Tipps und Termine

Wohin am Wochenende?

Die Kunst der Woche in Basel, Berlin, Genf, Hannover, Nürnberg und Peenemünde

Während im Lockdown weiterhin die Stay-Home-Devise gilt "Hoch die Wände, Wochenende", sind auch in den letzten Tagen Ausstellungen er- und Museen ge-öffnet worden. Es bleibt empfehlenswert, sich vor dem analogen Museumsbesuch auf den Websites über mögliche Bedingungen zu informieren, die Hygiene- und Abstandsregeln sind fortbleibend einzuhalten.

 

In Basel zeigt Deana Lawson die Kraft der Posse

Die Fotografien für ihre Einzelausstellung "Centropy" waren gerade in Basel angekommen, als die Geschehnisse rund um die Corona-Pandemie begonnen, ihren Lauf zu nehmen: von Reisebeschränkungen bis zur Stilllegung des öffentlichen Lebens. Die US-Künstlerin Deana Lawson konnte nicht anreisen, die Kunsthalle Basel musste den Betrieb einstellen. Anfangs dominierte der Eindruck, die Krise treffe alle hart – alle sind vor einem Virus nur Menschen.

Doch der Verlauf der getroffenen Maßnahmen und ihrer Folgen hat gezeigt: wer vor der Krise im Nachteil war, ist es danach umso mehr. Das Familienleben von sozial benachteiligten Grenzgängern ist wegen Dienst- oder Schulausfall gefährdet und politische Proteste und Versammlungen sollen aussetzen, während sich Menschen vor Einkaufsläden tummeln. In der öffentlichen Wahrnehmung macht sich der Zusammenprall von Gegensätzen bemerkbar: dieselben Menschenmengen und Gruppen, nach denen man sich sehnt, werden als gesundheitsgefährdend eingestuft. Wie sieht eine Welt aus, in der Widersprüche derart aufeinanderstoßen? 

Die Antwort findet sich in der Fotografie Deana Lawsons wieder. Mit dem Unterschied, dass die Menschen, die von Lawson porträtiert werden, eine von Rassismus und Diskriminierung geprägte Umgebung bereits vor der Krise kannten. Demgegenüber stehen ihre kraftvollen Körper, Blicke, die Gesten, die Haltungen, Kleidung und Accessoires: Lawsons Protagonisten der afro-amerikanischen Communities wissen um ihre Wurzeln und spiegeln dieses Selbstbewusstsein in allen Zügen wider.

Dabei ist der New Yorker Künstlerin die Hängung der Fotografien ausgesprochen wichtig: Die abgebildeten Körper sollten nah beieinander sein, um ihre Zusammengehörigkeit als "possé" und als "politische Familie" zur Schau zu stellen. Der narrative Gegenentwurf zur Corona-Pandemie.

"Deana Lawson. Centropy", Kunsthalle Basel, bis 11. Oktober

Deana Lawson "Chief", 2019
Foto: Deana Lawson / Courtesy die Künstlerin und Sikkema Jenkins & Co., New York

Deana Lawson "Chief", 2019


Eröffnungs-Quartett im Hamburger Bahnhof in Berlin

Neben der hauseigenen Sammlung eröffnet der Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart in Berlin gleich drei Sonderausstellungen am kommenden Sonntag. Darunter ist die Katharina Grosse gewidmete Einzelschau mit ihren großformatigen Malereien, die sich über die Gebäudegrenzen der historischen Halle des Hamburger Bahnhofs hinaus in den öffentlichen Raum erstrecken, auf das weitläufige Gelände hinter dem Museum und die Fassade der Rieckhallen. 

Außerdem werden Werke aus der Sammlung Marx und der Sammlung der Nationalgalerie in den Räumlichkeiten des Museums für Gegenwart präsentiert. Ausgehend von einer Bemerkung, die Marcel Duchamp im Jahr 1934 gegenüber der Autorin Anaïs Nin gemacht haben soll, trägt die Ausstellung den Titel "Zeit für Fragmente". Die Sammlungspräsentation „Zeit für Fragmente“ geht den unterschiedlichen Bedeutungen des Fragmentarischen anhand von Werken von Joseph Beuys, Marianna Castillo Deball, Anish Kapoor, William Kentridge, Sam Taylor-Johnson, Cy Twombly, Andy Warhol u. a. nach.

