Tipps und Termine

Wohin am Wochenende?

Renate Bertlmann "Hier ruht meine Zärtlichkeit", Ausstellungsansicht Landesgalerie Niederösterreich, 2019
Foto: Claudia Rohrauer, Kunstmeile Krems

Renate Bertlmann "Hier ruht meine Zärtlichkeit", Ausstellungsansicht Landesgalerie Niederösterreich, 2019

Die Eröffnungen der Woche in Basel, Bilbao, Kassel, Chemnitz, Krems, New York, Nürnberg, Quedlinburg und Wuppertal

Rudolf Stingel in Basel

Der südtiroler Künstler Rudolf Stingel experimentiert mit verschiedensten Materialien und Formen. So entstehen neben abstrakten und fotorealistischen Gemälden auch gegossene Metall-Bilder, großformatige Arbeiten aus Styropor und Rauminstallationen mit reflektierenden Isolierplatten oder Teppichen. Nur die Oberflächenbehandlung lässt erahnen, dass der Künstler von der Malerei kommt. Er testet die Grenzen künstlerischer Verfahren aus, erkundet das Genre auf individuelle Art. Dabei geht er von klassischen Bildmotiven aus und wandelt sie in zahlreichen Variationen ab. Die Fondation Beyeler Basel stellt einen Überblick über das Oeuvre des international anerkannten Malers aus.

"Rudolf Stingel“, Fondation Beyeler, Basel, 25. Mai bis 6. Oktober


Gerhard Richter in Bilbao

Das Guggenheim-Museum Bilbao zeigt eine große Auswahl von Werken der Serie "Seestücke" des deutschen Künstlers Gerhard Richter. Der 87-Jährige hatte die Serie, in der sich Horizonte, Wasser, Wellen, Nebel, Wolken und Licht vermischen, zwischen 1967 und 1998 erschaffen. "Diese Ausstellung ist die erste, die eine Vielzahl dieser Werke zeigt, in denen der Künstler sowohl auf traditionelle Quellen wie die melancholischen und schwermütigen Landschaften des deutschen romantischen Malers Caspar David Friedrich als auch auf populäre Momentaufnahmen aus dem Urlaub zurückgreift", teilte das Museum mit.

Am Ende stehe eine Reflexion gleichermaßen über die Natur wie über die visuelle Wahrnehmung. Gemalte Oberflächen und fotografische Aufzeichnungen verschmelzen in "Seestücke" zu einer Einheit. Richter malte die Serie mit stark verdünnter Farbe und erzeugte so eine Oberfläche, die der einer Fotografie ähnelt. Dabei gestaltete er die Bilder oft unscharf, so dass es für den Betrachter kaum zu unterscheiden ist, ob es sich um ein Gemälde oder um ein Foto handelt. Auch Meer und Himmel verschmelzen und werden so fast austauschbar. (dpa)

Gerhard Richter: "Seascapes", Guggenheim-Museum Bilbao, bis 9. September


Wilhelm Wagenfeld in Bremen 

Mundgeblasene Glaskuppel, zylindrischer Schaft, Licht wie bei Vollmond: 1924 schuf Wilhelm Wagenfeld seine berühmte Bauhaus-Leuchte. Nun strahlt die Tischlampe im Dialog mit Produkten heutiger Designer in der Ausstellung "Wilhelm Wagenfeld: Leuchten" in Bremen. Die Ausstellung zeigt einerseits, wie sich das Werk des gebürtigen Bremers von 1950 bis 1970 unter dem Einfluss des Bauhaus entwickelt hat; andererseits wird ein Blick auf zeitgenössische Designentwürfe zu Leuchten geworfen. Auf zwei Etagen sind mehr als 70 Exponate installiert.

Der Produktgestalter war gebürtiger Bremer. "Es ist kein Best-of des Bauhauses. Wir zeigen vielmehr, wie sich die Bauhaus-Idee im Werk von Wagenfeld weiterentwickelt hat", sagt die Direktorin der Bremer Wilhelm Wagenfeld Stiftung, Julia Bulk.

"Wilhelm Wagenfeld. Leuchten", Wilhelm Wagenfeld Haus, Bremen, bis 27. Oktober
 

Neue Sachlichkeit in Chemnitz

Für die Ausstellung "Neue Sachlichkeit. Kunst in der Weimarer Republik" haben die Kunstsammlungen Chemnitz ihren Bestand durchforstet. Ab Sonntag sind  100 Jahre nach Verkündung der Weimarer Verfassung  im Museum Gunzenhauser 120 Gemälde, Grafiken und Fotografien aus dieser kurzen Phase mit immenser Wirkung der Kunstgeschichte zu sehen. "Es sind sowohl große Namen wie Otto Dix, George Grosz oder Conrad Felixmüller vertreten, aber auch lokale Künstler wie Bernhard Kretzschmar, der zum Kreis um Dix gehörte, Karl Hubuch, Hanna Nagel, Martha Schrag oder Friedrich Seidenstücker, die bisher nicht in diesem Kontext wahrgenommen wurden", sagte Kuratorin Anja Richter am Freitag.

