Tipps und Termine

Wohin am Wochenende?

Stan Douglas "A Luta Continua", 1974
Foto: Courtesy of the artist, Victoria Miro and David Zwirner

Stan Douglas "A Luta Continua", 1974, zu sehen in der Julia Stoschek Collection Berlin

Die Kunst der Woche in Berlin, Bonn, Burgfrieden, Duisburg, Düsseldorf, Halle, Hamburg, Köln, New York, Rostock, Wien, Wuppertal und Zürich


Stan Douglas in Berlin

Die Julia Stoschek Collection präsentiert eine Ausstellung des renommierten kanadischen Künstlers Stan Douglas, der seit den späten 1980er-Jahren in den Bereichen Fotografie, Film- und Installationskunst arbeitet und mittlerweile zu den bedeutendsten Vertretern der zeitbasierten Medienkunst gehört.

Die Ausstellung "Splicing Block" widmet sich der Beziehung zwischen Musik und Gesellschaft und ist zugleich eine Reflexion über die Medien Film und Fotografie. Die Werke rekonstruieren und imaginieren die 1960er- und 70er-Jahre – eine Zeit zwischen (De-)Kolonisierung und Migration, eine Zeit, in der Jazz, Underground Disco und Afrobeat musikalisch prägend waren.

Ein "splicing block" ist ein Werkzeug zum Schneiden und wieder Zusammensetzen von analogem Bild- und Tonmaterial. Die Präzision des Vorgangs hängt von den Fähigkeiten des Filmeditors ab – einmal geschnitten, kann der Vorgang nicht rückgängig gemacht werden. Stan Douglas beherrscht das Handwerk, in seinen Filmen und Fotografien verschiedene Orte und Zeiten spurlos zu verbinden und durchbricht so traditionelle Erzählstrukturen. Der Titel "Splicing Block" steht somit sinnbildlich für Stan Douglas’ Arbeitsmethode.

"Stan Douglas. Splicing Block", Julia Stoschek Collection, Berlin, 2. November bis 1. März 2020
 


Martin Kippenberger in Bonn

Martin Kippenberger (1953–1997) war einer der medial und stilistisch vielseitigsten und wichtigsten deutschen Künstler, der die 1980er- und 1990er-Jahre maßgeblich geprägt hat. Sein Schaffen führte schon zu Lebzeiten zu einer herausragenden Position innerhalb der zeitgenössischen Kunstgeschichte und wirkt bis heute international – auch für die jüngere Künstlergeneration.

Sein Werk basiert auf einer scharfen Beobachtung des alltäglichen Lebens, einer profunden Kenntnis der Kunstgeschichte und war immer eng mit seiner Biografie und seiner Haltung als Künstler verbunden. Seine Arbeiten spiegeln nur scheinbar einen unbekümmerten Dilettantismus, den er jedoch wohl durchdacht und strategisch einsetzte.

Sein Werk ist geprägt von überbordender, manchmal grenzüberschreitender Kreativität, großer Empathie, sowie inhaltlicher und formaler Diversität, die sich sowohl in Ernsthaftigkeit als auch in Pathos äußern kann – er war ein Meister des bewussten "Spiels", des Auslotens und Zusammenfügens.

"Martin Kippenberger. Bitteschön Dankeschön. Eine Retrospektive", Bundeskunsthalle Bonn, bis 16. Februar

Martin Kippenberger "Vom Einfachsten nach Hause (Liebes Schwein; Alkoholfolter; Lost time in Borneo; ... )"
Foto: © Estate of Martin Kippenberger, Galerie Gisela Capitain, Cologne

Martin Kippenberger "Vom Einfachsten nach Hause (Liebes Schwein; Alkoholfolter; Lost time in Borneo; ... )"


Norbert Schwontkowski in Bonn

Norbert Schwontkowski (1949–2013) gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der zeitgenössischen figurativen Malerei und Meister der malerischen Verdichtung. Oft in dunklen, erdigen Tönen gehalten, vermitteln seine poetischen, surrealen Bildwelten das Gefühl einer melancholischen Ernsthaftigkeit. Stets setzt Schwontkowski den orientierungslosen Menschen in den Mittelpunkt seiner Bildwelt: Suchend aus dem Fenster schauend, mit einem Auto in Tunnel rasend oder von Stein zu Stein hüpfend - immer in der Gefahr abzugleiten, sich zu verlieren.