Zuletzt wird unter dem Titel "To Whom It May Concern" die Schenkung des deutschen Kunstsammlers und Galeristen Paul Maenz ausgestellt. Anlass ist der 80. Geburtstag und die aktuelle Schenkung dreier Werke zeitgenössischer Kunst. Die Ausstellung versammelt Positionen der Konzeptkunst über subjektiv-expressive Malerei bis zu installativer Fotografie von Walter Dahn / Jiří Georg Dokoupil, Hans-Peter Feldmann, Joseph Kosuth und Sturtevant.

"To Whom It May Concern. Schenkung Paul Maenz", Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart, Berlin, 14. Juni bis 5. Juli

"Katharina Grosse. It Wasn't Us", Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart, Berlin, 14. Juni bis 10. Januar

"Zeit für Fragmente. Werke aus der Sammlung Marx und der Sammlung der Nationalgalerie", Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart, Berlin, 14. Juni bis 4. Oktober

"Katharina Grosse. It Wasn’t Us", Ausstellungsansicht Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, 2020
Foto: Jens Ziehe / Courtesy KÖNIG GALERIE, Berlin, London, Tokyo / Gagosian / Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder, Wien © Katharina Grosse / VG Bild-Kunst, Bonn 2020

"Katharina Grosse. It Wasn’t Us", Ausstellungsansicht Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, 2020


Monika Baer im Neuen Berliner Kunstverein

Die Malerin Monika Baer wird mit der Verleihung des Hannah-Höch-Preises 2020 des Landes Berlin für ihr Werk gewürdigt. Der Preis wird seit 1996 von der Kulturverwaltung des Berliner Senats für ein herausragendes künstlerisches Lebenswerk verliehen. Der Preis ist zu Ehren der Künstlerin Hannah Höch benannt, die mit ihrem Werk als Dadaistin internationale Berühmtheit erlangte. Der Preis umfasst neben einem Preisgeld in Höhe von 25 000 Euro eine Ausstellung in den Räumlichkeiten des Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.) sowie eine Publikation. Die Einzelausstellung von Monika Baer im n.b.k. gewährt Einblick in die aktuellsten Versuchsanordnungen der Künstlerin. Baers seriell angelegte Werkkomplexe bedienen sich unterschiedlicher malerischer Techniken und Ansätze, von der Monochromie bis hin zum Realismus und zum Aufbrechen der Leinwandfläche.

"Monika Baer. Neue Bilder", Neuer Berliner Kunstverein (n.b.k.), bis 9. August

Monika Baer "yet to be titled", 2020
Bild: Courtesy the artist, Galerie Barbara Weiss, Berlin, und Greene Naftali, New York

Monika Baer "yet to be titled", 2020


Genfer Skulpturen-Biennale lädt in den öffentlichen Raum

Nach dem erfolgreichen Start der ersten Edition vor zwei Jahren wird heute zum zweiten Mal die "Geneva Biennale: Sculpture Garden" eröffnet. Unter Berücksichtigung der aktuellen Situation wird die diesjährige Biennale nach und nach zugänglich, heute die ersten zwölf Installationen und ohne offiziellen Begrüßungs-Cocktail. Insgesamt werden im Laufe der Ausstellung über 30 Arbeiten gezeigt, von denen die meisten eigens für die Schau geschaffen wurden. Unter den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern sind u.a. Tracey Emin, Isa Genzken, Louise Lawler, Markus Oehlen und neue Arbeiten von u.a. Gina Fischli, John Knight und Dora Budor. Auch zehn Studierende der Ecole Cantonale d'Art de Lausanne (ECAL) wurden zu der internationalen Skuplturen-Ausstellung einbezogen. Eine offizielle Eröffnung (dann auch mit Cocktail) wird am 4. September nachgeholt.

Die Schau verteilt sich über drei öffentliche Anlagen: Parc des Eaux-Vives, Parc La Grange, and Quai Gustave-Ador. Ziel der Skulpturen-Biennale ist es, über Objekte wie Fontänen, Bänke, Architekturen, Fahnen und Mobiles in einen Dialog mit den Besucherinnen und Besuchern und der umliegenden (Natur-)Umgebung zu treten und Gattungsgrenzen zu experimentieren. Die Ausstellung wird von einem Vermittlungs- und Eventprogramm ergänzt, nähere Informationen dazu finden sich auf der Website.

