Monopol-Podcast "Kunst und Leben"

Venedig im Krisenmodus

Installationsansicht: grüner Saal mit hängenden Bannern, Stühlen an den Wänden, großes Gemälde; viele Besucher
Foto: Luca Bruno/AP/dpa

Blick in den deutschen Pavillon der 61. Kunstbiennale, der diesmal unter dem Titel "Ruin" steht

Zwischen politischen Protesten, abgesagten Preisen und überwältigender Kunst: Die 61. Ausgabe der Venedig Biennale startete unter außergewöhnlichen Vorzeichen. In der aktuellen Folge des Monopol-Podcasts "Kunst und Leben" sprechen Elke Buhr und Silke Hohmann über eine Biennale, die zugleich von Erschöpfung, Streit und künstlerischer Intensität geprägt ist

Schon vor der offiziellen Eröffnung eskalierte die politische Lage: Die Jury der Venedig-Biennale trat geschlossen zurück, nachdem sie angekündigt hatte, die Beiträge aus Israel und Russland nicht in ihre Entscheidungen einbeziehen zu wollen. Die Biennale-Leitung widersprach – die Folge war ein Eklat, der nicht nur die traditionsreichen Goldenen Löwen verhinderte, sondern die gesamte Idee des internationalen Kunstwettbewerbs infrage stellte. Auch der kurzfristig eingeführte Publikumspreis geriet sofort unter Druck, weil zahlreiche Künstlerinnen und Künstler ihre Teilnahme aus Solidarität verweigerten.

Dazu kamen Demonstrationen, geschlossene Pavillons und pro-palästinensische Protestaktionen während der Preview-Tage. Besonders eindrücklich schildern Elke Buhr, Chefredakteurin von Monopol, und Monopol-Redakteurin Silke Hohmann die Atmosphäre einer Biennale, bei der politische Konflikte vielerorts den Blick auf die Kunst überlagern. Dass Künstlerinnen Protestplakate direkt auf ihre eigenen Werke klebten, empfinden beide als Zeichen einer neuen Härte – und als Symbol dafür, wie angespannt die Debatten inzwischen geführt werden.

Trotzdem, oder gerade deshalb, bleibt die Kunst der eigentliche Mittelpunkt der Reise. Die von der verstorbenen Kuratorin Koyo Kouoh konzipierte Hauptausstellung "The Minor Keys" setzt auf Poesie, Natur, Spiritualität und eine radikale Abkehr von digitaler Überreizung. Statt technologischem Fortschrittsglauben dominieren Erde, Pflanzen, Tierwelten und körperliche Erfahrung. Für die beiden Kritikerinnen ist die Schau weniger "leise", als der Titel vermuten lässt: Sie beschreiben eine überwältigende Fülle an Formen, Farben und Eindrücken, die sich bewusst gegen den reduzierten Minimalismus der vergangenen Jahrzehnte stellt.

Pavillons und Nebenausstellungen

Besonders ausführlich sprechen Elke Buhr und  Silke Hohmann über den deutschen Pavillon. Die Künstlerinnen Sung Tieu und Henrike Naumann verwandeln das nationalsozialistische Gebäude in einen ostdeutschen Plattenbau und erzählen von Migration, DDR-Alltag und rechter Gewalt nach der Wende. Für beide Journalistinnen gehört der Beitrag zu den stärksten Positionen der Biennale: eine eindringliche Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte, Behördengewalt und der Frage, wie sich politische Atmosphären in Architektur und Alltagsästhetik einschreiben.

Daneben führt der Podcast durch weitere Höhepunkte der Biennale: den spektakulären österreichischen Pavillon von Florentina Holzinger, der Venedigs Wasser- und Abwassersysteme in eine drastische Performance verwandelt, oder die zahlreichen Ausstellungen außerhalb der Giardini – etwa bei der Fondazione Prada oder im Palazzo des Designers Dries Van Noten.

"Kunst und Leben" ist ein Monopol-Podcast in Kooperation mit Detektor.FM und wird von Sara-Marie Plekat moderiert. Zweimal im Monat geht es um alles, was die Kunstwelt bewegt – von Künstlerinnen und Kuratoren bis hin zu politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Jetzt reinhören – überall, wo es Podcasts gibt. Die aktuelle Folge finden Sie auch direkt hier: