Kunsthalle Düsseldorf

Stefan Marx im Großformat

Für die Ausstellungsreihe "Work in Progress" lässt die Kunsthalle Düsseldorf Künstlerinnen und Künstler vor Publikum ihre Wände gestalten. Stefan Marx’ Arbeit ist inzwischen fertig

An Hausfassaden, auf Skateboards, T-Shirts, Plattencovern und Porzellan – Stefan Marx zeichnet längst nicht nur auf Papier. Da passt es natürlich hervorragend, dass die Kunsthalle Düsseldorf den 1979 in Schwalmstadt geborenen Künstler eingeladen hat, im Rahmen ihrer Ausstellungsreihe "Work in Progress" die weißen Wände des Hauses zu bemalen. Fehlt eigentlich nur noch die Skateboardrampe.

Vom 6. bis 21. Juli konnte man Marx bei der Arbeit über die Schulter schauen: auf der Leiter und dem Hubwagen, mit Pinsel und Farbe. Noch bis zum 2. August ist das Ergebnis in der Kunsthalle Düsseldorf zu sehen. Danach werden die Wände wieder weiß überstrichen, und die nächste Künstlerin, Joëlle Dubois, ist dran. Insgesamt realisieren fünf Künstlerinnen und Künstler nacheinander jeweils vier Wochen lang ortsspezifische Wandmalereien.

"Keep it like a secret", "seriously", "no time" und "exit" stehen da jetzt in Marx’ unverkennbarer Ballonschrift auf rosafarbenem Grund. Die Wörter und Sätze sammelt der Künstler im Alltag: in Musik, Gesprächen, Notizen oder SMS von Freunden. "Wenn die Notizen so eine starke Eigenromantik haben, dann habe ich auch direkt Bilder im Kopf", sagte Marx dem Magazin "Beige". Er möge es, wenn solche sprachlichen Schnipsel durch das Aufmalen "eine andere Aura bekommen". 
 

Großes Wandbild: schwarze Linien, Figuren und Kette auf Rosa, „NO TIME“, Person als Maßstab.
Foto: Katja Illner

Stefan Marx "Work in Progress", Ausstellungsansicht, Kunsthalle Düsseldorf, 2026


Die Aura, die diese Schnipsel nun in der Kunsthalle ausstrahlen, ist ganz typisch für Marx: beiläufig und gut gelaunt, aber nicht unbeschwert. Neben dem Schriftzug "no time" ragen überlebensgroße Spielfiguren fast bis an die Decke. Mit ihrer A-Form sehen sie aus, als wären sie einem "Mensch-ärgere-dich-nicht"-Spiel entlaufen – allerdings ärgern sie sich offenbar doch. Die Mundwinkel der einzigen Figur mit Gesicht hängen nach unten. Auch die Sternschnuppen scheinen schlechte Laune zu haben. 

An einer anderen Wand weht eine skizzenhafte Europaflagge. Fragen nach Zugehörigkeit und Zerfall kommen auf. "Exit" erinnert an Brexit und Abschottung, "no time" an Überforderung und schwindende Handlungsspielräume. Marx selbst beschreibt die Skateboard- und Independent-Musikszene als kulturelle Kontexte, aus denen er kommt und in denen politische Haltung nie von künstlerischem Schaffen und Lebensführung getrennt war.

Kunst begreift er als Teil des Alltags und als offenen Raum, der Menschen ohne große Schwellen zugänglich sein soll. In der Kunsthalle Düsseldorf reicht dieses Verständnis nun vorübergehend bis an die Decke.