Max Egger ist zwar mit Kunst groß geworden, hat sich aber lange vor allem für Wirtschaft interessiert. Schon als Student handelte er mit Aktien und Krypto-Währung. Einen eigenen Zugang zur Kunst fand er über NFTs: Als BWLer interessierten ihn an ihnen die rasanten Wachstumsraten, als zukunftsgewandter Zeitgenosse die Blockchain-Technologie und als Sammlerkind schließlich auch der Aspekt, dass es sich dabei um Kunst handelt.
Nachdem er sich nach dem Studium zunächst in der Start-up-Welt herumgetrieben hatte, landete er per Zufall im Backoffice der Galerie Kornfeld – und hatte dort, wie er den beiden Podcastern Friedrich von Borries und Alexander Doudkin erzählt, ein Erweckungserlebnis. Plötzlich wusste er, dass er Galerist werden wollte. Seitdem treibt ihn um, wie man die Galerie der Zukunft entwickelt. Denn der konkrete physische Ort, so Egger, verliere an Bedeutung, gleichzeitig werde der virtuelle Raum für das Verkaufen von Kunst immer wichtiger.
Bislang, so erklärt er, lebt der Kunstmarkt von der engen Beziehung zwischen Galerist und Sammler, dem Vertrauensverhältnis, das über Jahre wächst. In Zukunft werden aber auch Metadaten wichtig: "Wenn du die hast", so Egger, "dann kannst du auch das Konsumverhalten vorherbestimmen". Neue Wege des Verkaufens, wie sie in anderen Branchen längst üblich sind, seien auch wichtig, weil die bestehenden Modelle wenig zukunftsfähig sind. So sei der Vertriebsweg Kunstmesse ökologisch immer weniger tragbar – und auch kaum noch bezahlbar.
"Kunstmarkt ist Business und Romantik"
Wenn man Egger zuhört, erscheint einem die Galerie der Zukunft plötzlich als etwas Paradoxes: Zum einen ein Internet-Start-up, das global verfügbar ist, zum anderen ein intimer, vertrauensvoller Ort.
Für Egger ist genau diese Koexistenz des Widersprüchlichen der besondere Reiz: "Man darf sich da nicht vom Entweder-oder fressen lassen", erklärt er. "Es gibt das eine und das andere, sondern beides: Kunstmarkt ist Business und Romantik". Und diese Offenheit für Ambivalenz ist mit Sicherheit etwas, was man auch auf andere gesellschaftliche Zusammenhänge produktiv übertragen kann.
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