Die Galerien präsentieren in diesem Jahr feste Größen, aber auch Neuentdeckungen – und dank der internationalen Partnergalerien spannende Konstellationen. Ein Fixpunkt der Münchener Kunstszene ist seit 1977 die Walter Storms Galerie. Der Galerist arbeitet mit Künstlern wie Günther Uecker und Sean Scully. Zusammen mit der Istanbuler Galerie Dirimart präsentiert er nun die erste Münchener Einzelausstellung des Berliner Künstlers Anselm Reyle.
Anfang 2025 eröffnete die Berliner Galerie Kraupa-Tuskany Zeidler ihre Dependance in München. Bei "Various Others" ist sie im zweiten Jahr dabei, diesmal mit der römischen Galerie T293. Gezeigt werden Arbeiten von Simon Denny, der 2015 im neuseeländischen Pavillon der Venedig-Biennale die Bildwelten von Geheimdiensten in eine installative Serverarchitektur übersetzte. In seinen multimedialen Arbeiten untersucht Denny die Geschichte und Widersprüche von Technologie.
Kraupa-Tuskany Zeidler: Simon Denny "Quantum Systems advertising plot 01", 2026
Bei Max Goelitz treffen junge und etablierte Positionen gleich doppelt aufeinander: in der Kollaboration mit Hauser & Wirth ebenso wie in der Ausstellung, in der Werke von Lukas Heerich und Rindon Johnson mit Eva Hesse in Dialog treten. In den 1960er-Jahren wurde sie mit fragilen Skulpturen aus Latex und Seilen bekannt. Umso spannender, dass diese Schau den Fokus auf Hesses Tuschezeichnungen und ein Gemälde legt.
Max Goelitz zeigt Rindon Johnson
Die erst vor drei Jahren gegründete Galerie Lohaus Sominsky und die Pariser Galerie Mennour versammeln mit "Future Ancestors" zwei Künstlerinnen, die sich auf unterschiedliche Weise mit Zeitwahrnehmung beschäftigen: Ilit Azoulay und Alicja Kwade verbinden in der Duo-Ausstellung antike Artefakte, NASA-Bilder und Motive aus Public-Domain-Archiven. Vergangenheit und Zukunft, Erde und Kosmos, Dokument und Imagination greifen dabei ineinander.
Lohaus Sominsky: Alicja Kwade "Silent Matter". 2022
Kennengelernt haben sich die beiden Galeristinnen Ingrid Lohaus und Sofia Sominsky bei der Arbeit in der Galerie Rüdiger Schöttle. Dort ist eine in Zusammenarbeit mit der Madrider Galerie Travesía Cuatro entstandene Schau mit Gemälden und Keramiken der in Mexiko geborenen Künstlerin Milena Muzquiz zu sehen. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Kitsch, Handwerk und populärer Dekoration – und entfalten gerade daraus ihren eigentümlichen Sog. In der zweiten Ausstellung bei Rüdiger Schöttle setzt Elif Saydam bei einer Farbe an. In mittelalterlichen Landschaften erscheint Schwarz oft als Folge eines kunsthistorischen Missverständnisses. Was einst als vergoldetes Silber Brunnen, Quellen und Gewässer markierte, ist über die Zeit patiniert. Zu sehen ist eine neue Serie collagierter Diptychen in Öl und Blattsilber.
Galerie Rüdiger Schöttle: Elif Saydam "One Man’s Trash, Çeşmealtı", 2026
Bunter wird es bei Jahn und Jahn im Gärtnerplatzviertel. Dort kuratiert der Londoner Kunstkritiker Matthew James Holman einen Dialog zwischen der Malerei von Willem de Kooning und Jana Schröder.
Jahn und Jahn: Jana Schröder "(JS/M 45) MinIP: VISCERAFFIC BO L3", 2024
Erstmals Teil des Programms ist die Parcours-Ausstellung "Vectors". Inspiriert ist sie von Jan Hoets legendärer Schau "Chambres d’Amis", für die 1986 zeitgenössische Kunst in Privatwohnungen in Gent einzog. In München wandert sie nun in die Büros von Technologieunternehmen und macht diese für kurze Zeit zu öffentlichen Ausstellungsorten. So zeigt der Parcours München als Stadt, in der technologischer Wandel entworfen und vorangetrieben wird – und fragt zugleich, welche Rolle Kunst in solchen Prozessen spielen kann.
Man darf sich in Bewegung versetzen lassen: von einer Ausstellung zur nächsten und entlang der "Vektoren" des Parcours, der neue Verbindungen und einen anderen Blick auf die Stadt an der Isar sichtbar macht.
Dieser Artikel erschien zuerst in Monopol 5/2026.