Es war nur eine Frage der Zeit, bis es jemand laut ausspricht: Ein VIP zu sein, ist längst nicht mehr cool. "Very Important Person": eine Bezeichnung so leer wie ein Champagnerglas nach der Vernissage. Die Art Basel hat den Begriff in diesem Jahr offiziell entsorgt. Zu viel Brimborium, zu wenig Gravitas, sagte CEO Noah Horowitz im Herbst der "Financial Times". Das VIP-Label lenke ab. Wovon eigentlich? Vom Kunstschauen? Vom Kaufen? Was die Kunstmesse sicher nicht will, ist ein kollektives Rollenspiel, bei dem alle so tun, als wären sie wichtiger als alle anderen.
Der VIP-Status war einmal ein Versprechen in der Kunstwelt, und noch immer bringt er Privilegien wie frühen Zugang zu den Previewtagen, ein eigenes Programm, geführte Touren, die Nutzung von Lounges und Shuttleservice sowie Partner-Vorteile wie Museumseintritte. Doch die Bezeichnung selbst wurde zum inflationären Attribut, das in seiner Großspurigkeit geschmacklos wirkt. Dass die Art Basel nun lieber von "Collector and Institutional Relations" spricht, ist konsequent: Das klingt weniger nach Party, mehr nach Kundenpflege. Weniger nach RTL2, mehr nach Business.
Statt auf die person zu fokussieren, werden nun also relations betont. Das ist das neue VIP: kein Zugang, sondern Anschlussfähigkeit. Die hier angesprochene "Elite" ist Teil eines Ökosystems. Oder, wie Horowitz sagt, einer "holistischen Lifestyle-Erfahrung". Dazu passt, dass Kunst für Auktionshäuser nur noch ein Teil des Angebots neben den immer wichtiger werdenden Luxusgütern und Raritäten wie Wein, Dino-Skelette, Handtaschen und Oldtimer ausmacht.
Wer heute dazugehört, braucht kein Bändchen
Für die Jüngeren, um die jetzt alle buhlen, weil nur sie den Kunstmarkt, wie wir ihn kennen, aufrechterhalten können, wirkt zu viel VIP ohnehin verdächtig: es klingt nach altem Geld, alten Codes, alten Machtspielen. Wer heute wirklich dazugehört, braucht kein Bändchen, sondern Zugang zu den richtigen Chats, Dinnern, Co-Hosts, Reichweite.
So gesehen ist die Abschaffung der VIP-Kategorie bei der Art Basel weniger Revolution als Symptom. Die Kunstwelt versucht, ein Wort loszuwerden, das zu laut sagt, was sie immer noch tut: unterscheiden. Eine Branche, die so intransparent ist, muss weiter Vertrauenswürdigkeit, Professionalität und finanzielle Macht in gradueller Gewährung von Exklusivität ausdrücken. Der VIP-Begriff hilft dabei nicht wirklich, weil er sich allzu breitbeinig vor einer einfachen Wahrheit aufbaut, die eben auch für den Kunstbetrieb gilt: dass es nur läuft, wenn ein Heer aus Mitarbeitenden im Hintergrund still und verlässlich seinen Dienst tut.