Gruppenschau zu Gender in New York

Den Abzug nicht gedrückt

ANZEIGE

Das New Yorker New Museum stellt mit der Gruppenausstellung "Trigger: Gender as a Tool and a Weapon" die Geschlechterfrage - und bleibt dabei zu zaghaft

Gender ist Thema unserer Zeit. Hetero­sexuell, homosexuell, transsexuell, asexuell – möglich ist eigentlich alles, und unsere alten Kategorien scheinen obsolet. Das New Museum in New York zeigt mit der aktuellen Schau "Trigger: Gender as a Tool and a Weapon" auf drei Etagen ein generationenübergreifendes Aufgebot an mehr als 40 zeitgenössischen Positionen.

Alle ausgestellten Arbeiten sind in den vergangenen zehn Jahren entstanden, was "Trigger" zu einem wichtigen Querschnitt aktueller Kunst mit Genderschwerpunkt macht. Darunter finden sich viele interessante Einzelpositionen, wie die keramisch anmutenden Wandvaginas der derzeit in Berlin lebenden Vaginal Davis, sie selbst eine Performance-Ikone der amerikanischen Queer-Szene. Oder die zum Teil aus Textil, zum Teil aus Farbe zusammengesetzten ­Porträts der 27-jährigen Tschabalala Self, deren üppige Figuren wie die sinnlichen Kriegerinnen der sexuellen Selbstbestimmung erscheinen.

Mit anderen jungen Positionen wie Diamond Stingily haben die Kuratoren Mut bewiesen. So hangelt sich vom vierten Stock des New Museum wie ein moderner Zopf der Rapunzel die Haarskulptur der Amerikanerin hinunter bis in die Eingangshalle. Beeindruckend auch die Videoinstallation "Me as a Muse" der Afroamerikanerin Mickalene Thomas, in der sie, nackt und auf verschiedene Monitore verteilt, wie eine liegende Maja von Goya zu einer Collage ihrer selbst wird und auf die eigene Zerrissenheit in ihrer Herkunft, Homosexualität und Hautfarbe anspielt. Mehr als um die Geschlechterfrage scheint es in dieser Schau ohnehin um die Suche nach Identität zu gehen. Ein eigentlich mit Potenzial geladenes Thema, das in seiner finalen Umsetzung jedoch ohne die entscheidende Radikalität auskommen muss. Zu traditionell sind die Medien, zu zaghaft die Aussagen.

Während der Titel "Trigger: Gender as a Tool and a Weapon" tatsächlich einen Trigger, einen Auslöser verspricht, bleibt das Ausstellungserlebnis wenig konkret, zuweilen fad. Man wünscht sich, auch auf formalästhetischer Ebene, etwas Neues, Aufwühlendes, Bewegendes, so wie ja auch die aktuelle Debatte um Sexualität und Identifikation geladen ist mit immer neuen menschlichen Schmerzen, Freuden und Herausforderungen.

Drucken

Weitere Artikel aus Reviews