Tipps und Termine

Wohin am Wochenende?

Besucher auf der Art Cologne mit einer Arbeit des Künstlers Hans Kotter
Foto: Oliver Berg/dpa

Besucher auf der Art Cologne mit einer Arbeit des Künstlers Hans Kotter

Die Kunst der Woche: Unsere Tipps für Berlin, Bregenz, Essen, Halle, Kassel, Köln und London

Es passiert nicht so oft, dass eine Ausstellung sogar das politische Berlin aufrüttelt und Angela Merkel ihr Büro umräumen lässt. Die Nolde-Schau im Hamburger Bahnhof, die die Verstrickung des Künstlers mit dem Nationalsozialismus ins Bewusstsein ruft, wird jedoch den Blick auf Blumen und Wellen für immer verändern. Also lieber hingehen und selbst nachschauen, worüber gerade alle reden. Alle anderen sprechen natürlich über die Art Cologne, wo man noch bis Sonntag Abend sehen und gesehen werden kann. Ansonsten? Ein verliebter Rembrandt in Kassel, Feministische Kunst in schillernden Facetten in Berlin und Miriam Cahn in Bregenz, die immer eine Reise wert ist.

Emil Nolde in Berlin

Dieses Bild hat das Zeug, zum Symbol einer Neubewertung zu werden. Eine Nordseewelle bricht darin auf. Über der Gewalt der Wassermassen, dem Weiß der Gischt im dunkelgrünen Meer hängt eine fette Wolkenwand, von unsichtbarer Sonne in komplementäres Rot getaucht. Der "Brecher" von Emil Nolde hing noch vor wenigen Tagen im Kanzleramt von Angela Merkel. Nun ist das Gemälde von 1936 Teil einer Ausstellung, die auf Basis neuer Studien die tiefe Verstrickung der Expressionismus-Ikone in die Nazi-Ideologie zeigt.

"Wir haben einfach viel zu lang das Opfer Nolde gefeiert", sagt Christian Ring. Erst der seit 2013 amtierende Direktor der Seebüller Nolde Stiftung hat die fast 30 000 Dokumente aus dem Nachlass Noldes dem freien Zugriff von Wissenschaftlern geöffnet. Ist damit der Status des gefeierten Malers deutscher Moderne gefährdet? "Da muss Nolde jetzt erstmal durch", sagt Ring. "Ich gehe fest davon aus, dass nach einer gewissen Zeit wieder das Gesamtbild gesehen wird."

Nolde wurde von den Nazis als "entarteter Künstler" diffamiert. Gleichzeitig war er aber auch NS-Parteimitglied, Antisemit, Rassist und bis zum Ende überzeugter Nationalsozialist. Dies alles steht im Zentrum der Berliner Ausstellung "Emil Nolde - Eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus" im Hamburger Bahnhof der Berliner Nationalgalerie.

"Emil Nolde - Eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus", Hamburger Bahnhof, Berlin, bis 15. September

Feminismus in Berlin

Auf Grenzen stößt man nicht nur auf der politischen Landkarte. „Straying from the Line", eine Gruppen­schau im Berliner Schinkel Pavillon, thematisiert die Spannung von Norm und Abweichung auf dem Feld der Kunst. Mit Werken von Lynda Benglis, Barbara Hammer, Eva Hesse, Maria Lassnig, Klara Lidén, Heji Shin, Martine Syms, Elaine Sturtevant und gut 30 anderen Künstlerinnen (plus einigen männlichen Kollegen) konzentriert sich die Ausstellung auf feministische Kunsttendenzen und spürt den Affekten geteilter Unruhe und Verweigerung nach.

"Straying from the Line", Schinkel Pavillon, Berlin, 13. April bis 28. Juli


Art Cologne in Köln

Eine "Sängerin am Piano" von Ernst Ludwig Kirchner für 3,9 Millionen Euro gehört dieses Jahr zu den teuersten Werken auf der Art Cologne. 176 Aussteller zeigen dort  Werke zeitgenössischer Kunst und der klassischen Moderne. Darunter sind auch ein "Russisches Mädchenpaar" des Expressionisten Otto Mueller (1874-1930) für 3,9 Millionen Euro, ein "Abstraktes Bild" von Gerhard Richter für 3,8 Millionen Euro und eine "Reihung" von Günther Uecker für mehr als eine Million Euro. Auch August Macke, Max Ernst, Max Liebermann, Neo Rauch, Anselm Kiefer und Damien Hirst sind im Angebot.

Die größte deutsche Kunstmesse ist dabei kleiner als in den vergangenen Jahren: 2018 waren noch 210 Händler vertreten, jetzt 34 weniger. Der Grund dafür sei aber nicht geringeres Interesse der Galeristen, sagte Direktor Daniel Hug. Es gehe vielmehr darum, die Messe zu konzentrieren und dadurch sicherzustellen, dass jeder Besucher auch wirklich jeden Stand ansehen könne. Das sei sowohl für die Besucher als auch für die Galeristen zufriedenstellender. "Es lohnt sich, sich Zeit zu nehmen", sagt Hug. Die Kunstpilger haben für einen konzentrierten Rundgang noch bis Sonntag Abend Zeit. (dpa)

"Art Cologne", Kölnmesse, bis 14. April, Öffnungszeiten Freitag und Samstag 11 bis 19 Uhr, Sonntag 11 bis 18 Uhr

Das Porzellan der Zukunft in Halle

Die Kunststiftung Sachsen-Anhalt widmet dem Bauhaus-Jubiläum eine Ausstellung zum Thema Porzellan. "Tasting Tomorrow - Porzellan, Bauhaus und Kulinarik" ist von diesem Sonntag an für das Publikum in Halle zu sehen. Dafür suchten zwölf Vertreter aus den Bereichen Design, Kunst und Handwerk nach dem Porzellan der Zukunft. Sie versuchten die Frage zu beantworten, welche Objekte, Geschirrteile oder Materialien künftig welche Funktionen übernehmen.

Die Designer und Künstler kommen aus Deutschland, Finnland, China und den Niederlanden. Bei der Kollaboration, bei der alle Künstler an Workshops teilnahmen, geht es auch um den vom Bauhaus geprägten Grundsatz, wonach alles Leben, Lernen, Experimentieren, Erfinden und Arbeiten gemeinschaftlich organisiert sein sollte.

"Wie schmeckt das Bauhaus, wie schmeckt die Zukunft?", Kunststiftung Sachsen-Anhalt, Halle, 13. April bis 19. Mai

Robert Henke in Essen

Mit geometrischen Formen aus Licht feiert  der Künstler Robert Henke das Bauhaus-Jubiläum. Im Sanaa Gebäude der Zeche Zollverein in Essen lässt er so etwas wie ein minimales Triadisches Ballett aus verschiedenfarbigen Lichtkreisen an den Wänden tanzen. Dazu läuft eine Klanginstallation, die die tanzenden Formen anzutreiben scheint. Die Installation in rohem Beton ist Teil des Bauhaus-100 -Festivals "Try Again, Fail Again, Fail Better" in Essen. Noch bis Februar 2020 werden sich Künstler in der Zeche Zollverein ganz im Bauhaus-Geist den Themenfeldern, Licht, Körper, Raum und Funktionalität widmen.

Robert Henke "cos/sin", Zeche Zollverein, Essen, bis 6. Mai

Miriam Cahn in Bregenz

Von dem kindlichen Wunsch befeuert, eines Tages mal ein Picasso zu werden, wurde die Schweizerin Miriam Cahn Künstlerin – heute ist sie eine der wichtigsten ihrer Generation. Angefangen mit schwarz-weißen Kreidezeichnungen, machte sie sich ab den 80ern vor allem als Malerin einen Namen, aber auch Fotografie, Performance und Videoarbeiten wurden Teil ihres künstlerischen Ausdrucks. Doch der Weg in die internationalen Ausstellungshallen war für sie als Frau kein leichter: In Bregenz lenkt „Das genaue Hinschauen" den Blick auf die unbequemen Geschlechter- und Machtverhältnisse unserer Zeit. Im expressiven Einsatz von Kohle, Öl und Pastell verleiht Cahn nicht nur ihrer persönlichen Erfahrung, sondern auch den gesellschaftspolitischen Zuständen der letzten Jahrzehnte Form und Farbe.

Von den Friedens- und Frauen­bewegungen sowie der Performancekunst der 70er-Jahre geprägt, schlägt ihr Werk einen radikal feministischen Kurs ein und provoziert mit expliziten pornografischen Darstellungen. Sie zeigen den Menschen verstrickt in emotionale Konflikte und zwischen Einsamkeit, Sexualität, Krieg und Tod.

Trotz der bedrohlichen Inhalte arbeitet die Schweizerin zunehmend mit knallig bunten, gar fluoreszierenden Farben, die einzelne Körperteile – meist Brüste, Lippen oder Genitalien – hervorheben und in einer hellen Aura umhüllen. Die beklemmende Dunkelheit dahinter wirkt wie ein luftleerer Raum, der die Schreie der Figuren verstummen lässt – eine Ohnmacht, der die Feministin Miriam Cahn die künstlerische Kampfansage macht.

Miriam Cahn: "Das genaue Hinschauen", Kunsthaus Bregenz, 13. April bis 30. Juni

Der verliebte Rembrandt in Kassel

Eine neue Sonderausstellung im Kasseler Schloss Wilhelmshöhe stellt die Ehe des Malers Rembrandt in den Mittelpunkt. "Kassel...verliebt in Saskia" ist für die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) die wichtigste Schau des Jahres. Zentrales Ausstellungsstück ist ein Porträt, das Rembrandt von seiner Frau Saskia Uylenburgh gemalt hat. Es ist nach einer Reise als Leihgabe an die Niederlande nun wieder in Nordhessen zu sehen. «Das ist ein hoch emotionalisiertes Gemälde», sagte Martin Eberle, MHK-Direktor bei der Vorstellung der Ausstellung am Donnerstag.

Der Künstler hatte «Saskia Uylenburgh im Profil in reichem Kostüm» in der Verlobungszeit gemalt und nach dem frühen Tod seiner Frau 1642 überarbeitet. Zu sehen gibt es Saskia in dieser berühmten Darstellung erstmals nicht nur im Profil - per Digitaltechnik wendet sie sich den Besuchern der Ausstellung zu. (dpa)

"Kassel...verliebt in Saskia. Liebe und Ehe zu Rembrandts Zeiten", Schloß Wilhelmshöhe, Kassel, bis 11. August

Hito Steyerl in London

Dass einer der innovativsten Künstlerinnen der Gegenwart etwas Geistreiches zur Kontroverse um das Mäzenatengeld der Pharmafamilie Sackler einfällt, hätte man sich eigentlich denken können. Für ihre Ausstellung in der Serpentine Sackler Gallery in London hat sie eine App entwickelt, die mit "Augmented Reality" den Namen der Familie einfach von der Fassade des Kunstbaus im Hyde Park verschwinden lässt. Mit dem Smartphone lassen sich rund um das Gebäude auch Daten sammeln, die die soziale Ungleichheit im astronomisch teuren London sichtbar machen. Die Ausstellung dreht sich um Macht in verschiedenen Verkleidungen und wirft auch einen Blick auf "Future Gardens".  

Hito Steyerl: "Power Plants", Serpentine Sackler Gallery, London, bis 6. Mai