Georg Haberler: Hopp hopp
Georg Haberler singt Kinderlieder. Nicht weil er es kann – er dachte immer, er könne es nicht – sondern weil die Frage, ob er es kann, irgendwann keine Rolle mehr spielte. Aus diesem kleinen persönlichen Moment entstand der Ausgangspunkt der neuen Werkserie: die Faszination mit der Energie und Unbekümmertheit des Kindes, das trotz aller Einschränkungen lernt, fällt und weitermacht. Hopp Hopp ist eine Aufforderung – an sich selbst und an die Betrachtenden – vorwärtszugehen, ins Tun zu kommen, sich zu zeigen und etwas Neues
auszuprobieren.
Die Titel der Arbeiten nehmen ihren Ausgangspunkt in Kinderliedern und geben den Bildern ihren Rhythmus und ihre Stimmung – verspielt, manchmal schwindelerregend, immer in Bewegung. Auf Leinwand und Jute erscheinen die vertrauten Figuren seiner Bildwelt: Giraffen, Krokodile, Akrobaten, Clowns, Kirchtürme mit leuchtenden Dächern, Menschen in Bewegung, Tiere auf Rädern. Sie tummeln sich wie in einem Wimmelbild, ohne Hierarchie, ohne Vordergrund. In Haberlers charakteristischer Technik werden die Figuren mit Faden auf dem Bildträger eingestickt und anschließend von der Rückseite mit hochpigmentierter Acrylfarbe eingefärbt – die Farbe scheint durch den Bildträger hindurch und tritt so von innen heraus an die Oberfläche.
Mit Hopp Hopp knüpft Haberler an einen langen Gedankenstrang an. Klee und Kandinsky sahen im Kindlichen einen unmittelbaren Zugang zum Wesentlichen – unverformt von Konventionen, näher an der inneren Wahrheit. Die Offenheit des Kindes – sein Staunen, sein Mut zur Unperfektheit – ist keine verlorene Eigenschaft, sondern eine, die man kultivieren kann. Das Singen, das er so lange vermieden hat, wurde zur Metapher für alles, was man sich traut, wenn man aufhört, es perfekt machen zu wollen.
Georg Haberler (1985 in Graz) studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er 2015 bei Erwin Bohatsch abschloss. Aus der klassischen Malerei kommend, fand Haberler seine künstlerische Handschrift schließlich in der Arbeit mit der Nähmaschine, die heute das zentrale Werkzeug seiner Praxis bildet.
(Auszug aus dem Ausstellungstext von Christine Schmelter)