Nach Flucht vor Nazis

Rubens-Gemälde wird in Südafrika versteigert

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Ein dem flämischen Maler Peter Paul Rubens zugeschriebenes Gemälde, das ein jüdischer Arzt aus Deutschland durch rechtzeitige Flucht vor den Nazis gerettet hatte, wird in Südafrika versteigert

Das "Porträt eines Gentlemans" wird aufgrund früherer Rubens-Verkäufe auf einen Wert von umgerechnet bis zu 500 000 Euro geschätzt. "Aber natürlich kann auch mehr geboten werden", erklärt Luke Crossley, Kunstexperte des Auktionshauses Stephan Welz & Co.

Das Bild hat demnach eine bewegte Geschichte: Ein deutscher jüdischer Arzt kaufte das Ölgemälde 1925 von einem Kunsthändler in Amsterdam. Durch Gespräche mit Patienten wurde dem Arzt immer klarer, welche Bedrohung die Nationalsozialisten darstellten. "Als er sich entschloss, Deutschland zu verlassen, nahm der Arzt das Angebot eines Patienten an, sein Hab und Gut, inklusive seiner umfangreichen Kunstsammlung, in Sicherheit zu bringen, um seine Flucht zu erleichtern", so das Auktionshaus unter Berufung auf die Nachfahren des Arztes. Er kam 1932 in Südafrika an, wo er weiter praktizierte.

Der Arzt ist bereits vor vielen Jahren verstorben, seine Nachfahren behielten das Gemälde jedoch. "Er hatte seiner Familie gesagt, dass es ein Rubens war", schildert Crossley. "Sie wussten, dass es etwas besonderes war, aber wahrscheinlich nicht, in welchem Ausmaß." Das Gemälde wird mit einer am Freitag endenden zweiwöchigen Angebotsfrist versteigert, was Käufern Zeit zur Prüfung geben soll, so Crossley.

Rubens (1577 - 1640) soll das etwa 50 mal 40 Zentimeter große Porträt eines Mannes um das Jahr 1600 gemalt haben. In späteren Verkäufen wurde es zeitweise auch dem Maler Frans Pourbus dem Jüngeren (1569 - 1622) zugeschrieben. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts seien sich Kunstexperten jedoch einig, dass es ein Rubens sei, so Crossley.

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