Feministische Ausstellungsserie in Berlin

Frauenecke der Kunst: Die Erika-Mustermann-Collection

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"em“? Das Logo kennt man doch. Nein, Moment: Eine museumsgleich aufgemachte Berliner Privatsammlung in Berlin-Mitte heißt „me“, in kursiven roten Lettern. Auf dem Platz an der Volksbühne haben sich nicht nur die Buchstaben, sondern auch die Verhältnisse umgedreht: „em“, die „Erika-Mustermann-Collection“, hat den Glaspavillon bezogen. Die „Sammlerin aus dem Rheinland“ ist natürlich eine Kunstfigur – doch die erste Ausstellung, kuratiert und installiert vom Berliner Künstlerinnenkollektiv Der Strich, bleibt nicht hängen auf dem Witz über das saturierte Westdeutschland, das sich an die Kunstcity Berlin ranwanzt.

Frau Mustermann hat feministische Positionen im Programm. Genau dafür steht Der Strich: Die Bedingungen des Künstlerinnen-Daseins mit den Mitteln der Kunst zu thematisieren – und dabei auf Verbissenheit und Anklage weitgehend zu verzichten, nicht aber auf scharfsinnige analytische und selbstironische Kommentare und Guerilla-Interventionen. Man habe sich, so die Gründerinnen auf ihrer Website, entschlossen, sich „geradeaus in die karriereschädliche Frauenecke zu begeben.“ Und weil die Ladys so souverän sind, zeigen sie auch ein kleines softpornografisches Martin-Eder-Aquarell in der Sammlung.

Jeden Samstag eröffnet „em“ mit einer neuen Ausstellung, diese Woche sind es Elke Krystufek und Martin Dammann, deren Arbeiten in Dialog miteinander treten. Patrycja Germann, Tine Furler, Anja Schwörer, Amelie von Wulffen, Julia Kissina und viele andere nehmen teil.

Für die Vernissage am vergangenen Samstag  hat Strich-Mitbegründerin Sandra Meisel einen Tisch gebaut, wie man ihn in den Privatsammlungen von heute gern hat (meistens sitzen junge weibliche Mitarbeiterinnen dahinter und grüßen distinguiert): minimal design, maximaler Oberflächenfetisch, und vor allem: lang muss er sein. So lang, dass er hier aus dem Fenster des Pavillons wieder herausragt. Die Frauenecke der Kunst ist hier ein intelligenter, angenehmer, lustiger Ort.

Bis 13.8., jeden Samstag 18-22 Uhr Vernissage, Pavillon an der Volksbühne, Rosa-Luxemburg-Straße, Berlin

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