Stedelijk-Affäre

Untersuchung entlastet Beatrix Ruf von Vorwürfen

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Laut einem von der Stadt Amsterdam in Auftrag gegebenen Untersuchungsbericht hat sich Beatrix Ruf als Direktorin des Amsterdamer Stedelijk Museums nichts zuschulden kommen lassen. Jetzt steht der Aufsichtsrat in der Kritik

Der 120-seitige Berichts, der Ende des Monats veröffentlicht werden soll, wurde dem niederländische TV-Sender AT5 zugespielt. Er besagt, dass es keinen Grund gibt, an Rufs Lauterkeit zu zweifeln, auch wenn als Museumsdirektorin nicht allein den Buchstaben des Verhaltenskodex' folgen sollte, sondern auch dem Geist. 

Die 1960 in Singen geborene Ruf räumte im vergangenen Oktober ihr Amt nach Vorwürfen, dass sie nebenbei auch ein Beratungsunternehmen für Sammler – darunter auch Leihgeber ihres Museums – leitete. Im Jahr 2015 hat sie damit angeblich rund 430.000 Euro Gewinn gemacht und so ihr Direktorgehalt von kolportierten 180.000 Euro aufgebessert.

Der Bericht kritisiert den Aufsichtsrat des Museums dafür, wie er mit den Vorwürfen umgegangen ist. Am Dienstag sind drei Mitglieder der Aufsichtsrats zurückgetreten, darunter die Vorsitzende Madeleine de Cock Buning, die jedoch diese Posten weiter ausüben wird, bis ein Nachfolger gefunden ist.

In einem Statement, das "The Art Newspaper" zitiert, dankte Ruf den Autoren des Berichts: "entgegen den Darstellungen in der Presse, haben die unabhängigen Prüfer herausgefunden, dass ich mich immer lauter verhalten haben; alle Nebenaktivitäten waren abgesprochen, ich habe nie nebenher als Kunstberaterin gearbeitet. Am meisten hat mich aber ihre Feststellung berührt, dass ich immer mein Herz und meine Seele fürs Stedelijk Museum Amsterdam gegeben habe. Denn das habe ich."

Ruf zählt zu den renommiertesten Kuratorinnen der Gegenwart, sie förderte stets auch sperrige Positionen und vergessene Künstler und setzte auch zwölf Jahre als Leiterin der Kunsthalle Zürich internationale Maßstäbe.

Nach den Vorwürfen beteuerte sie, dass eine Million Schweizer Franken (rund 866.000 Euro) und damit ein Großteil des Geldes, das sie für ihre Firma Currentmatters erhalten habe, von einem ehemaligen Auftraggeber, dem Schweizer Verleger und Sammler Michael Ringier, als Bonus zum Ende eines Beschäftigungsverhältnisses ausgezahlt worden sei, bevor sie als Direktorin beim Stedelijk angefangen habe. Ruf hatte für Ringier als Kunstberaterin gearbeitet.

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