Tipps und Termine

Wohin am Wochenende?

Mohau Modisakeng "Ga bose gangwe" (video still), 2014
Foto: © Mohau Modisakeng

Mohau Modisakeng "Ga bose gangwe" (video still), 2014, zu sehen auf der Fototriennale Ray in Frankfurt

Die Kunst der Woche in Baden-Baden, Berlin, Düsseldorf, Flöha, Frankfurt am Main, Potsdam, der Uckermark, Weimar und Zürich


Coronabedingt können bestimmte Ticket-, Hygiene- und Abstandsregelungen gelten. Vor dem Ausstellungsbesuch empfiehlt sich deshalb ein Blick auf die jeweilige Institutions-Website.


Katharina Sieverding in Baden Baden

Mit großformatigen Selbstporträts und anderen Fotografien von Katharina Sieverding zeigt das Museum Frieder Burda in Baden-Baden eine umfangreiche Übersichtsschau der Künstlerin. Besucherinnen und Besucher können die Ausstellung "Die Sonne um Mitternacht schauen" von Samstag an bis zum 9. Januar sehen. Sieverding verglich die überdimensionalen Fotografien mit Kinoleinwänden, die man sich alle gleichzeitig anschauen könne. Jeder Besucher solle so seinen eigenen Film entwickeln, sagt die frühere Studentin von Joseph Beuys. "Das ist von Anfang an mein Prinzip gewesen."

Sieverding legt in ihrer Arbeit immer wieder den Fokus auf politisch-gesellschaftliche Entwicklungen. In ihren Werken thematisiert sie etwa, dass früher vor allem Männer auf Magazincovern zu sehen waren und selten Frauen. Auch Genderthematiken habe sie vor Jahren schon aufgegriffen: "Ich denke, dass ich sehr früh mit den Porträts alles klar machen wollte, was dann später als transgender und so weiter bekannter wurde", sagte Sieverding. Auf wenigen Porträts sei nur sie zu sehen, oft gebe es Verbindungen zu anderen. Als Frau habe man die Fähigkeit, sich ins Männliche zu versetzen, sagte die Künstlerin. Aber auch andersrum sei das wünschenswert.

Der neue künstlerische Leiter des Museums und Kurator der Schau, Udo Kittelmann, sagt, Sieverding werde der Aufgabe der Kunst, anders über die Welt nachzudenken, in besonderer Weise gerecht. In all den Jahren habe sie immer wieder ein gutes Gespür für aktuelle Themen in der Gesellschaft bewiesen. Aufgrund der großen Formate arbeite Sieverding auch stets an der Grenze zum öffentlichen Raum.

Die Schau ist eine Kooperation mit den Deichtorhallen Hamburg und gibt einen Überblick aus allen Werkphasen der Wahl-Düsseldorferin - von Videoarbeiten aus den 1960er-Jahren über Selbstporträt-Serien der 1970er Jahre bis hin zu aktuellen Produktionen, in denen es unter anderem um den Lockdown während der Corona-Pandemie geht. Ab kommender Woche ist auch eine Präsentation im Salon Berlin geplant, bei denen Sieverding-Werke zum Thema Rassismus gezeigt werden sollen.

"Die Sonne um Mitternacht schauen", Museum Frieder Burda, Baden Baden, 28. August bis 9. Januar 2022

Katharina Sieverding "Transformer Cyan Solarisation 5 A/B", 1973/74
Foto: © Katharina Sieverding, VG Bild-Kunst; Fotos © Klaus Mettig, VG Bild-Kunst

Katharina Sieverding "Transformer Cyan Solarisation 5 A/B", 1973/74


Photo Week in Berlin

Die dritte Berliner Photo Week will bis Sonntag, 29. August, Kreative, Künstler und Fotoenthusiasten mit Medienunternehmen und Marken zusammenkommen lassen. Neben einer Basis in den Clubs "Haubentaucher" und "Cassiopeia" auf dem RAW-Gelände der Hauptstadt hat die Photo Week dafür auch dezentrale Standorte in Galerien und Ausstellungshäusern.

Jens Heithecker, als IFA-Direktor bei der Messe Berlin für die Internationale Funkausstellung zuständig, kündigte an, die Photo Week als "Plattform für individuelle Kreativität" solle 2022 wieder mit der großen Elektronikmesse zusammengelegt werden. Pandemiebedingt war die IFA in diesem Jahr abgesagt worden.

Während der Photo Week sind einige Foto-Ausstellungen zu sehen. Im "Haubentaucher" zeigt Bruce Gilden mit "American made" übermenschlich große Porträts, deren Härte und Offenheit beim Betrachten direkt bedrängt. Thomas Hoepker fotografierte zwei Jahre nach dem Bau "Mauerkinder", die im Schatten der Grenze durch Berlin lebten. Der schwedische Fotograf Jacob Felländer präsentiert mit "The great Escape" seine durch Mehrfachbelichtung in einer anderen Realität spielenden Aufnahmen. Wer mag, kann mit einer App Felländers wirkungsvolle Technik nachempfinden.
Nebenan im "Cassiopeia" zeigt Michael Agel seine großformatigen Aufnahmen von Künstlern beim berühmten Jazzfest in Montreux. Dort findet sich auch eine "Glacier"-Serie des isländischen Fotografen Ragnar Axelsson, die Schwarz-Weiß-Bilder kommen einer Huldigung der Gletscher auf der Insel gleich.

