Kanzlerporträt

Wer soll Olaf Scholz malen?

 Olaf Scholz (SPD), Bundeskanzler a.D.
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Olaf Scholz (SPD), Bundeskanzler a.D.

Angela Merkels Porträt fehlt noch in der Kanzlergalerie, Olaf Scholz wäre längst an der Reihe. Aber wer könnte den "Zauderkanzler" malen? Sieben Vorschläge für das Bild eines schwer zu fassenden Politikers

War's das jetzt mit der "Ahnengalerie" im Bundeskanzleramt? Hat Angela Merkel mit ihrem Zögern, die Gemäldereihe mit ihrem Porträt fortzusetzen, die Bildfolge zu einem Ende gebracht? Die Kanzlergalerie geht auf eine Idee von Helmut Schmidt zurück (der SPD-Politiker wählte den DDR-Maler Bernhard Heisig) und versammelt Porträts von allen bisherigen Staatsoberhäuptern der Bundesrepublik. Konrad Adenauer etwa wurde von Hans-Jürgen Kallmann gemalt, Gerhard Schröder ließ sich von Jörg Immendorff porträtieren. Doch Merkel fehlt bislang. Dabei wäre Olaf Scholz schon als nächster Ex-Kanzler an der Reihe.

Dieser gilt, noch mehr als seine Vorgängerin, als Zauderer. Wird er sich vor Merkel für einen Künstler, eine Künstlerin entscheiden können? Hier einige Vorschläge, wer den Sozialdemokraten porträtieren könnte:


Gerhard Richter: Alt-Maler malt Alt-Kanzler

Wieso hat eigentlich noch kein Ex-Kanzler Deutschlands deutschesten Künstler beauftragt? Aus Gerhard Richters vielfältigem Lebenswerk kann man sich herausgreifen, was man gerade braucht. Gerhard "Genosse der Bosse" Schröder etwa teilt mit ihm nicht nur den gleichen Vornamen, sondern konnte auch als politischer Arm des "Kapitalistischen Realismus" verstanden werden. Merkels Ost-Herkunft ist per se schon richteresk. Und Olaf Scholz? Richter könnte mit Unschärfen und verrakelten Farbschleiern die staatsmännische Distanz und Nachdenklichkeit des SPD-Politikers einfangen, aber auch dessen Undurchdringlichkeit, etwa was die nie ganz aufgeklärte Rolle im Cum-Ex-Skandal angeht. Repräsentation bei gleichzeitigem Entzug – das charakterisiert Scholz' Politik wie Richters Malerei. Wenn der 93-Jährige denn noch malen würde. Von kleineren Werken und Zeichnungen abgesehen, betrachtet der Künstler sein Werk als abgeschlossen. Aber dieser Pensionärs-Status qualifiziert ihn vielleicht erst recht zum Pensionärs-Porträtisten? 


Neo Rauch: eingeklemmtes Ampelmännchen

Neo Rauch war kein Ampel-Fan: "Ich sehe Deutschland nicht in guten Händen", sagte der Maler 2023. Noch nie sei die Bundesrepublik von "so unbedarftem Personal regiert" worden. Aber unbedarftes Personal begegnet uns in Rauch-Bildern zuhauf. Er könnte Scholz in ein hypersymbolistisches, düster-melancholisches Szenario setzen, als Mischung aus Staatsmann, Spießbürger und Wärmepumpe, ein schockstarrer Aktentaschenträger, der von Corona über Ukrainekrieg bis zum Volksaufstand gegen die Energiewende lauter Unannehmlichkeiten managen muss – und dabei gänzlich handlungsunfähig wird. Und düstere Wolken kündigen Christian Lindners Verrat an … Klar, das Bild könnte Rauch nur als diffamierende Karikatur malen. Doch würde Scholz das in Kauf nehmen, könnte seine Kanzlerzeit als extrem schicksalsgetrieben in Erinnerung bleiben, er selbst nur ein in Sachzwänge eingeklemmtes Ampelmännchen.


