Nach Eklat um Sex-Videos

Russischer Künstler Pawlenski in Paris festgenommen

Foto: Maksim Belousov/Creative Commons
Foto: Maksim Belousov/Creative Commons
Der russische Aktionskünstler Pjotr Pawlenski

Der Aktionskünstler Pjotr Pawlenski behauptet, anzügliche Videos des Pariser Bürgermeister-Kandidaten veröffentlicht zu haben. Nachdem der Politiker eine Strafanzeige eingereicht hatte, ist der Russe jetzt verhaftet worden – allerdings wegen eines anderen Vorwurfs 

Es soll um eine Untersuchung wegen des Verdachts der Körperverletzung am vergangenen Silvester gehen. Pawlenski steht unter dem Verdacht, während eines Streits in einer Pariser Wohnung jemanden mit einem Messer bedroht zu haben.

Offenbar steht die Festnahme offiziell nicht im Zusammenhang mit dem Eklat um Sex-Videos, nach dem der ehemalige Pariser Bürgermeister-Kandidat der französischen Präsidentenpartei am Samstag eine Strafanzeige eingereicht hat. Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein. Benjamin Griveaux, ein Vertrauter von Staatspräsident Emmanuel Macron, stellte Anzeige wegen Verletzung der Privatsphäre. Eine Website hatte am Mittwoch Screenshots von anzüglich erscheinenden Chatnachrichten veröffentlicht, die angeblich von Griveaux stammen. Außerdem zeigt sie kurze Videos, auf denen zu sehen ist, wie ein Mann masturbiert. 

Pjotr Pawlenski hatte sich zur Veröffentlichung der Videos bekannt. Der Künstler sagte der Zeitung "Libération", er habe die angebliche Heuchelei Griveaux' offenlegen wollen, der sich als Familienvater inszeniere. 

Pawlenski war Anfang 2017 aus Angst vor Verfolgung durch die Moskauer Behörden aus Russland geflohen und hatte in Frankreich Asyl erhalten. Der Künstler machte mehrfach mit umstrittenen Aktionen auf sich aufmerksam. So nähte er sich aus Protest den Mund zu oder nagelte sich am Hodensack auf dem Roten Platz in Moskau fest. Weil er 2015 den Eingang zum Sitz des Inlandsgeheimdienstes FSB in Brand steckte, wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt.  

Im vergangenen Jahr war Pawlenski in Paris zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden, weil er bei einer Kunstaktion an einer Bankfiliale Feuer gelegt hatte.