Werke von insgesamt 34 Künstlern, viele davon noch nie oder Jahrzehnte nicht zu sehen. "In der Neuen Sachlichkeit spiegeln sich wie in kaum einer anderen Kunstrichtung die politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen der Epoche wider", sagte Richter. Porträts, Bilder von Fabriken und Städten erzählten von der Zeit zwischen 1918 und 1933, ihren Errungenschaften und ihren Krisen. "Es ist die erste Ausstellung zur Neuen Sachlichkeit in Chemnitz seit 93 Jahren." Aus der damaligen Schau Deutscher Malerei ist nur ein Bild von Gustav Schaffer zu sehen. "Die anderen fehlen seit der Aktion 'Entartete Kunst' im Nationalsozialismus." (dpa)


"Neue Sachlichkeit. Kunst in der Weimarer Republik", Kunstsammlungen Chemnitz Museum Gunzenhauser, Chemnitz, bis 25. August


Bauhaus trifft documenta in Kassel 

Die Städte, Weimar, Dessau und Kassel haben eins gemeinsam: Ohne ihre größten modernen Kunst-Errungenschaften würden sich viel weniger Menschen für die mittelgroßen deutschen Orte interessieren. Während Weimar und Dessau vom Bauhaus profitieren, fällt die Kunstwelt alle fünf Jahre wegen der Documenta in Kassel ein. In der Neuen Galerie, auch ein traditionsreicher Documenta-Standort, werden nun Verbindungen zwischen der Weltkunstschau und dem Bauhaus gesucht. Die Ausstellung nimmt zwei etablierte Kulturmarken unter die Lupe und fragt nach Visionen und Ideen, politschem Kontext, aber auch nach Krisen und Klischees. 

"Bauhaus/Documenta. Vision und Marke", Neue Galerie, Kassel, bis 8. September 


"Grand Opening" in der Landesgalerie Niederösterreich in Krems

Fotografien des Wiener Aktionisten Heinz Cibulka, neue Werke der Künstlerin Renate Bertlmann, eine Schau über den Kunstsammler Franz Hauer und zwei Themenpräsentationen. Mit insgesamt fünf Ausstellungen auf fünf Ebenen feiert die Landesgalerie Niederösterreichs zwei Tage lang ihre Eröffnung. Das Museum für zeitgenössische Kunst bringt die Landessammlung Niederösterreichs mit Privatkollektionen zusammen. "Die Landesgalerie Niederösterreich hat wie jedes Kunstmuseum die Aufgabe, ein Ausdruck der Gegenwart zu sein. Diese Verwurzelung ist auch im Inneren Dreh-und Angelpunkt der Programme", so Christian Bauer, der künstlerische Direktor der Landesgalerie Niederösterreich. Der Neubau überzeugt durch eine einzigartige und markante Architektur von Bernhard Marte. Für Besucher und Besucherinnen bietet die Landesgalerie am Eröffnungswochenende Shuttlebusse aus Wien, Kreativstationen, Musikkonzerte, ein Sonntagsfrühstück und Livespeaker in den Ausstellungen. Der Eintritt ist frei. Parallel eröffnen zwei Ausstellungen im Forum Frohner und der Kunsthalle Krems in der Dominikanerkirche.

"Grand Opening" auf der Kunstmeile Krems, 25. und 26. Mai 


Ein halbes Jahrhundert Pride in New York 

Rund ein halbes Jahrhundert nach den Unruhen an der legendären Bar "Stonewall Inn" dokumentiert ein New Yorker Museum den damit verbundenen Beginn der Emanzipationsbewegung von Schwulen und Lesben. In mehreren Ausstellungen und Installationen mit mehr als 180 Objekten widmet sich die New-York Historical Society direkt am Central Park in Manhattan der Geschichte des Kampfs für die Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Transgendern und queeren Menschen (LGBTQI*). Es geht um die Institutionen, Bars und Menschen, wie den Künstler Keith Haring, die sich in New York an der Bewegung beteiligten.

Gezeigt werden Fotografien, Bücher und Manuskripte, Flyer und Poster sowie Kleidungsstücke. Eine Besonderheit ist die Installation namens "Say It Loud, Out and Proud: Fifty Years of Pride". Sie gibt ein umfassendes Bild von den “New York City Pride Marches” und anderen LGBTQI*-Protesten seit  den 1960ern. Im "Stonewall Inn" in der New Yorker Christopher Street war es nach einer Polizeirazzia 1969 zum Aufstand von Homosexuellen gekommen. Damals wehrten sie sich erstmals gegen willkürliche Kontrollen und Schikanen. Sie errichteten Straßensperren, bewarfen Polizisten mit Gegenständen und skandierten "Gay Power". Die Unruhen um die Szene-Bar gelten als Initialzündung einer internationalen Emanzipationsbewegung. (dpa)

"Because history matters", New-York Historical Society Museum & Library, New York, bis 22. September


Skizzenbücher von Franz Marc in Nürnberg 

Erstmals erhalten Kunstinteressierte umfassende Einblicke in die Skizzenbücher des Malers Franz Marc. In einer Sonderausstellung des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg sind 320 Skizzenblätter des populären Expressionisten zu sehen. Sie stammen aus 26 Skizzenbüchern und umfassen den Zeitraum von 1904 bis 1914. Teils handelt es sich um Fingerübungen, teils um Ideensammlungen. Etliche Skizzen hätten Marc auch als Vorlagen für spätere Werke gedient, sagt die Ausstellungskuratorin Yasmin Doosry.

Das Motiv der schlafenden und ruhenden Tiere ist besonders oft vorhanden. Ab 1910 wird das Werk Franz Marcs abstrakter, was auch die Skizzen zeigen. Private Briefe und Fotos ergänzen die Schau. Die Skizzenbücher befinden sich seit 1982 im Besitz des Nürnberger Museums. Die Ausstellung wurde durch aufwendige Restaurierungen möglich. 

Franz Marc: "Auf dem Weg zum blauen Reiter. Skizzenbücher", Nationalmuseum Nürnberg, bis 1. September


Bauhaus für Kinder in Quedlinburg

Studierende der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle haben eine interaktive Ausstellung für den Bauhaus-Nachwuchs konzipiert. Unter dem Titel "Rot, gelb, blau – das Bauhaus für Kinder" wird sie ab Samstag in der Lyonel-Feininger-Galerie in Quedlinburg gezeigt. Die Schau vermittelt Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren die Ideen der berühmten Architektur- und Designschule. Zehn Stationen bieten die Möglichkeit zum Experimentieren und Ausprobieren. Die Kinder können Bilder gestalten, das Zusammenspiel von Licht, Farbe und Schatten erleben, sich verkleiden und tanzen. In einem imaginären Büro des Bauhaus-Direktors Walter Gropius werden die jungen Besucher selbst zu Architekten und bauen die Meisterhäuser im Maßstab nach.

Außerdem gibt es eine zentrale Hörstation mit kleinen Geschichten über die Akteure am Bauhaus und die Exponate der Ausstellung. Parallel läuft die Ausstellung „Die Feiningers. Ein Familienbild am Bauhaus“. Die Galerie ist nach dem Baushaus-Künstler Lyonel Feininger benannt, dessen Eltern Musiker waren. Die Familiengeschichte wird anhand nie gesehener Werke nachgezeichnet. So wird gezeigt, wie Kunst im Privaten und einem bestimmten Milieu entsteht. Was heute als Bauhausutopie gefeiert wird, stand unter bestimmten politischen sowie persönlichen Einflüssen. (dpa)

"Rot, gelb, blau  das Bauhaus für Kinder" und "Die Feiningers. Ein Familienbild am Bauhaus", Lyonel-Feininger-Galerie, Quedlinburg, bis 13. Oktober / 2. September 


Hede Bühl in Wuppertal 

Mit dem Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal, der eine ehemalige Unternehmervilla umgibt, hat sich der britische Künstler Tony Cragg einen Traum erfüllt. Neben den großformatigen Werken im Außenbereich gibt es dort auch immer wieder Sonderausstellungen. Am Wochenende eröffnet die Soloschau der Düsseldorfer Bildhauerin Hede Bühl. Auch wenn sie das Label der Beuys-Schülerin nicht besonders schätzt, sind ihre Skulpturen in ihrer massigen Ästhetik und der reduzierten Form zumindest entfernt verwandt mit dem wohl berühmtesten aller Kunstlehrer im Rheinland. Hede Bühl sieht ihre Arbeiten, die an abstrahierte Köpfe und Körper erinnern, jedoch auch in der Tradition ägyptischer und griechischer Skulptur. In der Umgebung des Skulpturengartens drängt sich auch die Assoziation mit Findlingen auf, bis man die filigranen Oberflächen und reduzierten Ornamente entdeckt. 

"Hede Bühl", Skulpturenpark Waldfrieden, Wuppertal, 25. Mai bis 11. August