"Geneva Biennale: Sculpture Garden", verschiedene Orte, Genf, bis 30. September


Mit Carroll Dunham und Albert Oehlen in Hannover Wurzeln schlagen

Zwei sehr verschiedene Künstler stellen in einer Doppelschau des Sprengel Museums Hannover aus: Albert Oehlen steuerte Ende der 1980er vom figurativen Bad Painting in die Abstraktion, während Carroll Dunham einen entgegengesetzten Weg von abstrakten Anfängen zur surrealen Figuration ging. Was den 1954 in Krefeld geborenen Oehlen und den 1949 in Connecticut zur Welt gekommenen Dunham verbindet, ist die Experimentierlust im malerischen Medium. Beide zeigen in Hannover Bilder von Bäumen, bei Oehlen kahl, bei Dunham blühend. Der Baum: Symbol der ständig sich erneuernden, immergrünen Malerei.

"Albert Oehlen / Carroll Dunham. Bäume", Sprengel Museum Hannover, 13. Juni bis 18. Oktober

Carroll Dunham "Late Trees #5", 2012
Foto: Sammlung von Michael und Elin Nierenberg, Courtesy of the artist and Gladstone Gallery, New York and Brussels © Carroll Dunham

Carroll Dunham "Late Trees #5", 2012


Spielerischer Preis in Nürnberg verliehen

Seit 2016 bietet die Nürnberger Galerie Von & Von mit ihrer jährlichen Ausstellungsreihe "Playground" eine Plattform für junge und aufstrebende Künstlerinnen und Künstler. Zunächst als regionales Projekt gestartet, wurde der Playground Art Prize 2020 bereits zum zweiten Mal bundesweit ausgeschrieben. Eine internationale Jury wählte aus den Einreichungen drei Gewinner aus, die nun im Rahmen der awardbegleitenden Ausstellung in den Galerieräumen gezeigt werden: Alice Hauck & Amelie Plümpe (UdBK Berlin), Hilke Heithecker (Kunsthochschule Kassel) und Ramona Schacht (HGB Leipzig). Mit Skulpturen, Installationen und Fotografien sind verschiedene Bereiche bildender Kunst vertreten, die sich mit zeitgenössischen Themen und Fragestellungen auseinandersetzen.

"Playground Art Prize 2020", Galerie Von & Von, bis 25. Juli

Alice Hauck & Amelie Plümpe "o.T.", 2018/20
Foto: © Alice Hauck & Amelie Plümpe / Galerie Von & Von

Alice Hauck & Amelie Plümpe "o.T.", 2018/20


Peenemünde als Ausstellungsort für Albert Speer

Albert Speer war der Architekt im Nationalsozialismus und für das NS-Rüstungssystem und damit auch für das Raketenprogramm in Peenemünde verantwortlich. Nun widmet das Historisch-Technische Museum dem Kriegsverbrecher eine Sonderausstellung.

Das Historisch-Technische Museum Peenemünde (HTM) auf der Insel Usedom zeigt die Sonderausstellung des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände Nürnberg. Sein Domizil hat das HTM in den ehemaligen Versuchsanstalten Peenemünde, dem zwischen 1936 und 1945 größten militärischen Forschungszentrum Europas.

Der Architekt Speer war laut HTM ein Haupttäter des nationalsozialistischen Regimes und beteiligt an der Judenverfolgung und an Verbrechen in den Konzentrationslagern. Er war bestimmend für die Architektur im Nationalsozialismus und war außerdem Organisator des NS-Rüstungssystems und damit auch des Raketenprogramms in Peenemünde. In der Nachkriegszeit leugnete er seine Verantwortung. Er wurde als Kriegsverbrecher zu 20 Jahren Haft verurteilt, die er auch absaß. In der Sonderausstellung werden dem HTM zufolge den (Selbst-)Inszenierungen Speers historische Fakten wie Dokumente, Fotos und Stellungnahmen heutiger Historiker gegenübergestellt. (dpa)

"Albert Speer in der Bundesrepublik. Vom Umgang mit deutscher Vergangenheit", Historisch-Technisches Museum Peenemünde, bis 30. August

Nachbau einer V2-Rakete auf dem Gelände der einstigen Heeresversuchsanstalt Peenemünde
Foto: Stefan Sauer/dpa

Nachbau einer V2-Rakete auf dem Gelände der einstigen Heeresversuchsanstalt Peenemünde