Frank Bauer | T R A N S I T
Die Ausstellung „TRANSIT“ des Düsseldorfer Malers Frank Bauer versammelt Arbeiten, die sich in einem Zustand des Übergangs verorten. Ausgangspunkt der Werke sind Bauers fotografische Aufnahmen alltäglicher, oft banaler Situationen, die eine Allgemeingültigkeit suggerieren: Wartehallen, Flughäfen, Flugzeuge, Durchgangsräume. Orte, die selbst nicht auf Dauer angelegt sind, sondern Transitbedingungen beschreiben. Räume des Wartens, der Passage und der Unterbrechung, zugleich Orte des Vorübergehens und Verweilens. Doch fordern diese Bilder genau dieses Innehalten ein. In der malerischen Übersetzung werden flüchtige Augenblicke auf der Durchreise sichtbar gemacht, ohne sich vollständig festzuschreiben.
In Bauers Malerei werden die Motive von Flughafen-Szenen nicht reproduziert, sondern transformiert. Eine Vielzahl an unterschiedlichen Abzügen dient ihm als Ausgangsmaterial. Diese werden kombiniert, verschoben und malerisch weiterentwickelt. Die Nähe zum Fotorealismus bildet die Basis, von der aus Bauer die Bedingungen von Wahrnehmung und Bildkonstruktion zu einer individuellen Reflexion der Wirklichkeit neu verhandelt.
Die Arbeit „Startbahn, Düsseldorf“ ist auf eine fotografische Vorlage zurückzuführen, die selbst Unschärfe aufweist. Diese Unschärfe wird im malerischen Prozess nicht als Defizit verstanden oder korrigiert, sondern als wesentlicher Bestandteil übernommen. Während große Teile des Bildraums in Unschärfe verbleiben, treten einzelne Lichtpunkte mit hoher Präzision hervor und werden visuell verdichtet. Diese Kontrastverschiebung ist keine Abbildung der Realität, sondern ein bewusstes in Szene setzten. Die Auflösung des Sichtbaren erzeugt eine Tiefenwirkung. Die Lichtpunkte scheinen dabei die Grenze der Leinwand zu überschreiten und aus dem Bild herauszukippen. Die Leinwand wird als Raster verstanden, das das Bild strukturiert, gliedert und rhythmisiert. Linien, Rechtecke und wiederkehrende geometrische Elemente bestimmen die Bildfläche und erzeugen ein präzise ausbalanciertes Gefüge. Dabei handelt es sich weniger um konstruierte Arrangements als vielmehr um vorgefundene Konstellationen im fotografierten Moment. Ein Foto wird für den malerischen Prozess erst dann interessant, wenn es als Fotografie selbst unspektakulär oder banal erscheint.
„Heathrow“ basiert auf mehreren fotografischen Abzügen derselben gefüllten Wartehalle, die unterschiedliche Belichtungszustände festhalten. Ein Abzug zeigt einen helleren Hintergrund bei gleichzeitig dunklem Vordergrund, in dem Personen kaum lesbar bleiben, ein anderer verschiebt diese Lichtverteilung erneut. Bauer organisiert die Verhältnisse in seiner malerischen Bearbeitung neu. Es entsteht ein Bild, das fotografisch in dieser Form nicht existiert. Menschen erscheinen als anonyme Mengen, Räume lösen sich in Licht, Farbe und Unschärfe auf. Die Gesamtatmosphäre steht im Mittelpunkt.
Neben Elementen der Komposition und Kontraste ist der Himmel über Flughäfen ein wiederkehrendes Motiv. Dabei zeigt sich eine grundlegende Grenze der Malerei im Verhältnis zur Fotografie. Bestimmte Farbwerte erscheinen in fotografischen Vorlagen in einer Intensität, die sich durch Mischung nicht exakt reproduzieren lassen. Feine Farbstreifen und fließende Übergänge zwischen Gelb und Blau stellen so eine technische und auch sinnliche Herausforderung dar. Insbesondere die Himmelsdarstellungen von Caspar David Friedrich haben Frank Bauer nachhaltig beeinflusst. Diese Beobachtungen überträgt Bauer bewusst wie in „Flughafen Heraklion“ auf seine Darstellungen von Flughafenhimmeln. Die auf der Leinwand erweiterte Fotografie wird dabei zum Panoramabild, in dem der Himmel nicht nur als Hintergrund, sondern als eigenständiges Feld malerischer Untersuchung erscheint. Mit „TRANSIT“ lädt Frank Bauer dazu ein, die Durchreise zu unterbrechen: einen Moment zu verweilen in Bildern, die das Alltägliche festhalten und es zugleich wieder entgleiten lassen. Was bleibt ist ein Augenblick in einem Bild, der vielleicht weniger zeigt, als dass er daran erinnert.
Sena-Marie Cirit