Sich wiederholende Künstler

Timm Ulrichs: "Gerhard Richter und Konsorten sind Sklavennaturen"

Der Künstler Timm Ulrichs bei der Inbetriebnahme seiner Installation "wir-kl-ich" im Sprengel Museum Hannover
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Der Künstler Timm Ulrichs bei der Inbetriebnahme seiner Installation "wir-kl-ich" im Sprengel Museum Hannover

Der Künstler Timm Ulrichs kritisiert den "Zwang zur Wiederholung" in der Arbeit von Kollegen wie Gerhard Richter

Das sei Strafarbeit wie in der Schule, sagte der 80-Jährige am Samstag im Interview mit der "Tageszeitung". "Man steht jeden Morgen um neun Uhr auf, isst sein Frühstücksei, die Frau macht ihm eine Aludose mit ein paar Broten fertig. Dann fährt er in sein Atelier. Da beginnt schon die Entfremdung. Ich habe nie ein Atelier besessen; ich mache alles zu Hause. Oder ich gehe zu Handwerkern. Aber bei Richter sind jeden Morgen mehrere Leinwände vorbereitet, alle im gleichen Format. Die Farben sind auch schon angerührt."

Richter male in Acryl satt mit Ölfarben, weil so die Bilder schneller trocken. "Und so rakelt der von einem Bild über das andere, und so sind bis Mittag wieder drei Bilder fertig. Das nenne ich entfremdete Arbeit. Und ich sehe nicht ein, dass Künstler entfremdete Arbeit leisten sollen. Wenn ich eine solche Art von Arbeit leisten wollte, nur des Geldes wegen, dann könnte ich auch gleich in die Fabrik ­gehen."

Timm Ulrichs, der sich selbst 1961 zum "ersten lebenden Kunstwerk" erklärte, arbeitet in verschiedenen Medien: mit Grafiken, Fotografien Performances, Videos, Skulpturen. Im Januar erhielt er den Käthe-Kollwitz-Preis. Noch bis zum 2. August ist seine Einzelausstellung im Berliner Haus am Lützowplatz zu sehen.