Die auf die Wand projizierte Riesenspinne gleich am Eingang ist nicht wirklich eine Überraschung. Als Markenzeichen von Louise Bourgeois war damit zu rechnen, dass die Künstlerin vielbeinige Schmuckstücke angefertigt hat. Dass sie in Gold daherkommen, ist weniger offensichtlich. Noch interessanter ist allerdings ihr Silber-Collier von 1948 in Form einer stilisierten Halsfessel. Das Accessoire steht für die Versklavung der Frau im Patriarchat.
Dagegen mutet Yoko Onos kegelförmig gearbeiteter goldener Ring mit dem Titel "Imagine Peace" geradezu brav an. Die beiden Künstlerinnen bilden den Auftakt zu einer - bis auf das Star-Duo alphabetisch geordneten - Ausstellung, die aus Männerhand wohl von Stieren, Pistolen und Totenköpfen gewimmelt hätte.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts kreuzten sich die Wege von Kunst und Schmuckdesign immer wieder. Bereits 1918 begannen Man Ray und Jean Arp, Zierobjekte herzustellen, was Teil ihres ästhetischen Interesses an tragbarer, surrealistischer Kunst war. Ihnen schlossen sich Bildhauer wie Alexander Calder an, und auch Picasso war nicht abgeneigt.
Schmuck als Statement der stilistischen Versöhnung
Stilikone, Sammlerin und Mäzenin Peggy Guggenheim wurde bei der Eröffnung ihrer Galerie Art of This Century im Jahr 1942 berühmt, als sie einen Ohrring von Yves Tanguy und einen weiteren von Calder trug. Sie erinnerte sich: "Ich hatte mir für diesen Anlass ein weißes Abendkleid schneidern lassen und trug dazu einen meiner Tanguy-Ohrringe und einen von Calder, um meine Unparteilichkeit gegenüber Surrealismus und abstrakter Kunst zu demonstrieren."
Sie nahm damit (wohl unbewusst) einen Trend vorweg, der ab den späten 1960er-Jahren große Verbreitung fand. Die Grenzen zwischen Schmuck und anderen Kunstformen verschwammen zunehmend, da sich Designer von den modernen Disziplinen inspirieren ließen. Der Ideenaustausch zwischen Malern, Bildhauern und Kunsthandwerkern stärkte das Selbstvertrauen der Schmuckhersteller, ebenso wie die Aufwertung ihrer Werke zu einer Kunstform durch Museen, Galerien und steigende Marktwerte.
Direktorin Petra Hesse und ihre Mitarbeiterin Lena Hoppe greifen diese Vorgeschichte im MAKK leider nicht auf. Sie legen den Fokus stattdessen auf die feministische Perspektive. Bei den 110 Objekten von 45 Frauen konnten sie auf einen Fundus des Museums zurückgreifen, der schon in der gut besuchten Ausstellung "Faszination Schmuck" zum Einsatz kam.
Medusa mit Pythonhaut
Jetzt sind noch Leihgaben aus privaten Sammlungen und von den Künstlerinnen selbst dazugekommen. Sheila Concari steuert eine Kette mit dem Motiv einer griechischen Sagengestalt bei. Die bedrohliche Wirkung ihrer "Red Medusa" verstärkt sie noch durch die Verwendung von Pythonhaut. Sie ist im Gegensatz zu Yoko Onos Ring ein Unikat - und damit ein sogenanntes Statement-Schmuckstück, das eine Botschaft vermitteln soll.
Für Rosemarie Trockel ist die Idee des Schmückens ein Anlass zum Spott über männliche Sex-Fantasien. Sie hat eine Donald-Duck-Figur scheinbar an einer Halskette stranguliert und damit dem Silberanhänger eine Erektion verpasst. Die in Köln gezeigten Stücke entstanden oft nebenbei als Miniaturen von Skulpturen oder als eingefasste Variationen von Malerei. Die Mehrzahl ist Teil einer Auflage und damit als künstlerischer Zuverdienst gedacht.
Nicht alle Beteiligten versuchen sich an einer provokativen Idee. Katinka Bock begnügt sich mit einer dekorativen Halskette aus bronzierten Kirschkernen, während Lynda Benglis eine silberne Bonbonpapier-Brosche bevorzugt.
Ein Ring als Zuckerwürfel
Auf das Thema Vergänglichkeit setzt Meret Oppenheim mit einem Ring aus einem eingefassten Zuckerwürfel und einem befellten Armreif. Und Zhou Yihan gibt sich mit einem kahlen Miniaturwald als Halsband klimabewusst. Niki de Saint Phalle punktet mit einer farbenprächtigen Schlange. Ihre "tragbaren Skulpturen" entstanden in Zusammenarbeit mit dem Mailänder Juwelier Giancarlo Montebello zwischen 1970 und 1978.
Weitere Motive sind abstrakte Farbbewegungen bei Sonia Delaunay und Hasenköpfe bei Leiko Ikemura. Sogar Jenny Holzer ist mit einer ringförmigen Schlange von 1994 vertreten, die sie mit der Anklageschrift "With you inside me comes the knowledge of my death" (Mit dir in mir kommt das Wissen um meinen Tod) gegen männliche Gewalt versieht. Da soll noch einer sagen, die Gattung Künstlerschmuck sei rein privater Natur. Mehr Gesellschaftskritik lässt sich in einem solchen Miniobjekt nicht unterbringen - und auch nicht als Statement am Körper durch die Welt tragen.