Gruppenschau in Düsseldorf

Geschlechterrollen neu verhandelt

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In der Düsseldorfer Julia Stoschek Collection rührt "Hello Boys" mit freundlich winkenden Meerjungfrauen

Diese Jahresschau nur mit Werken von Frauen spannt den Bogen bis zu den Pionierinnen der 70er-Jahre und landet dabei schnell beim Körper: Hannah Wilke etwa posierte auf Fotos mit Kaugummis im Gesicht, die sich beim näheren Hinsehen als Minivaginas entpuppen. In der titelgebenden Arbeit "Hello Boys" von 1975 rückt sie als Meerjungfrau den Fischen mit Kussgesten auf den Leib. Eigentlich rührend, dass das offensive Werben um die Boys als feministische Geschlechterverwirrung durchging.

Den Mann zum Objekt degradiert Lutz Bacher in der Video-Diashow "James Dean", die den Beau in allen seinen Weltschmerz posen präsentiert. Oder Marie-Jo Lafontaine, die 1987 den männlichen Muskelkult in der Videoskulptur "Les larmes d’acier" seziert. Für den Höhepunkt der klug ausbalancierten Gruppenschau sorgt aber Barbara Hammer im Kinokeller. Trinkende, sich schminkende und in Büchern blätternde Frauenskelette – es sind bunt gefärbte Röntgenbilder – führen einen danse macabre auf. Das transluzid pulsierende Herz ist ein einsamer Jäger, und wir sind nur die nächsten Tanzkandidaten.

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