Paradies von Christian Thoelke
Im Fokus der Ausstellung Paradies steht die Stadtlandschaft als Spiegel der Zeit. Der Berliner Künstler und Kurator Christian Thoelke verbindet Stadtansichten aus der Kunstsammlung der Berliner Volksbank mit eigenen Gemälden typischer DDR-Architekturen.
Die Bilder nehmen Sie mit auf eine Zeitreise: durch die Häuserschluchten und Hinterhöfe des Berlins der Nachkriegszeit, durch die geteilte Stadt zwischen Resignation und Hoffnung und schließlich durch Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung, wo die Spuren der DDR als überwucherter Plattenbau oder vernagelter Konsum noch immer sichtbar sind.
Ausgehend von seinen persönlichen Erfahrungen reflektiert der Ostberliner Künstler Christian Thoelke den tiefgreifenden Wandel seiner Lebensumgebung.
Entstanden in den letzten Jahren sind Thoelkes Werke Sinnbilder einer Gesellschaft, die sich neu definieren muss – so wie Ostdeutschland nach 1989. Die nahezu vollständige Abwesenheit des Menschen in den Bildern lässt Raum für eigene Interpretationen, Assoziationen und Emotionen – was macht es mit einem Ort, der nicht mehr gebraucht wird, was macht das mit den Menschen, die dort leben?
Dieser aktuellen Perspektive stehen rund 60 Stadtdarstellungen aus der Kunstsammlung der Berliner Volksbank gegenüber. Sie stammen von Künstler:innen aus der DDR wie Manfred Butzmann, Ursula Strozynski oder Ulla Walter und Westdeutschen Zeitgenossen wie Rainer Fetting, K. H. Hödicke oder Barbara Quandt.
Während die Werke der Künstler:innen dieser Generation Zeitdokumente des gesellschaftlichen und politischen Umbruchs der Nachkriegszeit sind, fragen Christian Thoelkes Bilder eindringlich aber nicht ohne Empathie, was nach dem erneuten Systemwechsel von den Hoffnungen und Träumen geblieben ist.
Welche Visionen füllen die Leerstellen von damals? Wie erleben wir Wandel heute – als stille Beobachter oder aktive Gestalter? Und schließlich: Wie wollen wir leben?