"Fantasiemuskel"-Podcast #76

Von Kunst träumen – mit Bettina Kames

Bettina Kames Fantasiemuskel
Foto: Robert Fischer. Grafik: Monopol

Die Kunsthistorikerin Bettina Kames, Leiterin der LAS Art Foundation, erklärt im "Fantasiemuskel"-Podcast, wie Kunst helfen kann, Zukunftsängste zu überwinden – und warum die Ausstellung von Pierre Huyghe in der Halle am Berghain genau darauf zielt

Kunst, so erzählt Bettina Kames, begleite sie schon ihr ganzes Leben. Die Auseinandersetzung mit Kunst eröffne die Möglichkeit, einen neuen Blick auf die Welt zu werfen – und genau deshalb wolle die Stiftung möglichst vielen Menschen einen Zugang zu Kunst ermöglichen, auch jenen, die sonst eher selten ein Museum besuchen.

Dazu überschreitet sie bewusst traditionelle Grenzen und wählt Ausstellungsorte, die keine klassischen Kunsträume sind – vom ehemaligen Kaufhaus bis zum Kraftwerk. Kunst ist dabei jedoch kein Selbstzweck, sondern auch ein Mittel, sich mit möglichen zukünftigen Welten auseinanderzusetzen. Kames arbeitet deshalb nicht nur mit Künstlern zusammen, sondern auch mit Wissenschaftlern, etwa aus den Bereichen Biotechnologie oder künstliche Intelligenz.

In diesen Kollaborationen gehe es ihr darum, "unterschiedliche Welten zusammenzubringen". Nur so könne man den brennenden Fragen der Gegenwart begegnen, und Kunst könne, gerade bei kritischen und angsteinflößenden Themen, "Brücken in die Gesellschaft" schlagen. Viele Menschen, so Kames, hätten "Angst vor der Zukunft", weil unsere Gegenwart von Unsicherheit und Disruption geprägt sei.

Die Gegenwart ist auch eine Welt der Chancen

Die "Kraft der Kunst" liege darin, "Türen zu öffnen", denn die Gegenwart sei eben auch eine Welt der Chancen. Das erläutert sie dem Podcaster Friedrich von Borries anhand des heute so häufig verwendeten Begriffs der Krise. Dieser sei in der Antike positiv besetzt gewesen: "Das ist einfach der Moment, in dem man eine Entscheidung treffen muss." Wir müssten nun entscheiden, welche Zukunft wir gestalten wollen. Ihr Ziel sei es, "dass Besucher diese neue Welt betreten und mit all ihren Sinnen erfahren können".

Aktuell zeigt die Stiftung die Ausstellung "Liminals" von Pierre Huyghe in der Halle am Berghain. In dieser Film- und Soundlandschaft wird eine Welt hybrider Existenzen imaginiert. Bettina Kames erzählt, dass sie immer wieder von dieser Arbeit träume – das Kunstwerk gehe ihr schlicht nicht aus dem Kopf, weil es so eindringlich sei.

In einigen Kritiken zu der Ausstellung wird bemängelt, sie sei "kitschig" oder setze auf hohle "Überwältigungsstrategien". Doch vielleicht ist genau das ihr Ziel: eine so wuchtige Inszenierung zu schaffen, die in das eigene Träumen eindringt und uns damit vor die Frage stellt, in welcher der vielen möglichen Welten wir morgen eigentlich aufwachen wollen.

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