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Französischer Zeichner

Tomi Ungerer stirbt mit 87 Jahren

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Der französische Zeichner und Buchillustrator Tomi Ungerer ist tot. Der international bekannte Künstler starb in der Nacht zu Samstag im Alter von 87 Jahren

"Im Grunde behandelt mein Werk all die Übel, die die Menschheit überfallen haben", sagte Ungerer einmal, "von Babylon bis zum aktuellen Flüchtlingsdrama." Eine Sisyphusarbeit, der sich der Künstler in rund 40.000 Zeichnungen und mehr als 140 Büchern gestellt hat – als pointierter Grafiker, scharfzüngiger Schriftsteller und vor allem als Kinderbuchautor, der auch seine jungen Leser nie in Watte packt: "Jeder Mensch tut jede Menge böser Sachen, jeder Mensch ist gut und böse: Ich glaube, für Kindern ist es beruhigend, das zu wissen."

Seine ersten Zeichnungen zeigte er in der satirischen Wochenzeitschrift "Simplicissimus". Die Kinderbücher des 1931 in Elsass Geborenen – allen voran "Die drei Räuber" und "Der Mondmann" – sind heute längst Klassiker. Seine Satiren auf die High Society New Yorks, wo er seit Mitte der 60er-Jahre lebte, haben nichts von ihrem Biss, seine erotischen und politischen Arbeiten nichts von ihrer Drastik verloren. 

Ungerer zeichnete gegen den Vietnamkrieg, er thematisierte Kinderschändigungen durch die katholische Kirche, gab einen Interviewband zu Sadomaso-Techniken heraus und ein Buch mit dem schönen Titel "Der Furz". Das Folkwang Museum in Essen zeigte 2016 mehr als 160 Collagen, die seit den 50er-Jahren entstanden. 

Abgründiges, Humorvolles, Allzumenschliches, Skandalgetöse, Pornografievorwürfe, Beschattung durch das FBI, Verbot seiner Kinderbücher in den USA, drei Herzinfakte, ein Krebsleiden und eine teilweise Erblindung haben den Workaholic, der abwechselnd in Irland und in Straßburg lebte, nicht stoppen können. 

Zum Zeitpunkt seines Todes sei Ungerer im Haus seiner Tochter in Irland gewesen. Sein langjähriger Berater Robert Walter bestätigte der Nachrichtenagentur AFP die traurige Nachricht. 

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