Tipps und Termine

Wohin am Wochenende?

Aus den Fotoalben der Kaiserin: Marie Garnier als "Venus" in der Uraufführung der Oper "Orpheus in der Unterwelt" von Jacques Offenbach
Foto: Museum Ludwig, Köln

Aus den Fotoalben der Kaiserin: Ulric Grob, "Marie Garnier als 'Venus' in der Uraufführung der Oper 'Orpheus in der Unterwelt' von Jacques Offenbach", 1858

Die Kunst der Woche in Aschaffenburg, Berlin, Duisburg, Hamburg, Köln, Leipzig, Paris und Stuttgart

 

Coronabedingt können bestimmte Ticket-, Hygiene- und Abstandsregelungen gelten. Vor dem Ausstellungsbesuch empfiehlt sich deshalb ein Blick auf die jeweilige Website der Institutionen.

 

Neue expressionistische Werke im Kirchner-Haus in Aschaffenburg

Vier kostbare Werke aus der Zeit des Expressionismus hat das Kirchner-Haus in Aschaffenburg geschenkt bekommen. Die Ausstellungskataloge und Bücher können bis 20. Dezember im Museum bestaunt werden.

Es handelt sich um zwei Kataloge der "Brücke"-Künstler mit Original-Holzschnitten von 1910 und 1912. Zu den neuen Werken des Museums zählt außerdem ein zweibändiges Werk des Kunstsammlers Gustav Schiefler sowie die Novelle Alfred Döblins "Das Stiftsfräulein und der Tod" mit fünf Holzschnitten von Ernst Ludwig Kirchner.

Das Museum befindet sich im Geburtshaus Kirchners (1880-1938), der sechs Jahre in Aschaffenburg lebte. Er gehört zu den wichtigsten Vertretern der expressionistischen Malerei und war Mitbegründer der Künstlervereinigung "Die Brücke". (dpa)

"Schätze der Kirchner-Haus Bibliothek", Kirchner-Haus, Aschaffenburg, bis 20. Dezember

 


"Der kalte Blick" der Wissenschaft - Bilder jüdischer Familien in Berlin

Die Berliner Gedenkstätte Topographie des Terrors zeigt in einer Sonderausstellung Bilder jüdischer Familien aus dem Jahr 1942. Zwei Wiener Wissenschaftlerinnen fotografierten damals in der deutsch besetzten polnischen Stadt Tarnów. Ihr Projekt sollte der "Erforschung typischer Ostjuden" dienen. Von den 565 Menschen überlebten nur 26 den Holocaust.

Die Kuratorin Margit Berner hatte am Naturhistorischen Museum Wien die Bilder in einem Karton entdeckt. Sie machte in jahrelanger Arbeit die Familien ausfindig. "Für viele waren es die ersten Fotos ihrer Angehörigen, für einige die einzigen", heißt es in der Ankündigung der Ausstellung "Der kalte Blick". Sie ist für die Wiener Museumsdirektorin Katrin Vohland nicht nur eine Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus. Sie sei auch ein Aufruf an die Wissenschaft, Position zu beziehen und unterschwellige Vorurteile zu identifizieren.

Die Topographie des Terrors nahe dem Martin-Gropius-Bau ist einer der meistbesuchten Erinnerungsorte in Berlin. Zur NS-Zeit waren dort die Zentralen der Gestapo, der SS und des Reichssicherheitshauptamts. Die Ausstellung zu den letzten Bildern jüdischer Familien aus dem Ghetto von Tarnów ist bis zum 11. April 2021 zu sehen. Auch Videostationen mit Zeitzeugeninterviews gehören zum Programm. (dpa)

"Der kalte Blick. Letzte Bilder jüdischer Familien aus dem Ghetto von Tarnów", Topographie des Terrors, Berlin, bis 11. April 2021

 


William Kentridge in den Hamburger Deichtorhallen

William Kentridge gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen bildenden Künstlern und hat sich auch als Theater- und Opernregisseur einen Namen gemacht. Die Hamburger Deichtorhallen zeigen eine groß angelegte Ausstellung über den südafrikanischen Künstler, die bereits in Kapstadt zu sehen war. "Kentridge verarbeitet Themen wie soziale Ungerechtigkeit, die Geschichte Südafrikas, Kolonialismus, Familie, Flucht und Vertreibung mit den unterschiedlichsten Medien", sagt Intendant Dirk Luckow. Am Anfang stehe jedoch immer die Zeichnung, welche als Leitmedium im Mittelpunkt der Ausstellung steht.

