Unterwegs zu sein, ist für Wim Wenders so wichtig, dass er seine Filmproduktionsfirma in den 1970er-Jahren "Road Movies" genannt hat. Zu Zeiten von Filmen wie "Paris, Texas" oder "Alice in den Städten" waren vor allem die USA sein Ziel. In jüngster Zeit war er auch viel in Asien unterwegs – sein neuester Film "Perfect Days", der im vergangenen Jahr erfolgreich in Cannes Premiere feierte, entstand in Tokyo. Bei der Berliner Galerie Bastian sind nun Fotografien einer ausführlichen China-Reise zu sehen – eine Reise, bei der ihn die Chinesen so erstaunt haben, dass er nun erstmals Menschen in seinen Fotografien abbildet statt nur Landschaften, so erzählt Wenders in der neuen Folge des Monopol-Podcasts "Kunst und Leben" im Gespräch mit Monopol-Chefredakteurin Elke Buhr: "Für mich sind Fotos eine Art und Weise, in einem anderen Land oder einer Landschaft zu verschwinden und ganz darin aufzugehen. Und ganz genau zuzuhören und mit dem Bild, was ich mache, eins zu werden, und in China ging das nicht."
In dem Gespräch berichtet Wenders von seiner Begegnung mit einer Gesellschaft, die die eigene rasante Modernisierung noch längst nicht verarbeitet zu haben scheint und wo die Menschen sich, Smartphones gezückt, als Touristen im eigenen Land inszenieren: "Überall, wo ich hinwollte, um das Land selbst zu fotografieren", erzählt Wenders, "gab es die Menschen, die staunend dastanden und sagten: Das ist unser Land. Als ob sie es nicht fassen könnten, als ob sie einfach von diesem Land überholt worden sind und jetzt da stünden und sich vergewissern wollten, dass sie echt da sind und dass es ihres ist."
"Alles, was ich gemacht habe, hatte als Quelle die Musik"
Wenders reflektiert außerdem die Rolle der Fotografie in seinem Werk, berichtet von seiner nomadischen Existenz und der Suche nach Ruhe in den Wäldern Europas und von seinem Entsetzen angesichts der politischen Entwicklung in seiner alten Wahlheimat, den USA: Europa müsse nun eine größere Rolle einnehmen, so der Filmemacher. Zudem verrät Wenders, was er für die im Sommer geplante große Ausstellung zu seinem Werk in der Bundeskunsthalle Bonn vorhat, und wieso es eigentlich die Musik ist, die ihn bei all seinen künstlerischen Arbeiten leitet: "Alles, was ich gemacht habe, vom Malen angefangen bis zum Dichten, Schreiben, Fotografieren oder Filmemachen, hatte als Quelle die Musik."
"Kunst und Leben" ist ein Monopol-Podcast in Kooperation mit Detektor.FM und moderiert von Sara-Marie Plekat. Zweimal im Monat geht es um alles, was die Kunstwelt bewegt – von Künstlerinnen und Kuratoren bis hin zu politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Jetzt reinhören – überall, wo es Podcasts gibt, und die aktuelle Folge auch direkt hier: