Wie geht es den Künstlerinnen und Künstlern in Deutschland, wie ist ihre Arbeits- und Einkommenssituation? Die frisch in Berlin vorgestellte Studie "Von der Kunst zu leben. Die wirtschaftliche und soziale Situation Bildender Künstler:innen", ausgeführt von der Prognos AG im Auftrag des Bundesverbands Bildender Künstler:innen (BBK) und der Stiftung Kunstfonds, gibt darauf einerseits eine niederschmetternde Antwort. Andererseits aber unterlegt sie, dass Kreative trotz widrigster Umstände Erfüllung in dem finden, was sie tun – was in unseren eher miesepetrigen Zeiten durchaus Anlass zur Hoffnung gibt.
Der ernüchternde Teil der Studie bezieht sich vor allem auf die prekäre finanzielle Situation der Kunstschaffenden. Demnach erzielen 90 Prozent der Befragten ein jährliches Arbeitseinkommen aus künstlerischer Tätigkeit von weniger als 20.000 Euro. Zum Vergleich: Von den Vollzeiterwerbstätigen der Gesamtwirtschaft erzielen fast spiegelverkehrt 88 Prozent ein Nettoeinkommen von mehr als 20.000 Euro im Jahr.
Nur ein Fünftel der rund 2100 Personen, die an der Online-Umfrage teilnahmen, generiert Einkommen ausschließlich durch künstlerische Tätigkeiten – dazu zählen Lehre in ihrem Fachgebiet, Honorare für künstlerische Arbeit und Ankäufe von Sammlungen, Museen und Stiftungen.
Die brotlose Kunst kann kaum deutlicher bestätigt werden
Die Studie zeigt ebenfalls, dass Männer nach wie vor mehr verdienen als Frauen und häufiger von Galerien vertreten werden. Künstlerinnen übernehmen dagegen mehr Care-Arbeit und sind öfter in Teilzeit tätig.
Erschreckend ist auch der Blick auf die Rentenhöhe: So erhalten 54 Prozent der Befragten mit Rentenbezug monatliche Beträge zwischen null und 800 Euro - und liegen damit deutlich unter dem Durchschnitt der gesetzlichen Rente in Deutschland von 1099 Euro. Die alte Redewendung von der brotlosen Kunst, sie kann kaum deutlicher bestätigt werden.
Trotz allem aber scheinen die Kunstschaffenden Sinn und Erfüllung in ihrer Tätigkeit zu finden. Ein Großteil der Befragten glaubt, dass ihr Berufsstand Verantwortung zur Mitgestaltung unserer Gesellschaft übernehmen kann (87 Prozent). Besonders oft wurden dabei die Themen Toleranz und Respekt (89 Prozent), allgemeine Bildung und Wertebildung (jeweils 85 Prozent) genannt. Drei Viertel der Befragten sind dabei auch ehrenamtlich in Vereinen, zivilgesellschaftlichen Organisationen oder Bildungseinrichtungen aktiv.
Geld ist nicht das Wichtigste - aber auch wichtig
Auf die Frage, was sie am Künstlerinnendasein am meisten schätzen, nannten die Befragten am häufigsten die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit (78 Prozent), Freiräume und Autonomie und die Möglichkeit, einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten (70 Prozent). Und während 90 Prozent sagten, dass ihnen die Anerkennung ihrer Arbeit sehr wichtig sei, gaben nur neun Prozent an, den wirtschaftlichen Erfolg an ihrer Tätigkeit besonders zu schätzen.
Kunst ist mehr als ein Job, Geld ist nicht das Wichtigste. Künstlerinnen und Künstler zeigen, dass sich in unserer durchkapitalisierten Welt auch anders über Wert nachdenken lässt. Das sollte allerdings keine Rechtfertigung dafür sein, nicht das gesamte Ökosystem der Kunst zu schützen – von verbindlichen Ausstellungshonoraren bis zu bezahlbaren Atelierräumen, von Förderprogrammen bis zur sozialen Absicherung, von der Unterstützung der Projekträume, Kunstvereine und Institutionen bis zur Stärkung des Urheberrechts.