Anlässlich des 70. Geburtstags des Künstlers zeigt die Ausstellung rund 70 Gemälde von den späten 1980er-Jahren bis zum Jahr 2012 sowie 35 Skizzenbücher. Es ist die bislang umfassendste museale Präsentation zum Werk des Bremer Malers, die ab Frühjahr 2020 auch in der Kunsthalle Bremen und ab Herbst 2020 im Kunstmuseum Den Haag gezeigt wird.

"Norbert Schwontkowski. Some of my Secrets", Kunstmuseum Bonn, bis 16. Februar 2020
 

Willi Siber in Burgfrieden

Der Maler, Bildhauer und Zeichner Willi Siber gehört nicht nur zu den wichtigsten süddeutschen Künstlern, sondern hat sich längst auch auf nationaler und internationaler Ebene einen Namen gemacht. Die Retrospektive im Museum Villa Rot anlässlich des 70. Geburtstags zeigt in einer umfassenden Ausstellung unter dem Titel "der weg" erstmals seine künstlerische Entwicklung mit zahlreichen Werkbeispielen aus allen Schaffensphasen.

In den 1980er-Jahren reagierte der Künstler auf die gesellschaftlichen Situationen der Zeit mit farbintensiven Gemälden und mit der Kettensäge gearbeiteten und bemalten Holzskulpturen, die die spürbare existentielle Bedrohung des Menschen zum Thema machten. Seine Arbeiten aus den 1990er-Jahren hingegen zeugen von einer formalen und farblichen Beruhigung. Der "akribische Materialerkunder" entwickelt in dieser Zeit mit den bekannten Noppen- und Gitterarbeiten eine ganz individuelle künstlerische Sprache.

"der weg - Willi Siber 1980-2020", Museum Villa Rot, Burgfrieden, 3. November bis 2. Februar 2020

Eröffnung: Sonntag, 3. November, 11 Uhr

Willi Siber "Monokörper I-III", 1991
Foto: Courtesy Museum Villa Rot, Burgfrieden

Willi Siber "Monokörper I-III", 1991

Katharina Grosse und Gotthard Graubner in Duisburg

Die Farbe flutet alles in der Kunst von Katharina Grosse. Begrenzte Formate gibt es bei der gefeierten Malerin kaum, weil sie meist über Flächen und Objekte hinaus in den Raum hinein malt und sprüht. Studiert hat Grosse an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Gotthard Graubner (1930-2013), der sogenannte Farbraumkörper schuf – abstrakt-impressionistische Bilder mit gerundeten Kanten. Man taucht tief in Graubners Farbuniversen ein. Im Duisburger MKM entwickelt sich nun ein zwei Generationen überbrückender Dialog der Farbmalerei.

"Kathraina Grosse X Gotthard Graubner", MKM Museum Kuppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg, bis 26. Januar 2020

Katharina Grosse, Ohne Titel
Foto: Jens Ziehe, Courtesy König Galerie Berlin/London © Katharina Grosse und VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Katharina Grosse, Ohne Titel

Zeitgenössischer Tanz in Düsseldorf

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen wird für knapp zwei Wochen zur Bühne für modernen Tanz. Im stündlichen Wechsel werden bei freiem Eintritt vier Kreationen der belgischen Choreographin Anne Teresa De Keersmaeker aufgeführt. Ab 12 Uhr tanzen zur vollen Stunde zwei Tänzerinnen Teile ihrer berühmten Performance "Fase" zur Musik des Komponisten Steve Reich. Die extrem reduzierten Stücke werden jeweils von Tänzerinnen aus De Keersmaekers Compagnie "Rosas" aufgeführt, die sich auf kleinem Raum fast synchron bewegen. Nur in kleinen Einschüben wird die Gleichzeitigkeit aufgebrochen.

De Keersmaeker hatte ihr Stück "Fase" 36 Jahre lang selbst getanzt. Es stammt aus dem Jahr 1982. Am 10. November, zum Abschluss des Museumsprojekts, will sie nach Düsseldorf kommen und selbst tanzen. (dpa)

"Anne Teresa De Keersmaeker/Rosas. Fase, Four Movements to the Music of Steve Reich", Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, bis 10. November

Die Tänzerinnen Soa Ratsifandrihana (l) und Laura Bachmann (r) tanzen einen Teil der "Four Movements to the Music of Steve Reich" von der belgischen Choreografin De Keersmaeker
Foto: Caroline Seidel/dpa

Die Tänzerinnen Soa Ratsifandrihana (l) und Laura Bachmann (r) tanzen einen Teil der "Four Movements to the Music of Steve Reich" von der belgischen Choreografin De Keersmaeker

Das Bild der Frau in der Moderne in Halle

Die Kunsthalle Talstrasse in Halle widmet sich mit einer neuen Ausstellung dem Bild von Frauen in der Gesellschaft. Anlass ist die Gründung des Bauhauses vor 100 Jahren. Rund 70 Werke der Klassischen Moderne sind unter dem Motto "Das Frauenbild der 1920er Jahre. Zwischen Femme fatale und Broterwerb" zu sehen. Ausgestellt werden unter anderem Bilder von Max Beckmann, Otto Dix, Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde, Max Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff.

Die Arbeiten sind Leihgaben von Frank Brabant (Wiesbaden/Hessen). Die Sammlung des Unternehmers mit rund 500 Werken gehört zu den bedeutendsten ihrer Art in Deutschland. Die Schau umfasst Werke, die Frauen in unterschiedlichen Bereichen, im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne, zeigen. (dpa)

"Das Frauenbild der 1920er Jahre. Zwischen Femme fatale und Broterwerb", Kunsthalle Talstrasse, Halle (Saale), 2. November bis 9. Februar 2020

Eröffnung: Freitag, 1. November, 20 Uhr


Paolo Pellegrin in Hamburg

Paolo Pellegrin zählt zu den bekanntesten Dokumentar- und Kriegsfotografen weltweit. Die Ausstellung "Paolo Pellegrin - Un'Antologia" im Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg wirft ein neues Licht auf die kreative Vision des italienischen Fotografen. Die Ausstellung wurde erstmals im MAXXI, Rom, gezeigt. In Hamburg wird die Ausstellung durch zusätzliche Werke erweitert.

Mehr als 200 analoge und digitale Drucke, teils Vintage, teils unveröffentlicht, werden in der Ausstellung präsentiert. Anstatt von zahlreichen, langen Wandtexten werden die Fotografien durch Videoclips und eine spektakuläre Installation ­– von Pellegrin selbst konzipiert – kontextualisiert. Die in der Ausstellung gezeigten Notizbücher, Skizzen, Drucke, Negative, Folien und gedruckten Ephemera veranschaulichen den Prozess seiner visuellen Forschung als Bestandteil des Arbeitsprozesses. Der interaktive Charakter der Installation lädt die Besucher zum Stöbern und Nachforschen ein, und ermöglicht es ihnen, die Arbeitsweise Pellegrins nachzuvollziehen.

