Tipps und Termine

Wohin am Wochenende?

Die Kunst der Woche in Basel, Dessau, Dresden, Gera, Hamburg, Jena, Mönchengladbach, Salzburg und Stuttgart

Auch in dieser Woche kehren Museen, Galerien und Ausstellungshäuser zurück aus dem Corona-Lockdown. Es bleibt empfehlenswert, sich vor dem analogen Besuch auf den Websites über mögliche Bedingungen zu informieren, denn die Hygiene- und Abstandsregeln bleiben bestehen.


Die Art Basel geht online

Die Art Basel kann wegen der Corona-Pandemie nicht in gewohnter Form stattfinden. Um Sammlern, Museumsdirektoren und Kunstinteressierten im Allgemeinen trotz Einschränkungen ein Kunsterlebnis zu ermöglichen, verlagert die Kunstmesse ihre Präsentation ins Netz. Über 4000 Werke werden von 282 international renommierten Galerien gezeigt, der öffentliche Zugang ist ab Freitag, 19. Juni, ab 13 Uhr auf der Website möglich. Eine vorherige, kostenlose Anmeldung ist notwendig. Auf der Seite können Besucherinnen und Besucher sich durch verschiedene Galerieausstellungen navigieren, einzelne Editionen erwerben oder mit den Akteuren in Kontakt treten. Ergänzend finden Online-Events und Expertengespräche statt, wie beispielsweise der Nachmittagsdialog zwischen Cecilia Vicuña und Hans Ulrich Obrist zu Umweltgerechtigkeit.

"Art Basel Online Viewing Rooms", Art Basel Online, bis 26. Juni


Wechselnde Bauhaus-Ausstellungen in Dessau

Im Rahmen der Ausstellung "Zwischenspiele" werden im Bauhaus Museum Dessau drei neue Präsentationen gezeigt. In der ersten Schau mit dem Namen "Absalon. Die Kunst des befreiten Wohnens" werde eine winzige Wohnstätte ausgestellt, teilte die Stiftung Bauhaus Dessau mit. Im zweiten "Zwischenspiel" stünden Arbeiten von Bauhausstudierenden aus den Jahren 1920 bis 1933 im Zentrum. Die dritte Präsentation, die unter anderem mit Kindern und Jugendlichen verwirklicht wurde, zeige unter anderem einen Film über Dessau im Wandel. Nach Stiftungsangaben handelt es sich bei den "Zwischenspielen" um wechselnde Ausstellungen innerhalb der Schau "Versuchsstätte Bauhaus. Die Sammlung". Die Präsentationen drehen sich in diesem Jahr um das Thema Habitat. Die drei Ausstellungen haben jeweils unterschiedliche Laufzeiten. (dpa)

"Zwischenspiele", Bauhaus Museum Dessau, bis Oktober/November/Januar

Absalon "Propositions d’ha-bitation", 1991, Videostill
Videostill: Absalon © Daimler Art Collection, Stuttgart/Berlin

Absalon "Propositions d’ha-bitation", 1991, Videostill


Dresdens Albertinum wieder geöffnet

Im Zuge der schrittweisen Öffnung der Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden empfängt das Albertinum seine Besucherinnen und Besucher nach Corona-bedingter Schließzeit am Freitag, 19. Juni, zu einer "Blauen Stunde" - von 17 bis 21 Uhr. Die Künstlerin Anna-Lucia Rupp vom Duo Olicía wird in dieser Zeit mit ihrer Akustikgitarre und einer Loop-Station im Lichthof sowie in einzelnen Ausstellungsräumen für experimentelle Klänge sorgen.Weiterhin wird das Museum zunächst nur freitags (17 bis 21 Uhr), samstags (11 bis 17 Uhr) und sonntags (11 bis 17 Uhr) geöffnet sein. Zur Aktion "Sonntags ins Museum: Ab drei ist der Eintritt frei!" empfängt das Albertinum am Sonntag, den 21. Juni 2020, zusätzlich bis 18 Uhr seine Gäste. Neben der Sammlungspräsentation zeigt das Museum fünf Sonderausstellungen, die jeweils unterschiedlich verlängert wurden. Details finden sich auf der Website.

"Focus Evelyn Richter", "Gerhard Richter. Neue Zeichnungen 2017 bis 2020", "Das Brücke-Museum zu Gast im Albertinum", "Im Dialog. 300 Jahre Dresdner Kupferstich-Kabinett" und "Focus Albertinum: Mondsüchtig", Albertinum, Dresden, verlängert bis August/September

Johan Christian Dahl "Dresden bei Vollmondschein", 1839
Foto: Jürgen Karpinski © SKD, Albertinum

Johan Christian Dahl "Dresden bei Vollmondschein", 1839


Gera schmeißt sich in Schale und zeigt DDR-Frauenmode

Der Modefotografie in der DDR widmet das Museum für Angewandte Kunst in Gera eine neue Ausstellung. Im Mittelpunkt steht die frühere Frauenzeitschrift "Sibylle", die nach Angaben des Museums als "Vogue des Ostens" galt. Aufgrund ihrer hervorragenden Fotografien sei sie stilbildend für eine ganze Generation gewesen. In der Schau, die von der Kunsthalle Rostock konzipiert wurde und diesen Mittwoch für Besucher öffnet, werden Originalaufnahmen von Fotografen der Zeitschrift gezeigt. Damit dokumentierten und interpretierten sie das Leben in der DDR, hieß es in einer Mitteilung.

