"Fantasiemuskel"-Podcast #67

Theater als Kirche der Zweifler – mit Kay Voges

Fantasiemuskel Kay Voges

Kay Voges will das Schauspiel Köln als Gegenraum im Zeitalter von Fake News neu denken. Im "Fantasiemuskel"-Podcast spricht er über Theater als demokratisches Experimentierfeld zwischen Klassik, hybriden Formaten und investigativer Recherche

"Wir sind nicht die Guten" – mit dieser These eröffnet Kay Voges seine Intendanz am Schauspiel Köln im aktuellen Spielzeitbuch. Keine Kampfansage, sondern ein Versprechen: Hier wird nicht gepredigt, sondern gesucht, gezweifelt, ergründet. Ein Theater, das nicht von oben herab spricht, sondern mit seinem Publikum eine "Kirche der Zweifler" bildet.

Voges, zuvor Intendant am Schauspiel Dortmund und zuletzt am Volkstheater Wien, bleibt sich treu: ein Suchender, der einst aus einer Punkband zum Theater kam und bis heute sagt: "Ich weiß eigentlich nicht, wie Theater geht." In der neuen Folge von "Fantasiemuskel", dem Monopol-Podcast über Kunst, Wirtschaft und Transformation, spricht Voges mit Torsten Fremer über seine Vision, das Schauspiel Köln in ein "Medienhaus" zu verwandeln. Einen Ort, der neben Klassikern vor allem eines will: die alten Gegensätze von Fakten und Fiktion neu verhandeln. 

Wenn Lügen und "alternative Wahrheiten" die Öffentlichkeit bestimmen, muss das Theater, so Voges, zum Gegenraum werden – ein Ort, an dem komplexe Zusammenhänge jenseits von Schlagzeilen und Clickbait sichtbar werden. Hierzu kooperiert er mit dem mehrfach ausgezeichneten Medienhaus "Correctiv", um investigative Recherchen auf die Bühne zu bringen.

Menschen teilen einen Raum, eine Gegenwart, ein Experiment

"Man kommt klüger aus dem Theater heraus als man hineingeht", sagt er. Nicht durch Belehrung, sondern durch das gemeinsame Aushalten von Widersprüchen. Theater, so seine Überzeugung, kann weit mehr sein als elitärer Abend – es kann Teil der gesellschaftlichen Debatte werden.

Und dieses Theater beginnt für Voges nicht erst, wenn der Vorhang aufgeht. Es beginnt im Moment des Betretens: Menschen teilen einen Raum, eine Gegenwart, ein Experiment. Dieser Ort darf auch über den eigentlichen Theaterbau hinausreichen – durch Livestreams, hybride Inszenierungen oder den Einsatz von KI. Schon in Dortmund gründete Voges die Akademie für Theater und Digitalität; in Köln will er das Schauspiel nun zum Versuchslabor machen – und zugleich zu einem demokratischen Ort, an dem Komplexität nicht reduziert, sondern gemeinsam ausgehalten wird.

Sie können "Fantasiemuskel" auf allen bekannten Plattformen hören – oder die neue Folge direkt hier: