Tipps und Termine

Wohin am Wochenende?

Robert Lippok & Lucas Gutierrez "Non-face", 2019
Foto: Robert Lippok & Lucas Gutierrez

Robert Lippok & Lucas Gutierrez "Non-face", 2019

Die Kunst der Woche in Berlin, Bielefeld, Düsseldorf, Frankfurt, Köln, Leipzig, München und Winterthur

 

Unendliche Weiten in Berlin

"New Infinity" schaltet die Welt aus und knipst viele neue an – unter dem Halbrund einer planetariumshaften temporären Kuppel mitten in Kreuzberg. Zum Immersion-Festival der Berliner Festspiele ist das niederländische Designer-Duo Metahaven eingeladen, das zeigt, wie man sich mit Grafikdesign politisch einmischen kann. Für das Kunst-Planetarium haben sie eine sehr poetische Himmelsprojektion entwickelt. Außerdem ist Musiker Robert Lippok dabei, der gemeinsam mit dem Künstler Lucas Gutierrez unwahrscheinlichen Formen auf der Spur ist. Und die Künstlerin Agnieszka Polska, von deren digitalen Fabelwesen Mans ich endlich auf dem Rücken liegend wunderschöne rätselhafte Dinge erzählen lassen kann.

"The New Infinity Berlin", Mobile Dome auf dem Mariannenplatz, bis 22. September

 

Tobias Rehberger in Berlin

Mit seinen Installationen hat er bisher die Bildhauerei immer wieder neu zur Diskussion gestellt. Nun überrascht der Frankfurter Künstler Tobias Rehberger in einer Ausstellung im Haus am Waldsee in Berlin als versierter Aquarellist im kleinen Format auf Papier.

"Inspiration Is A Little Town In China - in Papier", Haus am Waldsee in Berlin, bis 17. November

 

Original Bauhaus in Berlin

Marianne Brandts berühmtes Tee-Extraktkännchen war ein grafisch-geometrisches Gefäß, das sowohl Skulptur als auch funktionaler Gebrauchsgegenstand war. Nun wird es mit rund 1000 anderen Exponaten in der Berlinischen Galerien gezeigt. Die Ausstellung erkundet anhand von 14 Schlüsselobjekten bestimme Bauhaus-Besonderheiten. Zum Beispiel: Warum existiert das tolle ufohafte Kännchen von Marianne Brandt nun doch nicht als Massenprodukt?

"Original Bauhaus", Berlinische Galerie, bis 27. Januar 2020

Marianne Brandt, Tee-Extraktkännchen (MT 49), 1924, Bauhaus-Archiv Berlin
Foto: Gunter Lepkowski, VG Bild-Kunst Bonn 2019

Marianne Brandt, Tee-Extraktkännchen (MT 49), 1924, Bauhaus-Archiv Berlin

Beatriz Olabarrieta in Bielefeld

Die aus dem spanischen Bilbao stammende und in Berlin lebende Künstlerin Beatriz Olabarrieta zeigt in der Ausstellung "Stay Twice" im Bielefelder Kunstverein visuelle Darstellungen von Kommunikation und Sprache. Codes, Zeichen, Metaphorik und Ausformungen der Informationsgesellschaft spielen in ihren künstlerischen Arbeiten eine zentrale Rolle.

"Beatriz Olabarrieta: Stay Twice", Bielefelder Kunstverein, 7. September bis 10. November

 

Marie Cool und Fabio Balducci in Bremen

Es ist die erste institutionelle Einzelausstellung von Marie Cool und Fabio Balducci in Deutschland: Das seit 1995 zusammenarbeitende französische-italienische Künstlerduo beschäftigt sich mit der Grenze einer Belastbarkeit. Dafür stellen sie, einer künstlichen Laborsituation ähnelnd, Objekte aus, deren Funktion einst war, Gewichten Stand zu halten: metallische Bodenfliesen, demontierte Bürotische oder eine Serie getönter Autoscheiben von SUVs.

Cool Balducci: "Can Carry No Weight", Gesellschaft für aktuelle Kunst in Bremen, 7. September bis 22. Dezember

 

The Frankfurt Art Experience

Schon in den 70er-Jahren hat die Kulturpolitik in Frankfurt erkannt, was Kunstinstitutionen mit überregionaler Strahlkraft für eine Stadt bedeuten können. Heute ist Frankfurt bekannt für sein Museumsufer, und die Städelschule gilt als eine der besten Kunsthochschulen des Landes. Mit dem neuen Kunstwochenende The Frankfurt Art Experience rückt jetzt auch die Galerieszene in den Fokus: 50 Galerien laden zum gemeinsamen Vernissage-Wochenende. Ein Interview mit Initiator Tyrown Vincent lesen Sie hier, einen Rundgang durch die Frankfurter Galerien hier.

"The Frankfurt Art Experience", verschiedene Orte und Veranstaltungen in Frankfurt am Main, bis 8. September

 

Ostdeutsche Kunst in Düsseldorf

Der Kunstpalast in Düsseldorf zeigt 30 Jahre nach dem Fall der Mauer in einer eigenen Überblicksschau in der DDR entstandene Kunst. "Wir möchten einen neuen und offenen Blick auf das Kunstschaffen in der DDR vermitteln", sagte Museumschef Felix Krämer. Gezeigt werden mehr als 130 Bilder und einige Skulpturen von 13 Künstlern. Unter ihnen sind der zu DDR-Zeiten auch außerhalb des Landes bekannte Bernhard Heisig oder der 1980 ausgebürgerte A.R. Penck, der dann im Westen Erfolg hatte. Andere waren auf beiden Seiten der Grenze nur Insidern vertraut.

Die Schau mit dem Titel "Utopie und Untergang. Kunst in der DDR" dauert bis zum 5. Januar 2020. Das Museum möchte damit erklärtermaßen das gemeinsame deutsch-deutsche Gedächtnis erweitern. Es gehe auch darum, "kritisch und selbstkritisch zu sehen, wie diese Kunst in der Bundesrepublik angesehen und rezipiert worden ist", schrieb Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in einem Vorwort zum Katalog. Auch unter den ungleich schwereren Bedingungen in der DDR seien herausragende Kunstwerke entstanden. In einem WhatsApp-Guide wird in der Ausstellung auch über Organisation und Vorgaben des damaligen Kunstbetriebs informiert. (dpa)

Mehr zur Neubewertung der DDR-Kunst lesen Sie in der Septemberausgabe der Monopol

"Utopie und Untergang. Kunst in der DDR", Kunstpalast Düsseldorf, bis 5. Januar 2020

 

Fließende Körper in Düsseldorf

In Düsseldorf beschäftigen sich drei Künstlerinnen mit Fragen von Körper, Objekten und Genderfluidität aus assoziativen, feministischen Perspektiven. Mit Zeichnungen, Malereien und Skulpturen von Vanessa Conte, Stefanie Heinze und Zsófia Keresztes.

"Liquid Bodies", Sammlung Philara, Düsseldorf, bis 27. Oktober

 

Stipendiaten-Ausstellung in Düsseldorf

In Ko­ope­ra­ti­on mit der Stu­di­en­stif­tung des deut­schen Volkes zeigt die Kunsthalle Düsseldorf die Grup­pen­aus­stel­lung der je­weils letz­ten bei­den Jahr­gän­ge der Sti­pen­dia­tin­nen und Sti­pen­dia­ten des Karl Schmidt-Rott­luff Sti­pen­di­ums. Mit Arbeiten von Yal­da Af­sah, Char­lot­te Du­alé, Se­re­na Fer­ra­rio, Su­sann Ma­ria Hem­pel, Fe­lix Lef­frank, Sa­rah Leh­ne­rer, Hen­ri­ke Nau­mann, Ra­pha­el Sbrzes­ny, Ar­ne Schmitt und Fa­bi­an Trei­ber.

"Karl Schmidt-Rottluff Stipendium. Die Ausstellung 2019", Kunsthalle Düsseldorf, bis 10. November

 

DC Open in Düsseldorf und Köln

Es ist der erste große Pflichttermin nach den Sommerferien: Der Kunstherbst beginnt auch diesmal mit dem DC Open, an dem die Rheinstädte Köln und Düsseldorf ihre Energien bündeln und gemeinsam zum Rundgang einladen. Das Konzept hat sich bewährt, zur 11. Ausgabe sind 46 Galerien aus beiden Städten sowie ausgewählte Projekträume und Institutionen dabei. Mehr zum rheinischen Galerienwochenende in unserem Online-Dossier.

"Düsseldorf Cologne Open Galleries", verschiedene Orte in Düsseldorf und Köln, 6. bis 8. September

 

Boris Becker in Köln

Nein, nicht der Tennisspieler. Dieser Boris Becker ist deutscher Fotograf und Filmemacher. Die Ergebnisse seiner fotografischen Streifzüge durch über 45 deutsche Städte zwischen 1984 und 1990 sind in der Photographischen Sammlung in Köln zu sehen. Sein Fokus liegt dabei auf den Architekturen der Hochbunker als Relikte des Zweiten Weltkriegs. Diese Betonklötze sind teilweise durch Street-Art getarnt oder durch umliegende Gebäude verdeckt.

"Boris Becker – Hochbunker. Photographien von Architekturen und Artefakten", Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln, 6. September bis 9. Februar 2020

Foto: © Boris Becker, VG Bild-Kunst, 2019
Foto: © Boris Becker, VG Bild-Kunst, 2019

Boris Becker "Bunker, Hamburg, Löwenstraße", 1987

Udo Lindenberg in Leipzig

Likörelle, Lederjacke und eine goldener Trabi: Panikrocker Udo Lindenberg ist mit seinem ganz eigenen Kunstkosmos nach Leipzig gekommen. Im Museum der bildenden Künste (MdbK) zeigt der 73-Jährige rund 150 Exponate aus seinem Archiv. Dazu zählen Gemälde, aber auch Fotos aus seiner Karriere oder bemalte Akten, die die Staatssicherheit der DDR über den Sänger führte.

Die Ausstellung "Zwischentöne" sei eine Verneigung vor den Montagsdemonstranten in Leipzig, sagte Lindenberg bei der Vorstellung der Schau. Er habe sich seit den 1970er Jahren mit der DDR beschäftigt und immer gehofft, dass die "Scheißmauer" fällt. Diese "frühen Fantasien" habe er in Bildern, Songs und Filmen dokumentiert und zeige sie jetzt in Leipzig.

Auch einige Likörelle - gemalt mit Spirituosen - sind zu sehen. Und auch die Original-Lederjacke, die Lindenberg 1987 DDR-Staatschef Erich Honecker schenkte, sowie ein goldener Trabi ziehen im Museum die Blicke auf sich. (dpa)

Udo Lindenberg "Zwischentöne", Museum der bildenden Künste, Leipzig, bis 1. Dezember 

Der Musiker Udo Lindenberg vor seiner Arbeit "Wer zu spät rockt... (Honey)", 2006, in seiner Ausstellung "Zwischentöne" im Museum der bildenden Künste in Leipzig
Foto: dpa

Der Musiker Udo Lindenberg vor seiner Arbeit "Wer zu spät rockt... (Honey)", 2006, in seiner Ausstellung "Zwischentöne" im Museum der bildenden Künste in Leipzig

Aerocene Festival in München

Auf dem Münchner Olympiaberg soll ein Zeichen für grenzenlose, schadstofffreie Mobilität gesetzt werden, um eine neue Ära ohne fossile Brennstoffen einzuläuten. Neben täglichen Flügen von Aerosolar-Skulpturen, die ausschließlich mit Sonnenwärme, Luft und Thermodynamik funktionieren, gibt es Workshops und Pilotenkurse. Das Festival wird veranstaltet von der Aerocene Foundation, die im Jahr 2015 von dem international renommierten Künstler Tomás Saraceno initiiert wurde.

"Aerocene Festival", Olympiaberg München, bis 11. September 


Farbrausch in Winterthur

Ein Lobgesang auf die Verbindung von Film und Farbe. Künstlerische und technische Errungenschaften werden in der Ausstellung sowohl historisch als auch gegenwärtig beleuchtet. Zu den zeitgenössischen Positionen zählen Dunja Evers, Raphael Hefti, Barbara Kasten and Alexandra Navratil.

"Color Mania - Materialität Farbe in Fotografie und Film", Fotomuseum Winterthur, 7. September bis 24. November