Der südafrikanische Pavillon wird bei der kommenden Biennale Arte 2026 leer bleiben. Das bestätigte eine Sprecherin des südafrikanischen Kulturministeriums gegenüber "The Art Newspaper". Hintergrund ist ein Streit zwischen der Künstlerin Gabrielle Goliath und dem Kulturminister Gayton McKenzie, der das geplante Projekt der Künstlerin Anfang Januar stoppte.
Goliath und die Kuratorin Ingrid Masondo waren im Dezember als offizielles Team für den Pavillon ausgewählt worden. Gezeigt werden sollte eine neue Version von Goliaths seit 2015 entwickeltem Video- und Soundprojekt "Elegy", das sich mit Femiziden sowie der Ermordung von LGBTQI+-Personen in Südafrika befasst. Für die Biennale war eine Erweiterung geplant, die auch Gewalt gegen Frauen in Namibia sowie in Gaza thematisierte – darunter den Tod der palästinensischen Dichterin Hiba Abu Nada, die 2023 bei einem israelischen Luftangriff getötet wurde.
Minister McKenzie bezeichnete diesen Teil des Projekts in einem Schreiben vom 22. Dezember als "highly divisive" und forderte Änderungen. Nachdem Goliath dies ablehnte, entzog das Ministerium Anfang Januar die Unterstützung. Ein Eilantrag der Künstlerin vor dem Obersten Gerichtshof Südafrikas, die Entscheidung rückgängig zu machen, wurde nun abgewiesen. Die Richterin Mamoloko Kubushi nannte in ihrem Urteil keine Begründung. Goliath kündigte an, in Berufung zu gehen.
Südafrika setzt Teilnahme vollständig aus
Nach dem Gerichtsbeschluss erklärte das Ministerium, es werde keine staatlich finanzierte Ausstellung im südafrikanischen Pavillon geben. Zwischenzeitlich war hinter verschlossenen Türen über alternative Beiträge beraten worden; auch Gespräche mit dem Künstlerkollektiv Beyond the Frames hatten stattgefunden. Inzwischen wurde jedoch entschieden, die Teilnahme vollständig auszusetzen.
In Teilen der südafrikanischen Kunstszene wird die Entscheidung als Eingriff in die Kunstfreiheit gewertet. Die Künstlerin Candice Breitz, die 2017 selbst Südafrika in Venedig vertrat, kritisierte gegenüber "The Art Newspaper", dass die Regierung es versäume, die verfassungsmäßigen Rechte einer südafrikanischen Künstlerin zu verteidigen, und sprach von einer "gefährlichen Signalwirkung" für die Kunstfreiheit im Land. Auch das Campaign for Free Expression äußerte sich besorgt über die Konsequenzen des Urteils für Künstlerinnen und Künstler.
Südafrika hatte seit 2011 durchgehend an der Biennale Arte teilgenommen und verfügt über einen langfristig angemieteten Pavillon-Standort in Venedig.