Ein in Polen inhaftierter russischer Archäologe, der von der Ukraine wegen mutmaßlicher Ausgrabungen auf der von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim gesucht wird, darf ausgeliefert werden. Die Überstellung des Wissenschaftlers an die ukrainischen Behörden zur Eröffnung eines Strafverfahrens sei rechtlich zulässig, entschied das Warschauer Bezirksgericht laut Mitteilung.
"Wir werden gegen diese Entscheidung Beschwerde einlegen und warten auf die Zustellung der schriftlichen Begründung", sagte der Verteidiger des Archäologen der polnischen Nachrichtenagentur PAP.
Der polnische Inlandsgeheimdienst ABW hatte den Mann am 4. Dezember festgenommen, als er auf der Durchreise in Polen war. Moskau hatte die Festnahme seinerzeit als Willkür kritisiert.
Archäologe soll auf der Krim Kulturstätte zerstört haben
Die im Schwarzen Meer gelegene ukrainische Halbinsel Krim wurde 2014 von Russland annektiert. Dem Archäologen wird vorgeworfen, dort in Kertsch Ausgrabungen vorgenommen zu haben. Von der Stadt führt auch die nach der Annexion von Russland erbaute Krim-Brücke zum russischen Festland.
Die ukrainische Staatsanwaltschaft verdächtigt ihn der vorsätzlichen, rechtswidrigen, teilweisen Zerstörung einer Kulturstätte. Der Schaden wird auf rund vier Millionen Euro geschätzt. Außerdem wird ihm vorgeworfen, Ausgrabungen ohne Genehmigung durchgeführt zu haben. In dem Fall geht es um die Stätte Myrmekion, eine antike griechische Kolonie, die im 6. Jahrhundert vor Christus gegründet wurde.