Transformation ist das große Thema der Manifesta 16, und so passt es, dass die Eröffnungsfeier an einem Ort stattfand, der dafür steht wie kaum ein anderer: der Zeche Zollverein in Essen. Bis 1986 wurde hier Steinkohle gefördert, heute ist das Gelände samt Kokerei Unesco-Welterbestätte und ein vitales Zentrum für Kunst und Kultur. Ateliers, ein Schwimmbad auf dem Dach der Kokerei, das Red Dot Design Museum und allen voran das Ruhr Museum ziehen jährlich über eine Million Menschen an.
Die Folkwang Universität der Künste nutzt das Areal als kreativen Campus und Ausstellungsfläche für Studiengänge wie Fotografie, Industrial Design und Kommunikationsdesign. Auch die Ruhrtriennale, das alljährlich von Ende August bis Ende September stattfindende große Festival der Künste im Ruhrgebiet, ist regelmäßig auf Zollverein zu Gast. In diesem Jahr gibt es Tanzaufführungen in der ehemaligen Waschkaue der Zeche, wo das choreografische Zentrum PACT Zollverein seine Heimat gefunden hat.
Die Ruhrtriennale führt ihr Publikum auch zu anderen Highlights der Industriebauten in der Region, etwa zur Jahrhunderthalle, die 1902 als Gaskraftzentrale für den Bochumer Verein erbaut wurde und seit rund 25 Jahren Schauplatz von Konzerten, Performances und Events ist. Auch der Landschaftspark Duisburg-Nord steht wieder auf der Liste der Ruhrtriennale-Locations: Auf dem Gelände des Anfang des 20. Jahrhunderts von August Thyssen gegründeten Stahlwerks werden im Sommer Kompositionen von Erik Satie, John Cage und anderen erklingen, dazu kommen Tanzaufführungen und Partys. Der Landschaftspark Duisburg-Nord ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Verwandlung von Industriearchitektur in eine Parkanlage neuen Typs, in der man klettern, tauchen, spazieren und entspannen kann – und dabei viel über die industrielle Vergangenheit der Region erfährt.
Route Industriekultur macht den Strukturwandel erfahrbar
In der Route Industriekultur sind noch viele andere Orte im Ruhrgebiet zusammengefasst, die den Strukturwandel der Region erfahrbar machen: etwa der Gasometer Oberhausen, in dem regelmäßig aufwendige Ausstellungen stattfinden, der Nordsternpark, ein ehemaliger Zechenstandort mit Amphitheater und weitläufiger Parkanlage, oder auch die Henrichshütte Hattingen mit ihrem monumentalen Hochofen, der heute ein Museum zur Industriegeschichte der Region beherbergt.
Und wer gerne den Überblick hat: Auch zahlreiche besondere Aussichtspunkte auf den Hügeln und Halden der Region gehören zur Route Industriekultur – und hier lassen sich zudem einige bemerkenswerte Kunstwerke entdecken. Auf der kahlen Schurenbachhalde in Essen ragt eindrucksvoll eine Stahlplatte empor – eine Skulptur des US-amerikanischen Künstlers Richard Serra. Und auf der Heinrich-Hildebrand-Höhe in Duisburg lädt die wie eine Achterbahn für Fußgänger geformte Skulptur "Tiger and Turtle – Magic Mountain" von Heike Mutter und Ulrich Genth zu einer Kletterpartie der besonderen Art ein.