The Fife Arms in Schottland

Wenn Galeristen ein Hotel aufmachen

Das Schweizer Galeristenpaar Wirth hat ein heruntergekommenes schottisches Hotel neu eröffnet: The Fife Arms glänzt auch durch viele Kunstwerke

Es war einmal ein abgelegenes Highland-Hotel für Bustouristen, die hier ein verwohntes Zimmer für 25 Pfund pro Nacht bekamen. Es wurde 1895 gebaut, weil Touristen Schloss Balmoral möglichst nahe sein wollten; der einstige Urlaubsort von Queen Victoria liegt nur neun Meilen entfernt. Dann ist das Hotel etwas heruntergekommen. Im Internet sind noch vereinzelt über fünf Jahre alte Kritiken zu lesen, in dem Gäste sich wegen verschmutzter Teppiche ekelten, ein Zimmer überhaupt zu betreten. Davon ist jetzt nichts mehr übrig, denn das Schweizer Galeristenpaar Iwan und Manuela Wirth von Hauser & Wirth haben mit der Renovierung des Hauses ganze Arbeit geleistet. Hauser & Wirth betreibt Galerien in London, New York, Los Angels, Hongkong und Zürich. Da lag es nahe, das ehrwürdige Hotel aus dem Jahr 1895 auch künstlerisch aufzupeppen. Rund 14.000 Kunstobjekte sind in dem Haus verteilt, so gekonnt, dass nichts überbordend oder vollgepfropft wirkt.

In den Räumen der Lobby und der Bar knistert Holzfeuer in edlen, mächtigen Kaminen; einer davon gerahmt mit einer fein ziselierten Holzfigurenarbeit, vor der man stundenlang bei einer Tasse Earl Grey meditieren könnte. Vom Viktorianischen Stil geht es munter weiter zu Hirschgeweihen, die man in den Highlands anscheinend zu Dutzenden auflesen kann. Als Kontrast zu den echten Geweihen hängt neben der Rezeption eine grellbunte Installation aus beleuchteten-Glasröhren-Hirschgeweihen und Dudelsäcken des Künstlers Richard Jackson aus Los Angeles.  

Foto: Sim Canetty-Clarke


Zhang Enli aus China konnte sich an der Decke des Speisesaals austoben, die farbigen Schlieren ziehen die Handys von Instagrammern wie magisch an. Und manch einer interpretiert sie als Höhenlinien des angrenzenden Highlands.

Foto: Sim Canetty-Clarke


Kubistischer wird es bei Guillermo Kuitca aus Argentinien, der das Wandgemälde "Untitled" beisteuerte. Inspirieren ließ er sich dabei vom brausenden Wildbach "Clunie", der direkt neben dem Hotel Wellen schlägt.

Foto: Sim Canetty-Clarke


Bharti Kher, die in England und Indien lebt, schuf aus indischen Bindis ein imposante Wandverkleidung. Hervorzuheben ist die Designerin Araminta Campbell aus Edinburgh, die stoffliche Wärme in die Räume brachte. Die große Freitreppe hinauf zum ersten Stock ziert ein üppiger Tweed, den Campbell extra für das Hotel entwarf. Auch die Tartan-Stoffe, die einige Wände zieren, stammen aus ihrer Hand.

Lobenswert ist es, dass das Fife Arms keine Insel der Schönen und Reichen in den einsamen Highlands ist, sondern dass die Dorfbewohner von Braemar miteinbezogen werden. Das fängt an beim netten, grauhaarigen Senior im Schottenrock, der Gäste an der Tür begrüßt und die Koffer trägt, und geht bis hin ins Pub des Hotels, das einzige Pub des Ortes. "Das Pub war immer die Informationszentrale des Dorfes. Damit es so bleibt, erhalten die Dorfbewohner hier einen Discount", erklärt die Hoteldirektorin. Und die Leute aus dem weltentrückten Braemar sind sichtlich stolz auf ihr nobles Haus.

Viel wäre noch zu erzählen über die 70 verschiedenen Tapeten, zum Teil Reprints, und die überraschende Ausstattung der 23 verschiedenen Zimmer. Doch das sollte man sich am besten selbst ansehen. Zimmerpreise von 250 Euro bis 800 Euro (Doppelzimmer) pro Nacht.