Tipps und Termine

Wohin am Pfingstwochenende?

Eröffnungen der Woche: Tipps für Basel, Berlin, Den Haag, Frankfurt, Friedrichshafen, Hamburg, Hannover, Köln, Marl, München und Weil am Rhein

Yan Xing in Basel
Die Praxis des 1986 in der Volksrepu­blik China geborenen Yan Xing lässt sich als Emanzipationsweg beschreiben. "Die Künstlerausbildung in China folgt dem Ansatz der Sowjetunion", hat der Künstler in einem Interview erklärt. "Die Studenten müssen sich für ein bestimmtes Medium entscheiden, bevor sie ihr Studium aufnehmen." 2009 schloss Yan sein Studium der Malerei in seiner Geburtsstadt Chongqing (Sichuan) ab, doch die Kunst, mit der er seit 2010 von sich reden macht, scheint mit dieser Ausbildung wenig zu tun zu haben. 2011 präsentierte Yan in einer kleinen Galerie in Peking seine Performance "Daddy", in der er eine Stunde lang über seine Kindheit ohne Vater sprach. Derartige persönliche Bekenntnisse rühren in China immer noch an ein Tabu. Heute pendelt Yan Xing zwischen Peking und Los Angeles, arbeitet medienübergreifend mit Skulptur, Video, Fotografie oder Installation und setzt klassische Kunstwerke in Bezug zu seinen persönlichen Gefühlen. Im Mittelpunkt von Yans Ausstellung "Realism" (2011) in der Galerie Urs Meile in Peking stand eine Renaissanceplastik, die er als "perfekteste, attraktivste, eleganteste und allerwunderbarste männliche Figur" beschrieb. Ähnlich erzählten seine fotografischen Inszenierungen nach Gemälden Edward Hoppers in der Serie "Arty, Super-Arty" (2013) von schwulem Begehren. Wie autobiografisch die Kunst von Yan Xing aber wirklich ist, bleibt stets im Dunkeln. Seine erste institutionelle Soloschau in der Schweiz ist rund um die fiktive Figur eines Kurators herum entwickelt, dessen private Fantasie als libidinöse Grundstimmung in der Ausstellung mitschwingen soll. In der Installation in der Kunsthalle Basel greifen Medien wie Film, Fotografie, Objektkunst und Performance ineinander. Wo der Kunstdiskurs aufhört und die private Obsession anfängt, ist dabei nicht auszumachen – wie im echten Leben.
"Yan Xing: Dangerous Afternoon", Kunsthalle Basel, bis 27. August

Nicholas Mangan und Hiwa K in Berlin
Haben Sie sich schon einmal gefragt, in welcher Beziehung große Steinmünzen der mikronesischen Insel Yap und die digitale Währung Bitcoin zueinander stehen? Nein? Es ist eine Überlegung wert, dachte sich der australische Künstler Nicholas Mangan in seiner Arbeit "Limits to Growth", die Teil der gleichnamigen Einzelausstellung im KW Institute for Contemporary Art ist. Der Künstler präsentiert Videos, Fotos und Installationen, die sich mit den Auswirkungen des Kolonialismus, der Beziehung der Menschheit zu ihrer Umwelt und der heutigen Konsumkultur auseinandersetzen. Ein neuer und intensiv forschender Blick auf die Schlüsselfragen unserer Zeit. Zeitgleich präsentieren die Kunst-Werke noch eine weitere Einzelausstellung, die sich mit sozioökonomischen Fragen beschäftigt. Der irakisch-kurdische Künstler Hiwa K wurde aus politischen Gründen gezwungen, sein Heimatland zu verlassen und reflektiert nun in "Dont't Shrink Me to the Size of a Bullet" Traditionen, mündlich überlieferte Geschichten und politische Konstrukte. Seine performativen Interventionen und Installationen regen zum Nachdenken über das eigene Verständnis von Heimat an.
"Limits to Growth" und "Dont’t Shrink Me to the Size of a Bullet", KW Institute for Contemporary Art, Berlin, bis 13. August

