Zu den Wurzeln

Tracey Emin rettet Margates Strandpavillon

Tracey Emin macht ihre Heimatstadt Margate zur Kunstdestination: Nach Ateliers und Galerieräumen verwandelt die britische Künstlerin nun einen historischen Strandpavillon in ein Kunst- und Gemeinschaftshaus

Margate ist für Tracey Emin Fluch und Segen zugleich: In dem verblichenen englischen Seebad verbrachte sie eine Kindheit, die vom Bankrott der Familie, Einsamkeit, Beziehungen und sexuellem Missbrauch gekennzeichnet war – Erfahrungen, die ihr schonungsloses Werk, ja ihre künstlerische Identität geprägt haben. In London wurde sie zum Weltstar, ohne die Fäden zu ihrer Heimat je aufzulösen. Schon 2010 platzierte sie eine Liebeserklärung an der Strandpromenade, das Neonwerk "I never stopped loving you".

Im Jahr darauf eröffnete das Museum Turner Contemporary – und leitete den Wandel Margates zur Kunstdestination ein, der nicht zuletzt Emins Engagement zu verdanken ist. Bereits 2022 gründete sie ihren TKE- Studios-Komplex, der erschwingliche Ateliers, Galerieräume, zwei Residenzprogramme und ein Café mit dem schönen Namen A Perfect Place to Grow bietet, erwarb später einen ehemaligen Pub, den früheren Margate Constitutional Club, sowie vier Wohnungen im brutalistischen Hochhaus Arlington House.

Der jüngste Streich: Emin verwandelt einen baufälligen Strandpavillon in ein Kunst- und Gemeinschaftshaus. Mit dem Westbrook Pavilion rettet Emin eine architektonische Strandperle aus dem Jahr 1910 vor dem Verfall, schafft Platz für Ateliers, Veranstaltungsräume und ein Restaurant.  Wohl rund vier Millionen Euro lässt sie sich den neuesten Beweis ihrer Heimatliebe kosten.