Mexikanische Künstlerin

Teresa Margolles bekommt Käthe-Kollwitz-Preis 2026

Teresa Margolles setzt sich in verschiedenen Medien mit dem Alltag und den sozialen Ursachen für Gewalt in ihrem Heimatland Mexiko auseinander. Nun wird sie mit dem Käthe-Kollwitz-Preis geehrt

Die Verleihung der Auszeichnung soll im Herbst 2026 stattfinden, außerdem soll zu diesem Anlass eine neue Installation von Margolles am Pariser Platz in Berlin zu sehen sein. "Die Akademie der Künste ehrt mit dem Preis eine Künstlerin, die sich mit den sozialen Ursachen und Folgen von Tod, Zerstörung, Vertreibung, Diskriminierung, Elend und Gewalt auseinandersetzt", heißt es in einer Begründung der Jury, die aus den Akademie-Mitgliedern Rosa Barba, Alexandra Bircken und Raimund Kummer bestand. "In der Gegenwärtigkeit des Wahrnehmenden werden anonyme Opfer von Gewaltsystemen zu virtuellen Agenten, ihre Stimmen bekommen in Margolles' Werk einen signifikanten Platz".

Teresa Margolles wurde 1963 geboren und lebt in Mexiko-Stadt und Madrid. Sie war Mitglied des Untergrund-Kollektivs SEMEFO, das unter anderem als Metal-Band auftrat und mit Kunst aus menschlichen Überresten experimentierte. Auch in ihren späteren Arbeiten benutzte Margolles teils Materialien wie menschliches Fett. Sie bespielte 2009 den mexikanischen Pavillon in Venedig und nahm zweimal an der Hauptausstellung teil. Auch auf der Manifesta 11 in Zürich (2016) waren Margolles' Arbeiten zu sehen. 2017 arbeitete sie mit einem DAAD-Stipendium in Berlin und zeigte in der DAAD-Galerie auch eine Einzelausstellung über das Massensterben in ihrem Heimatland Mexiko. Bereits 2010 war sie mit einer Soloschau im Fridericianum in Kassel in der deutschen Kunstwelt präsent.

Seit 2024 zeigt sie in London eine große Installation auf der "Fourth Plinth" auf dem Trafalgar Square. Sie besteht aus einem Quader aus Masken, das die Zahl der Morde an Trans-Personen auf der ganzen Welt beleuchtet. Ihre Skulptur mit Gips-Abgüssen der Gesichter von 850 Trans-Personen, von denen die meisten in der Sexarbeit tätig sind, versteht sie als eine "Mauer des Widerstands". Mit der Zeit werden die Gesichter durch das Londoner Wetter verfallen und verblassen und "eine Art Anti-Monument" hinterlassen, so Margolles.

Der Käthe-Kollwitz-Preis, der nach einer der berühmtesten deutschen Grafikerinnen und Bildhauerinnen benannt ist, wird seit 1960 jährlich an bildende Künstlerinnen und Künstler vergeben und ist mit 12.000 Euro dotiert. Ausgezeichnet wurden zuletzt Sandra Vásquez de la Horra (2023), Nan Goldin (2022), Maria Eichhorn (2021) und Timm Ulrichs (2020). 2025 hatte der Künstler Fareed Armaly den Preis aufgrund der deutschen Kulturpolitik abgelehnt. Daraufhin wurde die Verleihung ausgesetzt.