Ausstellung in den Galeries Lafayette in Berlin
Auf drei Etagen der Galeries Lafayette in Berlin stellt die Online-Galerie "Artig Gallery" bis zum 22. Juni über 50 Werke von Künstlern aus ihrem Programm aus. Zu sehen sind Collagen, Illustrationen, Mixed-Media-Werke, Fotografien und Malereien. Die Artig Gallery wurde im Juni 2016 von der Kuratorin Greta Schindler und der Digitalexpertin Gemma Comabella gegründet, mit dem Ziel, Kunst zu erschwinglichen Preisen anzubieten und eine neue Generation digitaler Sammler zu erreichen. Sie vertritt unter anderem den deutschen Fotografen Dirk Brömmel, den italienischen Multimedia-Künstler Gianni Moretti oder die spanische Designerin und Künstlerin Carla Cascales.
"Artig Gallery x Galeries Lafayette", Galeries Lafayette, Berlin, bis 22. Juni

Mario Testino in Berlin
Er ist bekannt für seine Modefotografien von Supermodels wie Kate Moss oder Gisele Bündchen, in der Berliner Helmut Newton Stiftung zeigt der Fotograf Mario Testino nun sowohl Mode-, als auch Aktaufnahmen unter dem Titel "Undressed". Testino gelingt es, seine Models nicht einfach "ausgezogen" wirken zu lassen, sondern ihren Charakter durch das Spiel von Licht und Komposition zu definieren. Im Monopol-Interview in der Juni-Ausgabe sagt er, ihn interessiere keine pornografische Darstellung von Körpern, nicht die Visualisierung von Sex. Vielmehr sei ihm die Verführung wichtig, "der Moment, wenn Körper und Geist zusammenarbeiten". Neben "Undressed" werden zwei weitere Ausstellungen in der Helmut Newton Stiftung zu sehen sein: "Pool Party" von Jean Pigozzi, schnappschussartige Fotografien von Prominenten, die sich an Pigozzis Pool entspannen und feiern, und mit "Unseen" auch Werke Helmut Newtons.
Helmut Newton Stiftung, Berlin, 3. Juni bis 19. November
Eröffnung: 2. Juni, 19 Uhr

Mondrian in Den Haag
Das Den Haager Gemeentemuseum zeigt die bislang größte Mondrian-Ausstellung: Erstmals ist die gesamte Sammlung des Museums mit 300 Werken des Malers Piet Mondrian (1872-1944) gleichzeitig zu sehen. "Dies ist die umfassendste Übersicht über das Werk Mondrians und seine Person", sagte der Direktor des Museums, Benno Tempel, am Donnerstag in Den Haag. Die Schau "Die Entdeckung Mondrians" wird am 3. Juni eröffnet und ist Höhepunkt des diesjährigen 100. Jubiläumsjahres der modernen Kunstrichtung De Stijl. Mondrian ist der berühmteste Vertreter dieser Bewegung. Kennzeichnend für sein abstraktes Werk ist die Farbkombination rot gelb blau in viereckigen Feldern. Das Gemeentemuseum besitzt die größte Mondriansammlung der Welt. Sie und zeigt jede Phase der Karriere des Niederländers von den frühen Landschaften bis zu seinem letzten Meisterwerk Victory Boogie Woogie in New York. Die Ausstellung war durch ein umfangreiches Restaurationsprojekt des Museums möglich geworden. Rund 120 Werke waren restauriert worden. (dpa)
Die Entdeckung Mondrians", Gemeentemuseum, Den Haag, Niederlande, 3. Juni bis 24. September

Carolee Schneemann in Frankfurt
Sie war die Erste, die sich so radikal entblößt in Farbe und Blut herumwälzte, Vorreiterin der intimen Befragung von Erotik, Lust und Sexualität der Frau, von Geschlechterrollen und Tabus: Carolee Schneemann. Das MMK 1 in Frankfurt ehrt das vielseitige und sechs Jahrzehnte andauernde Schaffen der amerikanischen Künstlerin, Choreografin, Performerin und Autorin nun mit einer Retrospektive. "Carolee Schneemann: Kinetische Malerei" zeigt, wie sie ausgehend von frühen Landschafts- und Porträtmalereien aus den 50er-Jahren die Malerei über die Leinwand hinausführte und sich Medien wie Performance, Fotografie und Film zuwandte. Unter den bekannten Werken Schneemanns finden sich ihr Film "Fuses" (1965), der sie selbst und ihren damaligen Freund beim Sex zeigt, und ihre legendäre Performance "Interior Scroll" (1975), bei der sie eine Schriftrolle aus ihrer Vagina zieht. Auch nie oder selten gezeigte Arbeiten geben einen umfassenden Blick auf das facettenreiche feministische Werk der Künstlerin. Carolee Schneemann ist bis heute aktiv und wurde auf der aktuellen 57. Venedig-Biennale mit dem Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.
"Carolee Schneemann: Kinetische Malerei", Museum für Moderne Kunst, MMK 1, in Frankfurt, bis 24. September