"Paolo Pellegrin - Un'Antologia", Haus der Photographie, Deichtorhallen Hamburg, bis 1. März 2020

Paolo Pellegrin "Libanon" (Wenige Augenblicke, nachdem ein israelischer Luftangriff mehrere Gebäude in Dahia zerstörte)
Foto: © Paolo Pellegrin/Magnum Photos

Paolo Pellegrin "Libanon" (Wenige Augenblicke, nachdem ein israelischer Luftangriff mehrere Gebäude in Dahia zerstörte)

 

Archäologische Alltagsobjekte in Hamburg

Wer kennt noch Walkman, Kassettenrekorder oder die gelben Telefonhäuschen, die früher an jeder Ecke standen? Was heute total angesagt ist, kann morgen schon als Relikt aus der Steinzeit gelten. Mit der Ausstellung "hot stuff – Archäologie des Alltags" zeigt das Archäologische Museum Hamburg Dinge, die noch vor 30 Jahren zum Alltag gehörten, inzwischen aber schon fast in Vergessenheit geraten sind. "Mit der Schau wollen wir ein Lebensgefühl vermitteln, an das sich zumindest die Älteren noch erinnern", sagt Direktor Rainer-Maria Weiss. Viele Stationen laden zum Anfassen, Ausprobieren und Lauschen ein. (dpa)

"hot stuff - Archäologie des Alltags", Archäologisches Museum, Hamburg, bis 26. April 2020

Ein altes Mixtape
Foto: Archäologisches Museum Hamburg

Ein altes Mixtape

Rembrandt in Köln

Zum 350. Todestag von Rembrandt Harmenszoon van Rijn zeigt das Kölner Wallraf-Richartz-Museum eine große Ausstellung zu dem niederländischen Meister. "Inside Rembrandt 1606-1669" umfasst 13 seiner Gemälde, fünf Zeichnungen und 41 Radierungen. Hinzu kommen 50 Werke von Zeitgenossen, vor allem von Schülern.

Zu den wichtigsten Leihgaben gehören "Der Gelehrte im Studierzimmer" aus der Prager Nationalgalerie, das "Porträt des Predigers Johannes Wtenbogaert" aus dem Rijksmuseum Amsterdam und "Der Apostel Bartholomäus" aus dem Paul Getty Museum in Los Angeles. Für Kinder gibt es einen Rembrandt-Comic und einen Multimedia-Guide. Der Held ist in beiden Fällen ein Frosch, der in der rechten unteren Ecke des Gemäldes "Bad der Diana" aus dem Wasser auftaucht. (dpa)

"Inside Rembrandt 1606-1669", Wallraf-Richartz-Museum, Köln, bis 1. März 2020

 

Ausstellung über das Leid der Sinti und Roma in Köln

Otto Muellers "Zwei Zigeunerinnen mit Katze" (1926/27) gehört zu den bekanntesten Gemälden in der Sammlung des Museum Ludwig. In ihm wird ein Blick eingenommen, den westliche Gesellschaften über Jahrhunderte eingeübt haben: der Blick auf Frauen der Sinti und Roma als Verkörperung des unzivilisierten, exotisch Weiblichen.

Mit einer neuen Präsentation in der Dauerausstellung wird Muellers Gemälde dem Dokumentarfilm "Zigeuner sein" (1970) von Peter und Zsóka Nestler gegenüber gestellt. Der Film lässt – als einer der ersten überhaupt – Überlebende des Völkermordes und ihre Angehörigen zu Wort kommen. Die Filmemacher zeigen das aktuelle Elend von Sinti und Rom und führen es zurück auf eine 600-jährige Geschichte der Ausgrenzung, Vertreibung und Verfolgung. Er dokumentiert eine rassistische Praxis, die sich in alltäglichen Diskriminierungen bis heute fortsetzt.

"Bild und Gegenbild: Zur Revision der Sammlung", Museum Ludwig, Köln, 2. November bis 1. März 2020

Szenenfoto aus "Zigeuner sein" (1970) von Peter Nestler (in Zusammenarbeit mit Zsóka Nestler)
Foto: © Deutsche Kinemathek

Szenenfoto aus "Zigeuner sein" (1970) von Peter Nestler (in Zusammenarbeit mit Zsóka Nestler)
 

Hans Haacke in New York

Der in Köln geborene Künstler Hans Haacke ist in New York mit seiner ersten großen Ausstellung in einem US-Museum seit mehr als 30 Jahren geehrt worden. Die Schau "Hans Haacke: All Connected" soll bis zum 26. Januar im New Museum in Manhattan zu sehen sein. Der 83 Jahre alte und in New York lebende Haacke sei seit Jahrzehnten ein "Pionier der kinetischen, ökologischen und konzeptionellen Kunst, sowie der institutionellen Kritik", hieß es vom New Museum, das auf zeitgenössische Kunst spezialisiert ist.

Die Ausstellung zeigt unter anderem das Werk "Shapolsky et al. Manhattan Real Estate Holdings, A Real Time Social System, as of May 1, 1971", für das sich Haacke Anfang der 70er Jahre mit Fotos und Dokumenten damit beschäftigte, wie eine Großfamilie teils versteckt zahlreiche Häuser in New York aufkaufte. Eigentlich sollte das Werk damals im Guggenheim Museum ausgestellt werden, das sagte jedoch kurz vorher ab. "Etwas vorzustellen, das mit der sozialen und politischen Welt um uns herum zu tun hat - das war fremd", sagte Haacke nun der "New York Times". "Vielleicht war ich naiv, aber ich hätte nicht erwartet, dass das Probleme verursacht." (dpa)

"Hans Haacke: All Connected", New Museum, New York, bis 26. Januar 2020

Hans Haake "Gift Horse"
Foto: Christina Horsten/dpa

Hans Haake "Gift Horse"

Abetz & Drescher, Ulrich Hachulla, und Sabine Moritz in Rostock

Die Ausstellung "Place Called Love" in der Kunsthalle Rostock widmet sich dem Künstlerpaar Maike Abetz und Oliver Drescher, das sich 1994 in der Kunstakademie Düsseldorf begegnete. Ihre träumerischen, zum Teil psychedelischen Bilder dienen als Reflexionen der Gesellschaft am Beispiel von Elementen der Massenkultur wie Musik, Kunst und Science-Fiction Filme und schließen dabei Ikonen der internationalen Musik wie Mick Jagger und Jimi Hendrix ein.

Parallel dazu widmet die Kunsthalle Rostock dem Maler Ulrich Hachulla, der zu den wichtigsten Vertretern der zweiten Generation der Leipziger Schule zählt, eine Ausstellung. Ergänzt wird die Schau um jeweils 10 aktuelle Gemälde seiner Meisterschüler Michael Triegel und Matthias Ludwig.

Die Ausstellung "Sterne und Granit" widmet sich der Künstlerin Sabine Moritz, deren künstlerisches Schaffen von Ereignissen des 20. Jahrhunderts und vor allem von ihren Erfahrungen in der DDR geprägt ist. Anstatt die Ereignisse direkt realistisch nachzuahmen, liegt der Fokus jedoch auf scheinbar nebensächlichen Szenen.

"Abetz & Drescher. Place Called Love", "Ulrich Hachulla", "Sabine Moritz. Sterne und Granit", Kunsthalle Rostock, bis 5./12. Januar 2020

Eröffnung: Samstag, 2. November, 18 Uhr
 

90er-Jahre-Atmosphäre in der Kunsthalle Wien

Kann Kunst die Vergangenheit zurück holen? Die Kunsthalle Wien unternimmt den Versuch: Ob man mit den 90er-Jahren politischen Aktivismus, die Wiedervereinigung Deutschlands, schrille Kleidung oder die Verbreitung des Internets verbindet - die Ausstellung "Time Is Thirsty" macht all das wieder erlebbar und lässt Vergangenheit, Gegenwart und spekulative Zukunft ineinander übergehen. Im Zentrum steht die Erfahrung von Zeit, und wie diese durch Erinnerung und Wahrnehmung geformt wird.

