Wer ist alles ich? Claudia Holzinger & Hans Pfrommer
Claudia Holzinger & Hans Pfrommer
Der Ursprungsmythos der Malerei beschreibt, wie ein Mensch zum ersten Mal eine Linie um den eigenen Schatten zieht: Das erste Bild war nach dieser Erzählung eine Selbstdarstellung – wie in der Folge eine Vielzahl der bekanntesten Meisterwerke der Kunstgeschichte. Spätestens seit Beginn der Moderne diente schließlich so manchem die Inszenierung der eigenen Person gar gleichzeitig als Inhalt und Träger der Imagination. Dabei blieb der Akt an sich immer heikel: Selbstdarstellende Künstler erhalten große Aufmerksamkeit, im positiven wie im negativen Sinn: Eigentlich kann niemand Leute ausstehen, die sich ständig selbst in den Blick nehmen. Besondere Skepsis ist allerdings bei jenen geboten, die allzu laut davon reden, ihre Person dabei in den Dienst der Kunst zu stellen – Dienstbarkeit hat nichts Glamouröses.
Wie also würde es aussehen, wenn man es wirklich ernst damit meint?
Mit dem Maler Hans Pfrommer und der Fotografin Claudia Holzinger bringen wir zwei Positionen
zusammen, die sich diesbezüglich nichts vorzuwerfen haben, da sie in Sachen Selbstdarstellung auch vor den unangenehmsten, würdegefährdendsten und stacheligsten Settings nicht zurückschrecken. Holzingers inszenierte Fotografie erweist sich als grenzenloses Verwandlungsspiel. Mit dem Anschein von Leichtigkeit schlüpft sie in die Rollen von Vogelscheuchen, Kakteen, Weinrispen und allem, was es sonst schwer hat, auf große Bühnen zu geraten. Es ist das Abseitige, das Vergessene und Sperrige, das Holzinger mit ihren Performances in das Bewusstsein zurückholt und dabei unter Einsatz erheblich aufwändiger Kostümierungen in Szene setzt. Auf Seiten des Betrachters spielt sie dabei mit dem gleichen emphatischen Mechanismus, der bei uns beim Anblick jener in Gang gerät, die sich an Sommertagen am
Rande großer Sportereignisse in übergroße Maskottchenkostüme zwängen müssen, und entlarvt durch die Hintertür unsere medial geprägten Sehgewohnheiten des Geschönten und Geschliffenen.