilen" heißt die neue Tourneeausstellung des Instituts für Auslandsbeziehungen, die in den kommenden Jahren um die Welt reisen wird.

Welche Informationen geben Textilien weiter? Für seine "Chaguarbilder" (2012–15) bat Documenta-Teilnehmer Holzapfel Frauen in Nordargentinien, von ihm am Computer generierte abstrakte Entwürfe in Knüpftechnik umzusetzen. Ulla von Brandenburg präsentiert im Raum hängende Bettdecken, deren Patchworkmuster auf ein informelles Netzwerk anspielt: Solche Quilts enthielten zu Beginn des 19. Jahrhunderts codierte visuelle Informationen und verhalfen so Sklaven zur Flucht. An Flucht sollen wohl auch die Jeansfragmente erinnern, die Christa Jeitner mit Draht vernäht auf dem Boden liegend zur Plastik erklärt. Elisa van Joolen und Vincent Vulsma präsentieren die Gemeinschaftsarbeit "Technik" (2012/13): Zwei Decken, ein Ikea-Teppich und ein Designerpullover – alle zeigen das gleiche populäre geometrische Muster – hängen auf vier Kleiderständern beisammen und stehen für globale Verflechtungen wie perverse Preisunterschiede. Judith Raum suchte nach Gebrauchsstoffen, die am Bauhaus entwickelt wurden und bislang nur durch Schwarz-Weiß-Fotos bekannt waren. Für die Ausstellung ließ sie die Möbelbezüge und Vorhänge nun als Repliken anfertigen, die auch berührt werden dürfen. Damit ist eine beachtliche eigene Ausstellung in der Ausstellung entstanden.

Spätestens seit der Documenta 12 ist das Textile in der zeitgenössischen Kunst präsent, auch durch die diesjährige Documenta zog sich der Faden, und Franz Erhard Walther wurde mit einer textilen Skulptur, die vom Betrachter benutzt werden soll, auf der Venedig-Biennale mit dem Goldenen Löwen geehrt. In Dresden ist sein "Handlungskörper", ein überdimensionales Buch aus Stoff von 1969, ausgestellt. Weitere Werke über das Textile als Handlungsraum hätten die Ausstellung gut ergänzt.

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