Unfreiwillige Zerstörungen von Kunstwerken

Sie baden gerade Ihre Hände darin

ANZEIGE

Aufgewischt, weggeräumt, reingestolpert: Die Kunst hat einen natürlichen Feind, den Tollpatsch. Eine Auswahl versehentlicher Kunstzerstörungen.

Joseph Beuys ist wohl das bekannteste Opfer versehentlicher Zerstörung von Kunstwerken - ihn traf es gleich doppelt. 1973 putzten zwei Frauen eine mit Mullbinden und Heftpflastern gefüllte Wanne sauber: die Beuys-Arbeit „Unbetitelt (Badewanne)“. Die beiden benutzten den Behälter nach ihrer SPD-Ortsverein-Feier in Leverkusen zum Gläserspülen. Über die 1986 vom Hausmeister weggewischte „Fettecke“ in der Düsseldorfer Kunstakademie wurden bereits Bücher verfasst. Beide Unfälle sollen Nordrhein-Westfalen jeweils 40.000 DM gekostet haben.

In der Londoner Eyestorm Gallery räumte eine Reinigungskraft im Jahr 2001 versehentlich die Installation „Untitled“ – Spuren einer Party – von Damien Hirst auf. Der amüsierte sich über den Vorfall. 2004 entfernte ein Mitarbeiter des Tate Britain eine Plastiktüte, die zu der Installation "Recreation of First Public Demonstration of Auto-Destructive Art" von Gustav Metzger gehörte. Von Tracey Emin wurden die beiden Arbeiten „Self Portrait: Bath — a neon light“ und „Feeling Pregnant III. My Uncle Colin“ in der Scottish National Gallery of Modern Art von Ausstellungsbesuchern beschädigt.

2007 entfernte die Stadtreinigung in Kassel Striche vom Asphalt, die einen Tag zuvor von der chilenischen Künstlerin Lotty Rosenfeld im Rahmen der Documenta 12 auf die Strasse vor dem Fridericianum angebracht wurden. Ihre Installation „Eine Meile aus Kreuzen auf dem Asphalt“ sollte an ihre eigene Protest-Aktion gegen den Diktator Pinochet erinnern, bei der sie bereits 1979 weiße Streifen auf die Straßen Chiles klebte.

In einem Dortmunder Museum hat 2011 eine Reinigungskraft Teile eines Kunstwerks von Martin Kippenberger weggeputzt. "Wenn's anfängt durch die Decke zu tropfen" besteht aus einem menschenhohen Holzplattenturm. Unten in der Mitte befindet sich ein Gummitrog mit einem weißlichen Kalkfleck. Den hat die Putzfrau an allen vier Seiten weggeputzt.

Auch die Graffiti des anonymen Künstlers Banksy wurden mehrfach entfernt. Der Vorsitzende des muslimischen Kulturzentrums in Bristol ließ kürzlich ein Werk von der Fassade überstreichen, in Melbourne verschwanden Banksys Fallschirm-Ratte sowie der Taucher im Trenchcoat, und in London übermalten Bauarbeiter vor drei Jahren die Darstellung einer Szene aus dem Film "Pulp Fiction" von John Travolta und Samuel L. Jackson. Das Graffito, das die beiden Schauspieler mit Bananen anstatt mit Waffen in der Hand zeigt, wurde auf einen Wert von knapp 340.000 Euro geschätzt.

Im Jahr 2000 schmissen Pförtner einer Londoner Dependance des Auktionshauses Sotheby's eine scheinbar leere Kiste in einen Müllzerkleinerer. Sie waren sich offenbar nicht im Klaren darüber, dass sich ein 157.000 US-Dollar teures Bild des britischen Malers Lucian Freud darin befand.

Als der Kunstsammler und Casino-Besitzer Steve Wynn 2006 Journalisten gestikulierend erklärte, dass er „Le Reve“ von Pablo Picasso aus dem Jahr 1932 für 139 Millionen US-Dollar verkaufen wolle, schlug er versehentlich mit dem Ellbogen gegen das Gemälde und beschädigte es dabei. Daraufhin sprang der potenzielle Käufer ab und der Kaufpreis sank nach einer 90.000 Euro teuren Reparatur auf 85 Millionen US-Dollar. 2010 fiel eine Frau im Metropolitan Museum of Art versehentlich in das Picasso-Bild „L’acteur“ von 1904, das auf einen Wert von 130 Millionen US-Dollar geschätzt wurde. Es entstand ein 15cm langer Riss, der drei Monate lang repariert werden musste.

Weitere Artikel aus Interpol