SEO - Wenn Räume sich berühren
Die durch die Welt wandernde Seele in Gleichzeitigkeit
Georg-Baselitz-Meisterschülerin SEO mit neuer Malerei rund um Simultanität und Schönheit in der Augsburger GALERIE NOAH – Eröffnung am 21.5.2026!
Immer weiter, immer fort, hinauf, hinab, hinüber, hinfort, das Andenken an vergangene Tage im Gepäck, verklärte Bilder, idealisiert, geschönt, tauchen auf, verschwinden, mischen sich gekonnt unter die Wirklichkeit, diese Gegenwart, ja, überlagern das Hier und Jetzt, subtil, subversiv, perfide. Reizüberflutet, so hat es den Anschein, erfährt die Ich-Perspektive, der Autor dieser neuartigen Bilder im Kuppelsaal der GALERIE NOAH seine Umgebung, kaum Zeit, sein aktuelles Gegenüber, die Umwelt, ausreichend zu mustern, geht es schon weiter zum nächsten, Bild, Ausblick, in die nächste Dimension. Stets in Bewegung ist diese durch die Welt wandernde Seele, rastlos, hungrig, neugierig, gleichermaßen immer, für ewig, wie versprochen, auf der Suche nach Schönheit, ohne Gnade, ohne Grenze, mit ganz eigenem Geschmack. In Korea müsse schließlich „alles immer schön sein“, „alles Negative von Schönheit überdeckt werden“, so unsere Urheberin, die Deutsch-Koreanerin SEO, die laut Kunsthistoriker und Kurator Christoph Tannert „auf abbildhafte Projektionen von Seinsfülle“ setze, die „so barock und gültig sind, wie ein Paradies für sie nur vorstellbar ist“.
Back to Reality, zur Kunst in unserem Raum: Was bewirken Wahrnehmung und Erinnerung in Simultanität, was bleibt aus der Vergangenheit zurück und beeinflusst wie unsere existentielle Jetztzeit, fragt sich die Künstlerin in ihrer neuen Malerei und geht wie gewohnt von außen nach innen vor: Gefühle, für sie in erster Linie gemacht durch sinnliches Erspüren der Außenwelt, werden erforscht, versucht, in Systematik und Struktur erklärbar zu machen, in den Griff zu kriegen. Dafür wechselt sie die Perspektive wie andere die Schuhe, in mehrteiligen Arbeiten erinnert sie an Zeichentrickfilme der 1970er Jahre, an das japanische Studio Ghibli genauso wie an Storyboards, oder Comics. Sie malt poppig, in lauter schnell zu erfassender Farbigkeit und Komposition, surreal, bringt Himmel und Ozean zusammen, dann abstrakt, wie farbig geschüttet, formauflösend, und plötzlich naiv, Natur wie von Kinderaugen erfasst, in Acryl auf Leinwand, oder auf Collage aus Reispapier. Gleichzeitigkeit ist ihr großes Thema, zudem das Thema unserer Zeit, der Generation Alpha; im echten Leben wie im Internet, den sozialen Medien samt Instagram, unterwegs, bleibt in Frage zu stellen, was intensiver erfahren wird, und auch, ob wahr oder falsch. „Ein Bild soll nicht erfunden, sondern empfunden sein“, so Caspar David Friedrich, der große deutsche Romantiker, den sich unsere gebürtige Asiatin sehr wohl zu Herzen nimmt. Und so kommt`s, dass die abgerufenen Erinnerungen samt einhergehender Gefühligkeit Ägypten, das neue Museum Kairo, die Pyramiden, mit dem Grand Canyon, die toskanischen Hügel, alpine Gebirgsketten, koreanische Reisfelder, deutsche Laubwälder und mediterrane Meerengen auf Leinwand verschmelzen lassen. Nach Reisfeldern, Galaxien, futuristischen Gebilden Überwasser und neoromantischen, poetischen Schwanengesängen nun kredenzt SEO serielle Phantasie-Landschaften und narrative wie abstrakte Genremalerei von allegorischem Charakter.
SEO, eigentlich Seo Soo-Kyoung, 1977 in Gwangju, Südkorea, geboren, studiert erst Kunst an der Cho-sun Universität in Gwangju, wo sie die koreanische Reispapiertechnik erlernt, bevor sie 2001 in die Klasse von Georg Baselitz an die Universität der Künste Berlin wechselt. Sie schließt 2004 als dessen Meisterschülerin ab, erhält zahlreiche Auszeichnungen wie die Blickachsen Bad Homburg, den Falkenrot Preis Berlin oder den Bejing Art Award China und stellt schnell in großen internationalen Museen aus, auch auf der Biennale in Venedig. Sie beschäftigt sich, im Übrigen auf Anraten ihres Lehrers Baselitz, intensiv mit der Suche nach Heimat, ihrer Identität als Ostasiatin in Mitteleuropa, einem Hin- und Hergerissensein zwischen Tradition und Moderne. Stilistisch auf den Punkt bringt sie ihr Thema mit Einbezug der Reispapiertechnik und der Collage, die eine verfremdende Plastizität erzeugt, gebettet in ihre ganz eigene, poppig-surreale Neo-Romantik, die wiederum einem dynamisierenden Futurismus klar und deutlich gegensteuert, mit ganzer Wucht entschleunigen möchte. Pointillistische, auch expressionistische Tendenzen hat ihr Werk, genauso wie abstrahierende, alles fließt ein, über, weiter.
Gut 20 neue Arbeiten aus den Serien „Gleichzeitigkeit – Wenn Räume sich berühren“, „Fremd im eigenen Heim“, „Raum und Zeit“ und „Home is where I want to be“ nehmen den Betrachter hier und heute mit auf eine Reise durch die Welt von SEO, die sie sich malt, wie sie ihr gefällt, verzaubernd, bezaubernd, und irritierend zugleich.
Im Studio: neue Enkaustik-Malerei von Günther Baumann aus Augsburg.
Ausstellungsdauer: 22. Mai bis 19. Juli 2026