Jordan Wolfson: Scholzomat

Warum muss es überhaupt Malerei sein? Jordan Wolfson, der creepy Puppenspieler, könnte Scholz als Maschinenmenschen nachbauen und damit den vermeintlichen Charakter des Politikers einfangen: Wegen seines roboterhaft wahrgenommenen Kommunikationsstils wird er seit Jahren scherzhaft "Scholzomat" genannt. Gegen den Spitznamen hat er sich immer gewehrt und betont, dass er doch nahbar und lustig sein kann. Aber vielleicht sollte Scholz das in dem Bild des mechanischen Ichs steckende Drama umarmen und sich als Opfer eines gewaltsamen Marionettentheaters namens Politik darstellen. Wolfson wäre dafür der richtige Künstler. In Anlehnung an dessen "Colored sculpture" wäre die "Scholzomat"-Gliederpuppe an die Kanzleramtswand gekettet, verdrehte wie zum Kommentar auf seinen Nachfolger die Augen und grinste eine maliziöse Version seines Scholz-Grinsens. Wetten, Staatsgäste wären begeistert von so viel German unheimlichkeit?


George Condo: Hofnarr mit Augenklappe

Wenn Scholz tief im Inneren wirklich "nahbar und lustig" sein will, könnte er hingegen den US-Maler George Condo beauftragen. Virtuos beherrscht dieser die Darstellung des Clownesken im Offiziellen und zerlegt das altehrwürdige Porträt-Genre in kaleidoskopisches Spektakel. Auf Wunsch würde er Scholz sicher auch seine legendär gewordene Augenklappe aufsetzen und etwas Piraten-Geist in die Ahnengalerie bringen. Wenn Gerhard Schröder auf seinem Porträt von Immendorff Affen im Hintergrund hat, warum dann nicht einen Papagei auf die Scholz-Schulter? Und erinnert sich noch jemand daran, dass der Ex-Kanzler den Berliner Ex-Kultursenator Joe Chialo "Hofnarr" genannt haben soll? 


AI-Da: Automat für Bürokrat

Will Scholz dagegen eher den berechenbaren Bürokraten in sich betonen, könnte er sein Porträt konsequenterweise von einem Automaten herstellen lassen. Aufdrängen würde sich die KI-gesteuerte Malroboterin AI-Da, die seit ein paar Jahren durch die Kunstwelt gereicht wird. Schließlich wurde Scholz 2024 bei einem Bürgerdialog in Schwerin vorgeworfen, man könne ihn aufgrund seiner immer gleichlautenden Antworten durch eine Künstliche Intelligenz ersetzen – nun könnte er sich immerhin von einer malen lassen und technologischen Pioniergeist beweisen. Und vielleicht geht die aufreizend feminin gestaltete AI-Da sogar als erste Künstlerin in der Kanzlergalerie durch. Bisher ließen sich alle Amtsinhaber (die einzige Regierungschefin fehlt wie gesagt noch) von Männern porträtieren. 


Julian Opie: Schnupfen in Schlumpfhausen 

Aber ist Olaf Scholz nicht auch irgendwie süß? Markus Söder verglich den damaligen Kanzlerkandidaten wegen dessen angeblichem Dauergrinsen immerhin mit einem Schlumpf, und wenn Scholz nieste, war das Internet verzückt. Der Brite Julian Opie könnte den Alt-Kanzler in eine seiner flächigen, schematischen Figuren verwandeln. Das sieht niedlich aus und würde auch Scholz' Reduktion aufs Funktionale perfekt widerspiegeln: eine glatte Oberfläche, auf der Macht und Individualität zugleich verschwimmen.


Katharina Grosse: Völlig losgelöst!

Oder aufs Ganze gehen und sich in eine Farbexplosion direkt auf den Kanzleramtswänden verewigen – genug Platz wäre ja wegen der Merkel-Lücke. Katharina Grosse könnte Olaf Scholz als Kunst gewordenen, lustvollen Kontrollverlust aufs Mauerwerk sprühen; endlich frei. Ein Gesicht, eine Silhouette, ja, jede Andeutung von Körper, Haltung, Standort wäre schon zu viel … alles ist Ufer, aber ewig ruft das Meer. Das müsste dem Hanseaten gefallen. Und wenn's schiefgeht, ist es wenigstens farbenfroh gescheitert – das passt zur Ampel.