Darüber hinaus sind Originalausgaben der Zeitschrift, die von 1956 bis 1995 aller zwei Monate erschien, sowie Schnittmusterbögen aus der Sammlung des Geraer Museums zu sehen, ebenso wie selbst genähte Kleider. Denn häufig hätten modebewusste Frauen sich selbst daran gemacht, angesichts des unbefriedigenden Angebots in Geschäften und Kaufhäusern, Kleidungsstücke aus der Zeitschrift nachzuschneidern. (dpa)

"Sibylle. Frauen und Mode in der DDR", Museum für Angewandte Kunst, Gera, bis 4. Oktober

Titelbild "Sibylle" Heft 2 / 1964, Motiv "Barbara"
Foto: Günter Rössler

Titelbild "Sibylle" Heft 2 / 1964, Motiv "Barbara"


Lindberghs unerzählte Geschichten in Hamburg

Knapp ein Jahr ist seit dem Tod des hochverehrten deutschen Fotografen Peter Lindbergh vergangen. Bis zuletzt arbeitete der rastlose Künstler an neuen Projekten, unter anderem kuratierte er seine erste Ausstellung: "Untold Stories" im Kunstpalast Düsseldorf. Nun zieht die Schau in den Norden weiter - ins Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg. Die Geschichten, die Lindbergh noch loswerden wollte, entfalten sich posthum in 140 Fotografien, die von den 1980er-Jahren bis 2019 entstanden sind. Viele davon wurden vorher noch nie in einer Ausstellung gezeigt. Treu bleibt sich Lindbergh aber im steten Neuverhandeln des Genres Modefotografie. Lindberg wollte Schönheit einfangen, aber seine Models nie einfach in Kostüme und Posen zwingen. "Untold Stories" zeigt experimentelle Bilder, die sein Gespür für Dramatik und Eleganz in Erinnerung rufen. Licht an für Lindbergh!

"Peter Lindbergh. Untold Stories", Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg, 20. Juni bis 1. November

Peter Lindbergh "Querelle Jansen", Paris, 2012
Foto: © Peter Lindbergh / Courtesy Peter Lindbergh, Paris

Peter Lindbergh "Querelle Jansen", Paris, 2012


Mal beim Jenaer Kunstverein vorbeigaloppieren

Anlässlich seines 30-jährigen Gründungsjubiläums hat der Jenaer Kunstverein einen Ausstellungspreis für junge Kuratorinnen und Kuratoren ins Leben gerufen. Erste Preisträgerin des bundesweit ausgeschriebenen Wettbewerbs ist die Hamburger Kuratorin Nina Lucia Groß. Die von ihr konzipierte Ausstellung "Dressuren der Durchlässigkeit" mit Werken der fünf Künstlerinnen Sarah Drath, Mona Hermann, Jenny Schäfer, Wiebke Schwarzhans und Anna Stüdeli wird nun in den Galerieräumen des Jenaer Kunstvereins präsentiert.

Die Ausstellung "Dressuren der Durchlässigkeit" nimmt das Pferd als Ausgangspunkt für diverse Perspektiven auf ökonomische, politische, soziale und auch emotionale Phänomene unserer Gesellschaft. In den Arbeiten der fünf vertretenen Künstlerinnen taucht das Pferd mal als Bild, mal als Material, mal als Metapher auf – immer wieder geht es dabei auch um die positive Aneignung des Klischees vom "Pferdemädchen" und dessen Umdeutung als queerfeministische Emanzipationsfigur.

"Dressuren der Durchlässigkeit", Jenaer Kunstverein, Jena, bis 18. Juli

Jenny Schäfer "World Can Only Be Saved By Horses", 2019/2020
Foto: Jenny Schäfer

Jenny Schäfer "World Can Only Be Saved By Horses", 2019/2020


Kollaboratives Casino im Mönchengladbach

Für die Ausstellung "Outside" verwandeln Künstlerinnen und Künstler unterschiedlicher Disziplinen das ehemalige Casino auf der Waldhausener Straße in Mönchengladbach zu einem temporären Ausstellungsraum. In Anlehnung an die zentrale Bedeutung des Textil- und Produktdesigns im Niederrhein entwickelten die Künstlerinnen und Künstler textile, objekthafte und szenische Werke, die gängige Zuschreibungen von Objekten zwischen Kunst, Design und Funktionalität infrage stellen.