Peter Saul in Frankfurt
Superman sitzt im Gefängnis auf der Kloschüssel, aus der Superdog genüsslich schlürft: Der aus San Francisco stammende Peter Saul beschäftigt in seinem Werk mit den Schattenseiten des "American Dream" und der Konsumgesellschaft. Mit grell-bunten Farben hat er in seinen oft großflächigen Ölgemälden zu einer eigenen Mischung aus Pop Art, Cartoon Culture, Surrealismus und San Francisco Funk gefunden. Erstmals in Europa stellt nun die Frankfurter Schirn vom 2. Juni bis 3. September den heute in New York lebenden Künstler in einer Retrospektive vor. Die rund 60 Arbeiten reichen von den 1950er Jahren bis zur Gegenwart. Saul setzt sich in vielen Arbeiten auch sehr kritisch mit dem Vietnamkrieg oder der Irak-Politik unter George W. Bush auseinander. "Alles was den Amerikanern heilig ist, nichts davon ist Peter Saul", sagte am Donnerstag Schirn-Direktor Philipp Demandt. Als Chronist des "irren Amerika" schert sich Saul im Stil des "Bad Painting" auch nicht um Fragen des guten Geschmacks. Seine Malerei kenne keinen Regeln und folge keiner Stilrichtung, sagte der 82-jährige Saul in Frankfurt. "Manchmal fällt es humorvoll aus, manchmal beängstigend." Die Schau wandert im Anschluss an Frankfurt in die Hamburger Deichtorhallen weiter. (dpa)
"Peter Saul", Schirn Kunsthalle, Frankfurt, bis 3. September

"Kult! Legenden, Stars und Bildikonen" in Friedrichshafen
Was ist ein Kult? Wie entsteht er und warum können manche Kulte - wie etwa der um Luftschiffe - über einen langen Zeitraum bestehen bleiben? Diesen Fragen geht das Zeppelin Museum in Friedrichshafen am Bodensee in einer neuen Ausstellung nach. Gezeigt werden rund 1000 Exponate, an denen die Faszination der Menschen für Zeppeline deutlich wird: In der Ausstellung finden sich etwa Werbeartikel wie Poster, Anstecknadeln, oder Bierkrüge, aber auch Brettspiele, Taschen, Bücher, Porzellan, Kuscheltiere oder Spardosen. Ein zweiter Teil der Ausstellung setzt sich mit dem Thema Kult in der zeitgenössischen Kunst auseinander. So hat sich beispielsweise der türkische Künstler Halil Altindere in einer Videoarbeit kritisch mit dem Personenkult um den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan auseinandergesetzt. Weitere Künstler befassten sich beispielsweise mit den Anhängern von Kulten oder mit der Verkultung von Orten. 
Zeppelin Museum, bis 15. Oktober

Bill Viola in Hamburg
Unter dem Titel "Bill Viola – Installationen" zeigen die Hamburger Deichtorhallen von Freitag an 13 teils großformatige Video-Ton-Arbeiten des amerikanischen Künstlers. "Die Ausstellung, die wir geschaffen haben, ist eine Reise der Seele", sagte Violas Ehefrau Kira Perov, Geschäftsführerin des "Bill Viola Studios" (Long Beach/Kalifornien), am Donnerstag in Hamburg. Violas Werke, etwa "Tristan's Ascension" (2005) und "Nantes Triptych" (1992), thematisieren existenzielle Erfahrungen wie Liebe, Leiden und Tod. Die Schau mit umfangreichem Begleitprogramm entstand im Rahmen des Reformationsjubiläums 2017 in Zusammenarbeit mit der Katholischen Akademie Hamburg und der Evangelischen Akademie der Nordkirche. (dpa)
"Bill Viola – Installationen", Deichtorhallen, Hamburg, bis 10. September

