Blumen im Haar, Monobraue, leichter Oberlippenbart – Frida Kahlo ist längst weit mehr als eine der berühmtesten Malerinnen des 20. Jahrhunderts. Ihr Gesicht ist zum globalen Symbol geworden, ihre Bilder erzielen Rekordpreise, ihr Stil wird unablässig zitiert. Doch wie wurde aus der mexikanischen Künstlerin eine Popikone? Und was sagt dieser Kult eigentlich über ihr Werk aus? Darüber spricht Monopol-Chefredakteurin Elke Buhr im aktuellen Podcast "Kunst und Leben" mit Sarah-Marie Plekat.
Anlass des Gesprächs ist die Ausstellung "Frida – The Making of an Icon" in der Tate Modern in London, die den Weg Kahlos von der Malerin zur Ikone nachzeichnet. Dabei wird deutlich: Ihre Berühmtheit speist sich nicht nur aus ihren eindringlichen Selbstporträts, sondern ebenso aus ihrer Biografie, ihrer politischen Haltung und ihrer außergewöhnlichen Selbstinszenierung.
Elke Buhr beschreibt ihren Besuch in der Casa Azul, Kahlos Wohnhaus in Mexiko-Stadt, das heute ein Museum ist: "Ein Ort, der seine Magie behalten hat." Trotz des weltweiten Hypes um die Künstlerin herrsche dort eine erstaunlich ruhige Atmosphäre. Zwischen Atelier, Garten und den orthopädischen Hilfsmitteln der schwer kranken Malerin werde spürbar, wie eng Leben und Werk miteinander verwoben sind.
Komplexe Geschichten über Identität, Schmerz und Zugehörigkeit
Besonders faszinierend sei die Vielschichtigkeit ihrer Bilder. "Alles hat eine Symbolik", sagt Buhr über Kahlos Selbstporträts, in denen persönliche Erfahrungen, mexikanische Volkskunst und religiöse Bildtraditionen aufeinandertreffen. Ihre Werke seien weit davon entfernt, bloße Selbstzeugnisse zu sein – vielmehr erzählten sie komplexe Geschichten über Identität, Schmerz und Zugehörigkeit.
Warum Kahlo bis heute so viele Menschen anspricht, erklärt Buhr mit ihrer außergewöhnlichen Anschlussfähigkeit: Feministische Lesarten, ihre Auseinandersetzung mit Krankheit und körperlichem Leid, ihre Beziehungen zu Männern und Frauen oder ihre Suche nach einer eigenständigen mexikanischen Identität – all das ermögliche immer neue Perspektiven auf ihr Werk.
Dabei erinnert der Podcast auch daran, dass Kahlos Weltruhm keineswegs selbstverständlich war. Zu Lebzeiten stand sie oft im Schatten ihres Mannes Diego Rivera. Erst in den 1970er-Jahren entwickelte sie sich zu jener Popfigur, die heute weltweit auf Tassen, T-Shirts und Plakaten präsent ist. "Die Frida-Kahlo-Rezeption spielt immer Pingpong zwischen der Popkultur und der Hochkultur. Und das ist eigentlich bis heute so", sagt Buhr.
Mithu Sanyal weist auf die politischen Widersprüche hin
Auf die politischen Widersprüche der Künstlerin macht die Autorin Mithu Sanyal aufmerksam, die ebenfalls in dieser Folge zu Wort kommt. Kahlos kommunistische Überzeugungen, ihre Begeisterung für indigene Kultur und die heutige Debatte über kulturelle Aneignung zeigen, wie komplex ihre Figur ist. Gerade diese Ambivalenzen machten sie bis heute interessant, so Buhr.
"Kunst und Leben" ist ein Monopol-Podcast in Kooperation mit Detektor.FM und wird von Sara-Marie Plekat moderiert. Zweimal im Monat geht es um alles, was die Kunstwelt bewegt – von Künstlerinnen und Kuratoren bis hin zu politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Jetzt reinhören – überall, wo es Podcasts gibt. Die aktuelle Folge finden Sie auch direkt hier: