Philip Loersch (*1980 in Aachen) studierte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, wo er seine künstlerische Praxis an der Schnittstelle zwischen Zeichnung und Schrift entwickelte.
In seiner Ausstellung „Les Pierres“ präsentiert Philip Loersch eine neue Gruppe seiner handbezeichneten Buchstein-Skulpturen, kostbare Artefakte des versierten Zeichners, die in Graphit- und Buntstift auf weißem zart marmorierten Alabaster ausgeführt sind.
Es sind steinerne Bücher, die sich nicht weiterblättern lassen und jeder direkten Lesbarkeit entziehen. Zugleich denken sie das monographische Buch von seiner Peripherie her und setzen den Fokus auf das Werkverzeichnis, in dem das OEuvre eines Künstlers geordnet, benannt und vollendet erscheint. Jede einzelne Skulptur widmet sich einer Größe der europäischen Kunstgeschichte: „Pierre Rembrandt“, „Pierre de La Tour“, „Pierre Turner“, „Pierre Mondrian“.
Im Detail zeigt sich die präzise Gestaltung der Exponate. Die Steine werden gesägt, bearbeitet und geschliffen, dass sie an die aufgeschlagene Doppelseite eines Buches erinnern. Auf diese Formen wird mit Bleistift,Tusche und Buntstift gezeichnet, direkt auf den Stein oder auf eine dünne Grundierung. So entstehen unterschiedliche Grade von Transparenz und ein wechselndes Verhältnis von Schrift, Bild und Licht.
Abbildung: Ausgangspunkt ist hier der Tafelteil des Werkverzeichnisses zu Piet Mondrian. Die Form des aufgeschlagenen Buches ist aus dem Stein herausgearbeitet. Die Maserung setzt sich über beide Seiten fort und bleibt dabei heterogen. Auf ihr entfaltet sich ein Gefüge aus Linien und Flächen, das an Mondrians strenge Kompositionen erinnert. Die zeichnerische Übertragung trifft auf die natürliche Struktur des Steins. System und Material überlagern einander. Die Klarheit der Ordnung bleibt bestehen, wird jedoch durch den Stein verschoben.