LENNART GRAU- Pathos exposed
“Ich will den diffusen Begriff des Pathos greifen und sezieren”, beschreibt Lennart Grau seine Intention. Dieser Gedanke zieht sich auch wie ein roter Faden durch seine neue Werkserie.
Die Ausstellung Pathos exposed zeigt vom 28. November 2025 bis zum 31. Januar 2026 die aktuellen Arbeiten von Lennart Grau, Meisterschüler von Prof. Leiko Ikemura und seit vielen Jahren eine markante Stimme der zeitgenössischen Malerei.
Der Berliner Künstler fühlt sich zu theatralischen und humorvollen, überhöhten Zitaten verführt, ist bekannt dafür, historische Vorlagen aufzubrechen. Auch wenn Graus' Arbeiten weiterhin von der opulenten Bildsprache vergangener Epochen inspiriert sind und durch einen pastosen Farbauftrag bestechen, unterscheiden sie sich zum Teil deutlich von ihren Vorgängern. Sie wirken offener, durchlässiger, befreit von der barocken Schwere und zugleich von mythologischen oder religiösen Bezügen.
Halbnackte, weich fließende, nahezu skulptural modellierte Figuren und Figurengruppen scheinen sich aus einem formlosen Zustand herauszubilden. Zwar klingt in ihren Haltungen der überhöhte Pathos barocker Posen an, dessen Gestik einst Bedeutungen vermittelte, doch verzichtet Grau bewusst auf narrative Verankerung. Gesichter, Beziehungen und Handlungen bleiben offen und gänzlich unbestimmt.
Besonders fasziniert ihn der Augenblick, in dem eine einfache Geste zur Trägerin metaphysischer Kraft wird – ein Moment, der in seinen Arbeiten spürbar ist und die expressive Präsenz seiner Figuren bestimmt.
Gleichzeitig ziehen Graus Werke insbesondere mit ihrer intensiven, haptischen Materialität den Betrachter in den Bann. Die Farbe wird direkt aus der Flasche auf die am Boden liegende Leinwand aufgetragen und in fließende Übergänge verstrichen. So entsteht ein farbsatter, pastoser, reliefartiger Auftrag, aus dem die Figuren auf zart lavierten, atmosphärischen Hintergründen hervortreten.
In einer Gegenwart, die von digitaler Retusche, KI-generierten Bildern, Selbstinszenierung und plastischer Chirurgie geprägt ist, verweisen Graus' Figuren auf Körper, die zunehmend ihre Konturen verlieren. Sie sind keine festen anatomischen Realitäten, sondern formbare Konstrukte. Auf diese Weise gelingt es dem Künstler, eine Verbindung zwischen Geschichte und Gegenwart herzustellen und seine Bildsprache so weiterzuentwickeln, dass sie zeitlos und hochaktuell zugleich ist.
Pathos exposed zeigt Werke, die den Betrachter einladen und herausfordern. Ein Wechselspiel aus Oberfläche und Tiefe, Schönheit und Verfremdung sowie visueller Verlockung.