Gezeigt werden Werke aus über 40 Jahren künstlerischer Produktion, darunter Zeichnungen, Animationsfilme, Videos, Drucke, Skulpturen, Tapisserien und groß angelegte Installationen. Der erste Teil des Ausstellungstitels "Why should I hesitate" zitiere die Bemerkung eines afrikanischen Soldaten, der von seiner Einberufung im Ersten Weltkrieg erfährt. Damit spiele Kentridge auf die Überwindung des eigenen Zögerns an, sich als "weißes Kind der Apartheid" diesem Thema zu stellen. Zugleich zeige Kentridge, wie sich Kulturen und Geschichte zwischen den Kontinenten verweben.

"Sein Werk lädt dazu ein, darüber nachzudenken, wie tief das Kolonialsystem auch in der europäischen Geschichte verwurzelt ist", sagte Luckow. Der zweite Teil des Titels "Putting drawings to work" verweise auf Kentrigdes zeichnerische Praxis, die den Ursprung und die Basis für sein gesamtes Werk darstellt. (dpa)

"William Kentridge - Why should I hesitate: Putting drawings to Work", Deichtorhallen Hamburg, bis 18. April 2021

William Kentridge, "More Sweetly Play the Dance", 2015. Installation at Eye Filmmuseum, Amsterdam, 2015
Foto: Studio Hans Wilschut. Courtesy William Kentridge Studio

William Kentridge, "More Sweetly Play the Dance", 2015. Installation at Eye Filmmuseum, Amsterdam, 2015

 

Die Fotos der Kaiserin in Köln

Elis­a­beth von Öster­reich-Un­garn, ge­nan­nt Sisi, sam­melte in den 1860er Jahren Fo­to­gra­fien, die sie zeitlebens pri­vat hielt. Heute ver­wahrt das Mu­se­um Lud­wig achtzehn ihr­er Al­ben mit cir­ca 2000 Fo­to­gra­fien. Bilder von Adeli­gen – viele Mit­glied­er von Si­sis Fam­i­lie –, Berühmten und Kunst­w­erken. Am bekan­n­testen sind ihre so­ge­nan­n­ten "Schön­heit­en-Al­ben", hoch in­sze­nierte Porträts an­der­er Frauen. Sisi nutzte diese Auf­nah­men zur Kon­turierung ihres ei­ge­nen Im­ages während ihr­er mo­nate­lan­gen Aufen­thalte in Venedig, auf Madei­ra und Ko­r­fu.

In die­sen Jahren sollte sie zu ein­er en­er­gischeren, selb­st­be­wussteren Per­sön­lichkeit reifen, deren Schön­heit le­g­endär wurde. Ende der 1860er Jahre, 31-jährig, besch­ließt Sisi, sich selbst nicht mehr fo­to­gra­fieren zu lassen. In der Präsen­ta­tion wer­den die Zusam­men­hänge zwischen ihrem ger­adezu ob­ses­siv­en Sam­meln von Frauen­porträts und dem Bild, das sie von sich en­twirft, sk­izziert.

"Sisi privat - Die Fotoalben der Kaiserin", Museum Ludwig, Köln, 24. Oktober bis 24. Januar 2021

Elisabeth von Österreich-Ungarn umgeben von ihrer Familie, um 1863
Foto: Museum Ludwig, Köln

Elisabeth von Österreich-Ungarn umgeben von ihrer Familie, um 1863

 

Grassimesse in Leipzig

In Leipzig dreht sich drei Tage lang alles um Design und Kunsthandwerk. 100 Aussteller aus dem In- und Ausland zeigen von Freitag bis Sonntag ihre neuesten Kollektionen. Die Schwerpunkte der Schau im Grassi-Museum für Angewandte Kunst liegen in diesem Jahr in den Bereichen Schmuck und Keramik, gefolgt von Accessoires sowie Textil- und Glaskunst, teilte der Veranstalter mit. Knapp die Hälfte der Aussteller ist erstmals auf der Messe vertreten. Das diesjährige Gastland ist Litauen. Es zeigt unter anderem experimentelle Möbel. Die Tradition der Grassi-Messe reicht bis in das Jahr 1920 zurück. Der Name des Museums leitet sich vom Leipziger Kaufmann Franz Dominic Grassi ab. Er hinterließ sein Vermögen der Stadt, die damit verschiedene Projekte realisierte. Im vergangenen Jahr zählte die Messe rund 10 000 Besucher. Die sonst parallel stattfindende Schau Designers' Open findet in diesem Jahr nicht statt. (dpa)

Grassimesse, Leipzig, bis 25. Oktober

 

Centre Pompidou feiert den 150. Geburtstag von Matisse

Mit über 200 Werken feiert das Pariser Centre Pompidou den 150. Geburtstag von Henri Matisse . Das Jubiläum sei eine willkommene Gelegenheit, um die einzigartige Komplexität des französischen Künstlers in den Fokus zu rücken, sagt die Kuratorin Aurélie Verdier. Die Werkschau trägt den Titel "Matisse, comme un roman" ("Matisse, wie ein Roman") in Anspielung auf dessen einzigartiges Schaffen und das zweibändige Werk des französischen Schriftstellers Louis Aragon über Matisse. 

