Zwei sehr verschiedene Designpreise werden im Monat Mai in Berlin vergeben. Erstmalig hat das Deutsche Design Museum von Rafael Horzon den Deutschen Designpreis des Deutschen Design Museums (DDDDDM) ausgerufen. Und alle (!) durften mitmachen. Dafür mussten sie nur ihren Beitrag in die Ausstellung "Sitzen machen!" tragen. 136 recht unterschiedliche Sitzmöbel sind so dort derzeit zu sehen, und die Besucher sollen abstimmen, welches das beste ist. Am 29. Mai werden die Stimmzettel ausgezählt – ganz ohne Jury und, wenn man die nicht ganz ironiefreie Pressemitteilung des DDDDDM richtig versteht, auch ganz ohne Preisgeld.
Ein recht ordentliches Preisgeld dagegen vergibt der Rimowa-Designpreis und auch die ausgewählten Designobjekte haben einen tieferen Sinn als das schnöde Sitzen.
Beworben hatten sich Studierende deutscher Hochschulen mit Projekten aus dem weiten Bereich des Social Designs. Sieben Finalistinnen und Finalisten wurden für die vierte Edition des Preises ausgewählt, zu sehen sind sie bis zum 13. Mai im Berliner Kulturforum. Berliner Studierende sind übrigens nicht ausgewählt worden, hängt das mit den maroden Unis der Stadt zusammen? Möglich.
Gewinnerteam Samuel Nagel und Paul Feiler (Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd), betreut von Tim Richter
Aber es wurden richtig gute Projekte ausgewählt. Da ist zum Beispiel Jakob Schlenker von der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd, der einen Vogel gestaltet hat, der ältere Menschen zu Bewegung und sozialen Kontakten anregen soll. Oder das Erntesystem von Niklas Henning von der Hochschule Magdeburg-Stendal, das Moore wiederherstellen und die Schilfernte effizienter machen soll.
Gewonnen haben aber Samuel Nagel und Paul Feiler von der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd und ihr Armband "Nura", das Gebärdensprache in gesprochene Sprache übersetzen kann und Gesprochenes in geschriebenen Text umwandelt. Das sieht nicht nur gut aus, sondern ermöglicht auch eine Kommunikation zwischen gehörlosen und hörenden Menschen und verspricht damit eine bessere Welt.
Stabiles Design zum Abheben
Ziemlich genial ist auch das Projekt von Tobias Kremer und Yannick Stilgenbauer von der Hochschule der Bildenden Künste Saar. Sie haben eine aufblasbare, doppelwandige Kapsel entwickelt, die wie ein Zelt oder Fallschirm aussieht. Sie nutzt Verdunstungskühltechniken zusammen mit optimierter Isolierung. Damit kann man Essen oder Medikamente kühlen, wenn es keinen Strom gibt. So können zum Beispiel die Lebensumstände in Zeltstädten von Geflüchteten wenigstens ein bisschen verbessert werden.
Publikumsliebling war allerdings – wenn man sich bei der gut besuchten Preisverleihung so umhörte – die Arbeit von Valerio Sampognaro von der HFBK Hamburg. Vermutlich, weil sie keine schweren Themen behandelte, sondern ganz leicht ist. Und das im wörtlichen Sinne. Sampognaro hat nämlich leichtgewichtige Möbel entwickelt, die an Zeltstangenkonstruktionen oder Drachen erinnern und die sowohl Dinge stabil tragen als auch abheben können. Ist das nicht eine schöne Vorstellung?