Eine von der norwegischen Künstlerin und Geruchsforscherin Sissel Tolaas komponierte Nachbildung des spezifischen Aromas von Wien 1992 wird im Ausstellungsraum versprüht. Der britische Musiker Mego Peter Rehberg und das italienische Elektronische-Musik-Duo Vipra stellen jeweils eine Playlist zusammen, die die Ausstellung akustisch untermalt. Der Designer Fabio Quaranta wählt für die 90er-Jahre charakteristische Kleidungsstücke aus und kleidet das Personal der Kunsthalle Wien ein. Die raumgreifende Installation aus Kunst, Sprache, Duft und Sound, Artefakten und Alltagsobjekten soll die Atmosphäre eines ganzen Jahrzehnts in die Gegenwart zurückholen.

"Time Is Thirsty", Kunsthalle Wien, bis 26. Januar 2020
 

Oskar Schlemmer in Wuppertal

Das Von der Heydt-Museum in Wuppertal stellt mehr als 200 Arbeiten des Bauhaus-Malers Oskar Schlemmer vor. In der Ausstellung sind Werke aus allen Schaffensphasen des Künstlers (1888-1943) zu sehen. Der Schwerpunkt liegt auf seinem Spätwerk. Schlemmers in kräftigen Farben gemalte Gemälde stellten oft Menschen in Räumen dar. Die Nazis hatten seine Bilder als "entartet" gebrandmarkt. Der Maler war aber ab 1940 bei einem Wuppertaler Lackfabrikanten angestellt und konnte im Verborgenen weiter arbeiten.

Die Schau "Oskar Schlemmer - Komposition und Experiment: Das Wuppertaler Maltechnikum" zeigt neben seinen Gemälden, Skulpturen und Zeichnungen auch zahlreiche Arbeiten von Künstlern aus dem Umfeld des Bauhaus-Meisters Schlemmer, etwa von Wassily Kandinsky oder Laszlo Moholy-Nagy. Hinzu kommen aus dem großen Bestand des Museums weitere Arbeiten, unter anderem von Pablo Picasso, Georges Seurat, Gustave Courbet oder Paul Cézanne. (dpa)

"Oskar Schlemmer - Komposition und Experiment: Das Wuppertaler Maltechnikum", Von-der-Heydt-Museum, Wuppertal, 3. November bis 23. Februar 2020


Roman Clemens, Camille Graeser und Leonor Antunes in Zürich

Das letzte Quartal eröffnet das Züricher Museum Haus Konstruktiv mit gleich drei Einzelausstellungen: Anlässlich des 100-jährigen Bauhaus-Jubiläums werden Werke des Szenografen und Malers Roman Clemens (1910–1992) gezeigt, der am Bauhaus zum zentralen Thema seines Schaffens - Bühne und Raum - fand.

Die Ausstellung von Camille Graeser (1892–1980) ermöglicht einen neuen Blick auf das Frühwerk des schweizer Malers. Die Soloschau geht der Frage nach, wie es dazu kam, dass der Möbeldesigner nach der nationalsozialistischen Machtergreifung und seiner Rückkehr in die Schweiz 1933 zu einem der Hauptvertreter der konkreten Kunst in Zürich wurde.

Parallel dazu wird die Gewinnerin des zwölften "Zurich Art Prize" vorgestellt: Leonor Antunes. Die portugiesische Künstlerin entwirft ihre skulpturalen Arbeiten auf der Grundlage von Objekten aus den Bereichen Architektur und Design des 20. Jahrhunderts und interessiert sich dabei ebenso für die Materialität der Objekte wie für deren einstige sozialpolitische Bedeutung.

"100 Jahre Bauhaus: Roman Clemens aus der Sammlung", "Camille Graeser. Vom Werden eines konkreten Künstlers", "Leonor Antunes: discrepancies with C. P.", Museum Haus Konstruktiv, Zürich, bis 12. Januar 2020

 

Leonor Antunes "Clara III", 2018
Foto: Nick Ash, Courtesy die Künstlerin und kurimanzutto, Mexico City / New York

Leonor Antunes "Clara III", 2018