Die Werkschau beginnt mit seinem ersten Stillleben aus dem Jahr 1899 und endet mit seinen berühmten Schnittkompositionen und Entwürfen zu den Glasfenstern der Rosenkranzkapelle im südfranzösischen Vence Ende der 1940er Jahre. Die Exponate stammen unter anderem aus dem Matisse-Museum im nordfranzösischen Cateau-Cambrésis, wo der Maler, Zeichner und Bildhauer am 31. Dezember 1869 geboren wurde, und dem Matisse-Museum in Nizza an der Côte d’Azur, wo er am 3. November 1954 starb. Wegen der Corona-Krise wurde die Ausstellung vom Frühjahr auf den Herbst verlegt. (dpa)

"Matisse, comme un roman", Centre Pompidou, Paris, bis 22. Februar 2021

Foto: dpa
Foto: dpa
Centre Pompidou in Paris

 

Balkenhol in Paris und Duisburg

Marianne, Nationalfigur der französischen Republik, trägt Turnschuhe und Jeans, und der gallische Hahn tritt als menschliche Gestalt auf. Stephan Balkenhol spielt in seiner Pariser Werkschau mit bedeutenden kulturgeschichtlichen Bezügen des Landes. Mit Humor und Ironie interpretiert der deutsche Bildhauer die bedeutendsten Symbole der französischen Geschichte und Kultur, wie die "Marianne", Sinnbild der Freiheit, und den gallischen Hahn, der als Metapher für die Nation steht. 

Der deutsche Bildhauer präsentiert im Palais d’Iéna gegenüber dem Eiffelturm eine Installation aus 13 Holzskulpturen. Der 63-Jährige hat sie eigens für die knapp zweiwöchige Ausstellung geschaffen, die mit Unterstützung des französischen Kulturministeriums stattfindet. "Das Vorgesehene und Unvorhergesehene" heißt die bis zum 30. Oktober dauernde Werkschau des Künstlers, dessen bekanntester Typus der Mann in schwarzer Hose und weißem Hemd ist. 

Auch in Paris fehlt diese ikonische Figur nicht. Dort trägt sie den Napoleon-Hut und hält die rechte Hand in Bauchhöhe im Hemd – wie der französische Feldherr und Kaiser. Eine umfassende Überblicksausstellung widmet Balkenhol auch das Lehmbruck-Museum in Duisburg. (dpa)

"Stephan Balkenhol. Le Prévu et l'Imprévu", Palais d'Iéna, Paris, bis 30. Oktober

"Stephan Balkenhol", Lehmbruckmuseum, Duisburg, bis 28. Februar 2021

Stephan Balkenhol in Paris 
Foto: Foto: Charles Duprat/Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac/dpa

Stephan Balkenhol in Paris 

 

Mode, Design und Konsumenten in Stuttgart

Das Landesmuseum Württemberg widmet sich dem komplexen System Kleidung, ihrer Produktion und was Designer, Social Media/Influencer und Modemagazine daraus machen. Auf über 1000 Quadratmetern zeigt die Schau "Fashion?! Was Mode zu Mode macht" rund 250 Exponate, davon sind 80 Objekte aus der eigenen Sammlung, die übrigen sind Leihgaben aus zehn Ländern. Ein Chanelkostüm von Jackie Kennedy und eine Jacke von John Lennon haben es coronabedingt nicht nach Stuttgart geschafft.

Präsentiert wird bis zum 25. April viel internationale Modegeschichte von den 1950er Jahren bis heute. Darunter Haute-Couture-Entwürfe bekannter Designer wie eine aufwendig drapierte Robe von John Galliano für Dior oder ein ausladendes Abendkleid des Pariser Modehauses Balmain von 1954, das komplett mit Swarovski-Kristallen, Perlen und Silberfäden bestickt ist.

Dennoch ist es keine klassische Modeausstellung, wie Kuratorin Raffaela Sulzner sagt: "Mode ist nicht nur Kleidung. Es braucht einen Träger, damit das zur Mode wird." Über eine Videoinstallation äußern sich in der Ausstellung deswegen unterschiedliche Menschen zu ihrem Verständnis von Mode. Zugleich werden die Besucher beim Rundgang mit Fragen nach ihrem Verhältnis zu Mode konfrontiert. (dpa)

"Fashion?! Was Mode zu Mode macht", Landesmuseum Württemberg, Stuttgart, 24. Oktober bis 25. April 2021

Pia Tholen, Teile aus der Kollektion "Tod der Mode", 2019
© Pia Tholen / Foto: Diana Hasenfus, Kilian Glassner

Pia Tholen, Teile aus der Kollektion "Tod der Mode", 2019