In einem offenen, dualistischen Verhältnis zur Ausstellung "Inside" (Juli 2020, Nails Projectroom) umreißt "Outside" Vorstellungen von Zugehörigkeit und Abgrenzung. "Outside" geht aus der Anfang 2020 gegründeten Netzwerkinitiative "Inter—" hervor und wurde während eines interdisziplinären Think Tanks konzipiert. "Inter—" verfolgt einen kollaborativen und non-hierarchischen Arbeitsansatz an der Schnittstelle von Theorie und Praxis in den Künsten.

Die Ausstellungseröffnung von "Outside" findet am Sonntag, 22. Juni, ab 14 Uhr mit Performances statt.

"Outside", Inter—, Mönchengladbach, 21. Juni bis 12. Juli


Psychoanalyse in Salzburg

Gleich mit vier Ausstellungen kehrt das Museum der Moderne Mönchsberg in Salzburg aus der corona-bedingten Schließzeit zurück. Eine davon widmet sich der österreichischen Künstlerin Friedl Kubelka vom Gröller. Seit den 1960ern arbeitet Friedl Kubelka vom Gröller an einem Werk, dessen Pionierleistungen weitverzweigte Bezugspunkte aufweist: zur konzeptuellen Fotografie, zum Avantgarde- und Experimentalfilm, zur feministischen Kunst und zu Freuds Psychoanalyse. Diese Ebenen vereinigen sich im Hauptinteresse der Künstlerin, die auch ausgesbildete Psychoanalytikerin ist: in der Erkundung der psychologischen Kraft des Porträts. Nun sind Kubelkas selten gezeigte Werke in einer Solo-Ausstellung zu sehen.

Die Ausstellungen haben jeweils verschiedene Laufzeiten, die auf der Website des Museums zusammengefasst sind.

"Friedl Kubelka vom Gröller. Das Ich im Spiegel des Anderen. Fotografien und Filme 1968 - 2018", "Wilhelm Thöny. Träumen in schwierigen Zeiten", "Die City - Das Land. Japanische Fotografie der 1960er - 1970er-Jahre aus der Sammlung", "Two Faces. Videoporträts aus der Sammlung Generali Foundation", Museum der Moderne Mönchsberg, Salzburg, 20. Juni bis September/Oktober/November

Friedl Kubelka "Kleine perspektivische Verschiebung, Verkehrsbüro Wien", 1981
Foto: Friedl Kubelka, VG Bild-Kunst, Bonn 2020 © Fotosammlung des Bundes am Museum der Moderne Salzburg

Friedl Kubelka "Kleine perspektivische Verschiebung, Verkehrsbüro Wien", 1981


Heide Stolz und Uwe Lausen in Stuttgart

Wer Uwe Lausens radikal zeitgemäße Malerei aus den 1960er-Jahren sieht, versteht sofort dass die Welt für ihn lange nicht bereit war. Sein poppiges, kaltes, gewalttätiges, sexy Universum verunsichert ja selbst heute noch. Baader-Typen mit Sonnenbrillen, autoritäre Bonzen mit Persilschein, Frauen mit Handfeuerwaffen in Reklamefarben. Als die Schirn ihm 2010 eine Einzelausstellung widmete, sahen die noch nie gesehenen Bilder frischer aus als Jonathan Meese, brutaler als Daniel Richter. Welche Rolle die Ehefrau des 1941 in Stuttgart geborenen Lausen, die zwei Jahre ältere Heide Stolz, gespielt hat, wird hier aber erstmals gezeigt, und das ist überfällig. Dieses aus Überzeugung antibürgerliche Künstlerpaar arbeitete an ähnlichen Motiven, aber Heide Stolz erkundete Gewalt, Autonomie, Körper mit der Kamera. Sie schuf Bilder, die alles andere als ein friedliches Utopia heraufbeschwören.

Ihre Aufnahmen von kleinen Kindern mit schwarz glänzenden Schusswaffen sind immer noch schwer zu verkraften, sie passen in kein Sujet: Für Protestkunst überwiegt die Lust an der Gefahr zu sehr, für Milieustudien sind die Bilder zu artifiziell, und offen Gewalt zu propagieren, traut man diesen höchst feinfühligen, auf gesellschaftliche Schwingungen und ihre dunklen Unterströmungen sensibel reagierenden Menschen nicht zu. Am ehesten mag man an die flammende Selbstwidersrpüchlichkeit der RAF-Ideale denken, zu der es allerdings keine nachweisliche Verbindung gab. In der Ausstellung wird man die Nähe ihrer manchmal surrealistisch anmutenden Bildaufbauten zueinander sehen, genau wie ihre jeweils klaren Bekenntnisse gegen die verdruckste, verklemmte Nachkriegsgesellschaft. Uwe Lausen holte malerisch sowohl formal als auch politisch alles aus seiner Zeit heraus und aus der, die noch gar nicht gekommen war. Er nahm sich vor genau 50 Jahren das Leben.

"Du lebst nur keinmal. Uwe Lausen und Heide Stolz. Ein Künstlerpaar der 1960er-Jahre", Staatsgalerie Stuttgart, bis 18. August

Uwe Lausen "Die Versicherungsagenten", 1967
Staatsgalerie Stuttgart © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Uwe Lausen "Die Versicherungsagenten", 1967