Keith Haring in Hamburg
Dem New Yorker Grafitti-Künstler Keith Haring widmet das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe seine nächste Ausstellung. Dass Haring auch mehr als ein Vierteljahrhundert nach seinem Tod "erstaunlich aktuell" sei, liege an den Themen und seiner unverwechselbaren Bildsprache, betonten die Veranstalter am Dienstag. Die Ausstellung "Keith Haring. Posters" zeigt von Mittwoch an bis zum 5. November mehr als 100 seiner Plakate. Haring (1958-1990) wurde Anfang der 1980er Jahre durch seine Strichmännchen-Zeichnungen bekannt, die er in der New Yorker U-Bahn auf Plakatwände malte. Er starb an den Folgen einer Aids-Erkrankung im Alter von 31 Jahren. "Als einer der Ersten thematisiert er Aids und erfindet für die Krankheit Motive, die noch heute verwendet werden", erinnerten die Initiatoren. "Und immer wieder setzt er sich für Kinder und bessere Bildungschancen, besonders von Kindern aus ärmeren Schichten, ein." Auch wenn Haring für seine Plakate keinen neuen Stil entwickelt habe, ließen sich doch einige Besonderheiten feststellen, hieß es. So seien etwa die Motive einfacher gehalten. "Darüber hinausgehen viele der Darstellungen auf den Plakaten unmittelbar auf das jeweilige Thema ein und erlauben eine eindeutige Interpretation, wie sie die freien Gemälde und Zeichnungen nur selten zulassen." Die Haring-Sammlung des Museums sei in ihrer Vollständigkeit weltweit einzigartig, sagte eine Sprecherin. Die Plakate werden den Angaben zufolge ergänzt durch kleinere Objekte und Marketing-Produkte, die Haring in seinem New Yorker Pop Shop verkaufen ließ. (dpa)
"Keith Haring. Posters", Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg, bis 5. November

"Produktion. Made in Germany Drei" in Hannover
Im Superkunstjahr mit Documenta in Kassel und Biennale in Venedig will die Ausstellung "Produktion. Made in Germany Drei" Kunstbegeisterte zu einem Abstecher nach Hannover verleiten. In drei Häusern sind Arbeiten von 41 Künstlern und Kollektiven zu sehen. Sie repräsentieren aktuelle Tendenzen der Szene in und aus Deutschland. Es gehe nicht um eine Definition nationaler Kunst, betonten die Organisatoren am Donnerstag. Untersucht würden vielmehr Produktionsbedingungen, Netzwerke und digitale Kommunikationswege. Vertreten sind zahlreiche in Berlin lebende Künstler wie Daniel Knorr, Yorgos Sapountzis, Raphaela Vogel oder Kasia Fudakowski. Die Schau im Sprengel Museum, in der Kestnergesellschaft und im Kunstverein Hannover läuft vom 3. Juni bis zum 3. September. (dpa)
Eröffnung: Freitag, 2. Juni (17.00 Uhr – Sprengel Museum Hannover; 19.00 Uhr – Kestner Gesellschaft; 20.15 Uhr – Kunstverein Hannover; 22.00 Uhr – "Impure Fiction", Perfomance – Kunstverein Hannover/Literaturhaus)

"Hier und Jetzt" in Köln
Reena Spaulings sind viele. Wie viele, weiß man nicht genau. Das seit 2004 bestehende Künstlerkollektiv operiert im Namen einer fiktiven Künstlerin und schafft systemkritische, selbstironische Installationen und Malereien. Die Ausstellung "Her and No" im Museum Ludwig stellt die erste institutionelle Zusammenarbeit des Kollektivs mit einem Museum dar und fragt nach dem Stellenwert des Künstlers in der Gesellschaft und dem kleinteiligen Abhängigkeitsgefüge der Kunstwelt.
"Reena Spaulings. Her and no", Museum Ludwig, Köln, 3. Juni bis 27. August; Eröff­nung: 2. Ju­ni, 19 Uhr

Skulptur Projekte Münster starten mit Ableger in Marl
Die international beachtete Zehn-Jahres-Ausstellung Skulptur Projekte Münster wirft ihre Schatten voraus. Eine Woche vor dem Start der Freiluft-Großausstellung wird am Pfingstsonntag bereits ihr kleiner Ableger in Marl eröffnet. In der Ruhrgebietsstadt, rund 60 Kilometer von Münster entfernt, sind unter dem Motto "The Hot Wire" bis zum 1. Oktober Skulpturen, Installationen, Performances und Filme zu sehen. So tauschen Skulpturen aus Münster und Marl zeitweise den Platz. Thomas Schüttes "Kirschensäule" aus Münster bekommt nach 30 Jahren als "Melonensäule" ihr Pendant in Marl. Das Skulpturenmuseum Glaskasten Marl zeigt eine Ausstellung mit rund 50 Modellen aus dem Archiv der Skulptur Projekte und dem eigenen Bestand. Ein weiteres Highlight: Reiner Ruthenbecks 1997 in Münster gezeigte Pferde-Performance mit einem Schimmel und einem Rappen erlebt in Marl eine Wiederaufführung. Die Skulptur Projekte Münster starten am 10. Juni - zeitgleich mit der Documenta in Kassel - und dauern bis zum 1. Oktober. Für die Auflage 2017 vereinbarten die Skulptur Projekte erstmals eine Kooperation mit Marl. Die renommierte Freiluft-Ausstellung in Münster mit einem Budget von 7,7 Millionen Euro umfasst 35 aktuelle Kunst-Positionen international bedeutender Künstler. (dpa)
Skulpturenmuseum Glaskasten Marl, 4. Juni bis 1. Oktober

