Preisträger des Wolfram Beck Preis für Bildhauerei 2026 Luise Sandberger, Khaelis, Frank Warnke, Yuqing Liu
Zum zweiten Mal wurde der Wolfram Beck Preis für Bildhauerei an Studierende der Bildenden Künste der UdK Berlin verliehen. Sie Stiftung Wolfram Beck würdigt die drei Preisträgerinnen und den Preisträger mit einer Gruppenausstellung.
Der erste Preis ging an Luise Sandberger.
In Gespräch über ihre Kunst eröffnet uns Luise ein Universum der Auseinandersetzung und Rezeption von Fragen des Vergehens. Natürliche Auflösungsprozesse nimmt Sie auf und lässt sie zu kleinen Monumenten werden, die uns an das Schöne in der natürlichen Vergänglichkeit erinnert. Sie setzt sich mit der Metamorphose alles Körperlichen auseinander: mit Wachstum, Verdichtung, Verletzlichkeit, Zerfall und der Frage, welche Formen aus Prozessen von Auflösung und Transformation hervorgehen. Dabei interessiert sich sind für den Zustand permanenter Veränderung - als etwas, das sich bildet, sich häutet, reagiert, verwundet wird, vergeht und in anderer Form wiederkehrt. Tod und Zersetzung erscheinen in ihren Arbeiten nicht nur als Endpunkte, sondern als produktive Momente eines zyklischen Geschehens, in dem Destruktion und Schöpfung untrennbar miteinander verbunden sind.
In ihrer neuen Serie greift sie die von der Natur geschaffenen und sich durch graphische Qualität auszeichnenden Suturen auf - feinen Nahtlinien, an denen Knochenplatten aufeinandertreffen und Wachstum, Fügung und Bruch zugleich sichtbar werden. Luise Sandberger nimmt uns mit auf eine Reise, auf der wir Lebensadern neu begreifen und zusätzlich zu unserem üblichen Seeverhalten zum Gebrauch unserer Tast- und Geruchssinn zu animiert werden.
Khaelis (ELISABETH KHAKIMOVA), Franz Warnke und Yuquing Liu teilen sich gemeinsam den zweiten Platz.
Khaelis bildhauerischer Gestaltungskanon lässt sich nicht ohne Weiteres greifen. Das mag daran liegen, dass sie von großen wesentlichen Fragen getrieben wird, auf die sie bislang selbst noch keine Antworten gefunden hat. Postsozialistisch und osteuropäisch geprägt wird Khaeils getrieben von Spuren, die Farben und Ikonographie hinterlassen haben.
Zugleich kann sie beim bildhauerisch Gestalten die Fragen nicht ausblenden, welche Faktoren den subjektiven oder Marktwert einer Skulptur bestimmen. Das Werk kann in einen Kontext gestellt werden, den die Künstlerin selbst nicht beeinflussen kann und plötzlich erhält das eigene Werk eine andere Bedeutung.
Für Khaelis ist die Frage zentral, was Bildhauerei heute sein kann: Arbeiten an physischen Stoffen und ein Denken in prozesshaften Beziehungen. Neben autonomen Objekten entstehen Projekte, die als Materialstudien und Formen künstlerischer Forschung fungieren und den Betrachter als aktiven Teil der skulpturalen Situation einbeziehen.
Franz Warnke entnimmt technischen Konstruktionen ihre Bestandteile und entledigt sie ihrer Funktionalität. Er erweckt der Hilfskonstruktion ihre immanente gestalterische Ästhetik und fügt die Elemente neu zusammen. Die ursprüngliche Funktion verschwindet jedoch nie, sondern wird allegorisch. Stuhlbeine von Bürodrehstühlen, Armierungsstahlstreben oder Handläufe erinnern noch an ihren ursprünglichen Zweck, laden zu Assoziation ein und werden zugleich ganz Form. Franz Warnke überführt ästhetische Funktionalität in funktionale Ästhetik. Seine Arbeiten erinnern an berühmte Assemblagen der 1960er Jahre jedoch in der klinischen Sprache des industriellen Designs der Gegenwart
Für ihre Abschlussarbeit zum Thema Nachhaltigkeit entwickelt Yuqing Liu eine zweiteilige Installation, die sich mit menschlichen Eingriffen in natürliche Ressourcen und deren langfristigen Spuren auseinandersetzt. Ausgangspunkt sind Baumstämme, die bereits sichtbare Spuren menschlicher Aneignung tragen – eingeritzte Initialen, Herzen und andere Zeichen. Keramische Tonabdrücke von den Narben der Bäume werden auf gefundenes Holz übertragen. Der Prozess des Tonabbaus wird so mit der menschlichen Besetzung natürlicher Ressourcen parallelisiert: Beides hinterlässt bleibende Spuren in der Landschaft. Es entsteht die Replik eines Hunderte Jahre alten Baumstamms als Zeitzeuge seiner Begegnung mit den Menschen.