Die gemalte Dame auf dem Paravent von Koloman Moser trägt weiße Handschuhe und die ganze Eleganz des Wiener Jugendstils in der Haltung ihres schlanken Körpers. Auf dem Plakat zu der Ausstellung "Glanzstücke" im Wiener MAK – Museum für angewandte Kunst hat sie nun eine neue Halskette bekommen: das goldene "Collier Zip" aus dem Hause Van Cleef & Arpels. Und man muss sagen: Es steht ihr gut. Vielleicht liegt das an einer historischen Parallele.
Koloman Moser war Mitbegründer der Wiener Werkstätte und prägte maßgeblich die Ästhetik der Wiener Moderne in Möbeln, Design und Kunst. Sein Paravent, heute in der Sammlung des MAK beheimatet, entstand im Jahr 1906. Im selben Jahr eröffnete auch die Firma Van Cleef & Arpels – hervorgegangen aus der Verbindung des Juwelenhändlers Alfred Van Cleef und seiner Frau Estelle Arpels – ihre erste Boutique in Paris. Die floralen Entwürfe des Hauses Van Cleef & Arpels wurden schnell bekannt, ab Mitte der 1920er-Jahre festigte die Tochter des Paares, Renée Puissant, als künstlerische Leiterin den internationalen Erfolg.
Wenn nun die Juwelensammlung des Hauses Van Cleef & Arpels und das MAK, unter anderem Heimat des Archivs der Wiener Werkstätte, in einen Dialog treten, dann bilden Jugendstil und Art déco einen gemeinsamen Nenner, sagt Museumsdirektorin Lilli Hollein. "Frankreichs Jugendstil war luxuriöser, floraler, aber was sich sehr ähnelt an den Bewegungen, ist zum Beispiel der große Einfluss des Japonismus und die neue Rolle der Frau. Man rauchte, man schminkte sich, man ging aus – und das spiegelt sich in den Objekten wider, die sowohl Van Cleef & Arpels als auch das MAK in ihren Sammlungen haben."
Einzigarties Erbe
In der Ausstellung wird beispielsweise eine 1935 vom Maison Van Cleef & Arpels entwickelte Minaudière gezeigt: ein raffiniertes kleines Goldetui mit vielen Fächern für alles, was die moderne Frau unterwegs so braucht – vom Lippenstift bis zur Zigarette.
Doch die Objekte, die das MAK mit den Juwelen aus der Sammlung Van Cleef & Arpels in Dialog bringt, stammen auch aus ganz anderen Epochen – die Schau soll einen assoziativen, thematischen Austausch schaffen, erklärt Lilli Hollein. "Das reicht von einem Einhorn aus einer Grabbeigabe in Wuhan von 200 vor Christus bis in die Gegenwart. Und manchmal wird auch ein Papierblumenstrauß, ein Biedermeier-Billet oder eine Spitze aus der Sammlung Bertha von Pappenheims zu einem ebenbürtigen Partner für eine Brosche."
Seit den 1970er-Jahren baut das Maison Van Cleef & Arpels seine Sammlung von Schmuck- und Uhrenentwürfen aus und kauft historische Schmuckstücke hinzu, die exemplarisch für den Stil des Hauses stehen, um dessen Entwicklung zu dokumentieren. "Die Identität von Van Cleef & Arpels wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts geprägt, als das Maison 1906 gegründet wurde, und sie entwickelt sich bis heute stetig weiter. Dieses Erbe ist zentral für unsere Einzigartigkeit", erklärt Alexandrine Maviel-Sonet von Van Cleef & Arpels, die für die Sammlung verantwortlich ist und die Ausstellung in Wien mitkuratiert hat.
Erfinderschmuck
Der Umgang mit historischen Schmuckstücken halte einen Kreislauf in Gang und inspiriere zugleich die heutigen Designer: "Wir präsentieren dem Kreativstudio stets die Neuerwerbungen, die in die patrimoniale Sammlung aufgenommen werden. Die Designer haben einen ganz besonderen Blick darauf – sie können sich etwa von einem Verschlussmechanismus faszinieren lassen und die Handwerkskunst hinter jedem einzelnen Stück genau studieren", so Maviel-Sonet.
In der Ausstellung treffen nun rund 300 Objekte aus der Sammlung Van Cleef & Arpels auf etwa 200 Objekte aus dem MAK. Das "Collier Zip", das auf dem Plakat zu sehen ist, gehört übrigens auch zu den Lieblingsobjekten von MAK-Direktorin Hollein. Es stammt aus dem Jahr 1955 und kann mithilfe einer speziellen Reißverschlusstechnologie auch in ein Armband verwandelt werden. "Da zeigt sich eben nicht nur handwerkliche Eleganz, sondern auch eine gewisse Technikgetriebenheit. Das ist Erfinderschmuck – und das passt natürlich sehr gut in unser Haus für Kunst und Industrie."
Für Maviel-Sonet bedeutet der Dialog mit der Sammlung des MAK eine großartige Referenz: "Wir können zeigen, dass diese Stücke Teil der Kunst- und Kulturgeschichte sind", sagt sie.
Dieser Artikel erschien zuerst in Monopol 6/2026