"After the Fact" in München
Die effektivste Propaganda erscheint im Gewand des Entertainments, sagt der Professor und Nazi-Spezialist Nicholas O'Shaughnessy, Autor von "Selling Hitler". Wäre Propaganda immer sofort als solche erkennbar, würde sie nicht funktionieren. So wird zwar viel über Populisten und Faktenverdreher diskutiert, doch tatsächliche "Propaganda" scheint immer weit weg zu sein, irgendwo in den Tiefen der Geschichte des 20. Jahrhunderts oder in einem entlegenen totalitären Staat. Dabei fällt der Begriff – als Vorwurf – fast in jedem Kandidatenduell. Also könnte er doch auch in die Diskurse wieder einziehen, meint Stephanie Weber, Kuratorin der Ausstellung "After the Fact" im Lenbachhaus, auch in die künstlerischen Diskurse: Kann Propaganda auch ein Vehikel, ein hilfreiches Denk- und Analysewerkzeug sein?  Mit einer Künstlerliste mit Namen wie Alfredo Jaar, Julian Röder oder Sean Snyder versucht die Ausstellung den abstrakten oder sehr konkreten Umgang mit Propagandastrategien. Spannend wird sein, zu sehen, wie sich die ausgewählten Werke auf diesem thematisch klar abgesteckten Terrain schlagen. Denn wie man Propaganda entlarvt und übertreibt, sich ihre formalen Insignien aneignet oder weiterspinnt, das hat die stets aufklärerische und subversiv geschulte Gegenwartskunst gut drauf. Was aber gibt Propaganda an künstlerischem Material sonst noch her, als sie zu ironisieren oder vor ihr zu warnen? Außerdem ist Kunst ja an sich schon "postfaktisch", also im Grenzbereich zwischen Realität und Fiktion ohnehin zu Hause. Fest steht: Diese Ausstellung wird nicht im Gewand des Entertainments daherkommen.
"After the Fact", Lenbachhaus, München, bis 17. September

Schau zum Bauen und Wohnen im Kollektiv in Weil am Rhein
Das Vitra Design Museum beleuchtet in einer neuen Ausstellung moderne Architektur in Zeiten von Wohnungsnot und stark steigenden Immobilienpreisen in den Metropolen. Die Schau thematisiere Bauen und Wohnen im Kollektiv, sagte eine Sprecherin des Museums in Weil am Rhein (Kreis Lörrach) am Mittwoch. Klassische Konzepte des Wohnungsbaus würden dem Bedarf nicht mehr gerecht, es etabliere sich daher eine veränderte Architektur. Die Ausstellung mit dem Titel "Together. Die Neue Architektur der Gemeinschaft" zeige dies. Sie öffnet erstmals an diesem Samstag (3. Juni), zu sehen ist sie den Angaben zufolge bis zum 10. September. Gezeigt werden Werke zahlreicher Architekten. Darunter seien eine Installation aus 21 großformatigen Modellen heutiger Wohnbauprojekte rund um den Globus sowie eine Gemeinschaftswohnung im Originalformat, die betreten und besichtigt werden könne. Historische Dokumente veranschaulichten die Geschichte der gemeinschaftlichen Architektur von den Reformideen des 19. Jahrhunderts bis hin zur Hippie- und Hausbesetzerszene, die mit dem Slogan "Make love, not lofts" antrat. Das Thema passe in die Zeit und die sich verändernde Gesellschaft, sagte die Sprecherin. Parallel zur Ausstellung sind bis September Vorträge, Diskussionsveranstaltungen sowie Workshops geplant. (dpa)
"Together. Die Neue Architektur der Gemeinschaft", Vitra Design Museum, Weil am Rhein, 3. Juni bis 10. September, Eröffnung: 2. Juni, 18 Uhr