Münstermann
Er ist bis heute im Oldenburger Land omnipräsent und doch beinahe vergessen: Der Bildhauer und Schnitzer Ludwig Münstermann (um 1575-1637/38) war zu seinen Lebzeiten der wohl außergewöhnlichste Künstler der Region. Zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn noch als Mitarbeiter eines Bremer Meisters an der Fassade des Oldenburger Schlosses tätig, gelangte er bald mit seiner eigenen Werkstatt und durch die Ausstattungen zahlreicher Kirchen der Grafschaft zu Ruhm und Ansehen. Viele der Altäre, Kanzeln und Taufen befinden sich fortwährend an ihren ursprünglichen Orten und vermitteln einen lebendigen Eindruck von Münstermanns Schaffen in der Zeit des Manierismus.
Erstmals wird nun dem Meister Münstermann eine umfassende museale Schau gewidmet. Neben den Beständen des Landesmuseums sind Exponate aus dem Berliner Bode-Museum und dem Focke-Museum Bremen zu sehen, den einzigen beiden Institutionen, in denen ebenfalls Arbeiten Münstermanns verbürgt sind. Zudem ergibt sich die seltene Gelegenheit, Skulpturen abseits ihres sonstigen Standortes in einem kirchlichen Altarraum und von Nahem betrachten zu können.
In der Gegenüberstellung mit Werken anderer manieristischer Künstler wie Bartholomäus Spranger oder Hendrick Goltzius wird die besondere Figurenauffassung Münstermanns deutlich: Er griff bekannte Darstellungstypen auf, versah sie aber mit einem völlig neuen Verständnis von Körper und Ausdruck. Als Manierist von europäischem Rang verstand es Münstermann, die verbreiteten Stilelemente dieser Epoche - wie überlängte Proportionen und übertriebene Posen - auf seine eigene Art zu interpretieren. Seine Figuren verfügen über einen expressiven, beinahe zeitlosen Charakter, seine Altarwerke überwältigen in ihrem Zusammenspiel aus Architektur, Ornament und Figur.
Die Ausstellung nähert sich darüber hinaus den Inhalten seiner Werke, insbesondere den Konzepten von Gesetz und Gnade oder der Taufe, die direkt mit der lutherischen Glaubenslehre verbunden waren. Sie fragt auch danach, wer die Auftraggebenden waren, wie die Münstermannsche Werkstatt gearbeitet hat, welche Veränderungen die Werke im Laufe der Jahrhunderte erfahren haben und welche kunst- und kulturhistorischen Bezüge von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart gezogen werden können. Denn Münstermanns expressive Bildwerke sind von einer Aktualität, die nach den Grundsätzen der menschlichen Existenz fragt und die Betrachtenden auch jenseits aller religiösen Bildinhalte auf tiefer emotionaler Ebene zu berühren vermag.