Steir, die seit 2022 von Hauser & Wirth vertreten wurde, gilt als eine der bedeutendsten Innovatorinnen der zeitgenössischen Malerei, Zeichnung und Druckgrafik. Die Galerie würdigte neben ihrem Werk auch ihr langjähriges Studio-Team, das die Künstlerin über Jahrzehnte begleitet hatte.
Geboren 1938 in Newark, New Jersey, begann Steir schon als Kind zu malen. Sie studierte unter anderem bei Philip Guston und war früh in der feministischen Kunstszene aktiv, unter anderem bei dem Kollektiv "Heresies". Zu Beginn arbeitete sie figurativ, doch ab den 1970er-Jahren entwickelte sie eine gestische Abstraktion mit spirituellen Qualitäten.
Weltweite Bekanntheit erlangte sie Ende der 1980er-Jahre mit den monumentalen "Waterfall"-Bildern: Steir goss Farbe aus Leitern oder Hebebühnen auf aufrecht angebrachte Leinwände und ließ die Flüssigkeit nach unten fließen, wobei die Schwerkraft zum Mitgestalter wurde. Ihre Arbeiten verbinden poetische Abstraktion, visuelle Philosophie und ein intuitives Farbverständnis.
In Amsterdam von den Alten Meistern beeinflusst
Neben der Malerei engagierte sich Steir als Lehrerin am New Yorker Pratt Institute und am California Institute of the Arts; zu ihren Schülern zählen David Salle, Ross Bleckner und Amy Sillman. Sie lebte zeitweise in Amsterdam, wo sie sich von Rembrandt und van Gogh inspirieren ließ, und schuf Werke wie die 64-teilige "Brueghel Series", in der sie historische Stillleben zu einem großen Raster zusammenführte.
Im Monopol-Interview betonte Steir, dass Kunst für sie Leben und Philosophie miteinander verbinde. Sie habe stets gegen Konventionen gearbeitet und ihre Malerei gegen alle Erwartungen selbst definiert. Auch mit 87 Jahren blieb sie kreativ aktiv; ihre letzte Ausstellung in Zürich legte die gedankliche Grundlage hinter ihren Pinselstrichen offen und zeigte die späten, zugleich neuen Arbeiten der Künstlerin.