HELEN HU & KATSUHIKO MATSUBARA - Shifting Light, Passing Clouds
Unter dem Titel Shifting Light, Passing Clouds bringt die Galerie von Wegen vom 17. April bis 6. Juni 2026 erstmals die Werke der deutsch-chinesischen Künstlerin Helen Hu und des japanischen Künstlers Katsuhiko Matsubara in einer Duo-Ausstellung zusammen.
Beide studierten unter Prof. Anselm Reyle, kennen und schätzen sich seit Jahren und zählen zugleich zu den markantesten Positionen ihrer Generation. Auf den ersten Blick folgen sie unterschiedlichen Bildsprachen, in ihrem künstlerischen Selbstverständnis begegnen sie sich jedoch auf bemerkenswerte Weise. Dabei begreifen beide Malerei als einen Vorgang, der sich unmittelbar auf der Leinwand ereignet.
Ihre Arbeiten lösen sich von der Idee eines bloßen Abbilds äußerer Wirklichkeit. Aus körperlicher Erfahrung heraus entwickeln sie Werke, die über die reine Abstraktion hinausgehen und sich in einer Spannung zwischen Innen und Außen, Geist und Materie sowie dem, was sich unserer Wahrnehmung entzieht, bewegen.
Katsuhiko Matsubara erschafft atmosphärische Mikrokosmen, die stellenweise wie flirrende Horizonte anmuten, jedoch von jedem geografisch bestimmbaren Ort losgelöst sind. Über seinen Werken liegt meist ein zarter Schleier, der an Morgentau erinnert. Ein kurzes Aufscheinen in dem Licht und Farben ineinanderfließen und alles in ständiger Bewegung scheint. Hinter diesem flüchtigen Vorhang offenbart sich die Kraft seiner Malerei. Unzählige Farbpigmente gehen auf der Leinwand mikroskopische Symbiosen ein und resonieren wie atmende Wesen miteinander. Formen, Farben und Texturen verschmelzen hier zu einem lebendigen Ganzen. Ein Ökosystem, in dem Materie und Geist untrennbar miteinander verbunden sind.
Tief verwurzelt im japanischen Animismus, dem Glauben, dass allem eine Seele innewohnt, verdichten sich seine Gemälde zu poetischen Gefügen, in denen sich die Dualitäten des Sichtbaren und Unsichtbaren einander durchdringen. Matsubara fügt zusammen, was der Alltag oft trennt - das Dingliche, die reine Materie (mono) und den Geist oder das Herz (kokoro).
Helen Hu interessiert sich hingegen für jene instabilen Momente, in denen Bedeutung noch nicht festgeschrieben ist. Ihre Malerei gleicht einem Prozess des Werdens, einem Ort des Hegens und Pflegens, vergleichbar mit der Praxis des Gärtnerns. Auch hier wird gesät, verworfen und zurückgeschnitten. Eine Linie kann zum Samen werden und plötzlich austreiben, während Farbflächen scheinbar Wurzeln schlagen, nur um sich im nächsten Augenblick wieder zu verzweigen und zu einer vielschichtigen Struktur heranzuwachsen. Im Werkprozess bleibt diese Offenheit bestehen. Jede Geste, jede Schichtung trägt die Spur einer intuitiven Bewegung in sich - ein Rhythmus, in dem die Arbeiten stets zwischen Klarheit und Auflösung changieren.
Geprägt von verschiedenen kulturellen Einflüssen wird für Hu die Leinwand zum Tor, durch das das Innerste nach außen gelangt. In diesem Moment des Loslassens tritt das Rationale zurück und schafft Raum für eine reine, körperliche Empfindung.
Shifting Light, Passing Clouds lädt dazu ein, Malerei als eine Art lebendigen Organismus zu begreifen. Gezeigt werden Werke, die den Betrachter sanft in die eigene innere Tiefe des Geistes führen und vielleicht noch in ihm weiterwachsen, lange nachdem man die Ausstellung verlassen hat.