Berlin Photo Week, Haubentaucher & Cassiopeia Berlin, bis 3. September


Künstler in Zeiten des Nationalsozialismus in Berlin

Der vermeintliche Neuanfang nach 1945 war auch in der Kultur an vielen Stellen kaum mehr als schöner Schein. Sehr eng waren häufig die personellen Verflechtungen zwischen Nazi-Zeit und Nachkriegsdeutschland. Mit der Ausstellung "Die Liste der 'Gottbegnadeten'. Künstler des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik" thematisiert das Deutsche Historische Museum in Berlin diese Kontinuität auch im Bereich der bildenden Kunst. Die Präsentation im Pei-Bau des Museums ist bis zum 5. Dezember zu sehen.

Im Auftrag von Adolf Hitler stellte Propaganda-Chef Joseph Goebbels 1944 die Liste der "Gottbegnadeten" zusammen. Im Kern erfasst waren 378 Künstler, darunter 114 Bildhauer und Maler. Sie galten als "unabkömmlich" und blieben damit etwa von Einsätzen an den Kriegsfronten verschont.
Der NS-Staat habe die Künstler - alles Männer - und ihre Arbeiten zum "Werkzeug der Indoktrinierung" gemacht, sagt Raphael Gross, Präsident des Deutschen Historischen Museums. Anhand ausgewählter Beispiele zeigt die Ausstellung, wie viele dieser Künstler im Kulturbetrieb der jungen Bundesrepublik, einer von ihnen auch in der DDR, integriert waren.

Nach den Worten von Gross geht es nicht um Architekten, die etwa eine Autobahn nach dem Krieg gebaut hätten, "sondern es geht eben um Kunstwerke und damit um die Frage, inwieweit man mit dem Zeigen und Sehen solcher Kunstwerke etwas von dem Selbstverständnis übernimmt, das sie zum Ausdruck bringen." (dpa)

Ein Interview mit dem Kurator Wolfgang Brauneis über die Ausstellung lesen Sie hier.

"Die Liste der 'Gottbegnadeten'. Künstler des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik", Deutsches Historisches Museum, bis 5. Dezember

Das Ehrenmal für die Opfer des 20. Juli 1944 von Richard Scheibe wird im Hof des Bendlerblocks in Berlin aufgestellt, 1953
Foto: © DHM/Foto: Liselotte Orgel-Köhne

Das Ehrenmal für die Opfer des 20. Juli 1944 von Richard Scheibe wird im Hof des Bendlerblocks in Berlin aufgestellt, 1953
 


75. Jahre NRW in Düsseldorf

Teddy, Dieselkatze, Atombunker, Frauenkittel, Kofferbombe und ein Engel - all diese Objekte haben viel mit Nordrhein-Westfalen zu tun. Zum 75. Geburtstag des Bundeslandes spürt eine Jubiläumsausstellung mit rund 300 teils verblüffenden Objekten der wechselvollen Geschichte des Landes nach. "Geschichte wird lebendig", sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) nach der Vorbesichtigung im Düsseldorfer Behrensbau. Besonders beeindruckt zeigte sich der Unions-Kanzlerkandidat etwa von dem deutsch-türkischen Anwerbeabkommen von 1961. "Getippt auf einer Olympia-Schreibmaschine, irgendwie vervielfältig" habe das Abkommen dazu geführt, dass Millionen Menschen nach NRW gekommen seien. "Das hat das gesellschaftliche Leben verändert."

Auch das Motorrad, das 1964 das Willkommensgeschenk für den millionsten Gastarbeiter in Deutschland war, beeindruckte Laschet. Der CDU-Bundesvorsitzende wies aber auch auf den Brandanschlag auf das Haus der türkischstämmigen Familie Genc in Solingen 1993 hin, bei dem fünf Frauen und Mädchen getötet wurden. In der Ausstellung wird ein Stein des ehemaligen Hauses gezeigt.

Die Schau ist im mächtigen Behrensbau am Rheinufer zu sehen, nach dem Krieg Sitz der britischen Militärverwaltung und von 1946 bis 1953 Sitz der ersten Landesregierung. Das Gebäude aus wilhelminischer Zeit soll 2028 als Haus der Geschichte des Landes Nordrhein-Westfalen eröffnet werden. Laschet sagte, das Museum werde einmal "das Landesbewusstsein für ganze Generationen von Schülerinnen und Schülern prägen". (dpa)

"Unser Land. 75 Jahre Nordrhein-Westfalen", Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen,Düsseldorf, bis 23. Mai 2022

Flutkatastrophe 2021 – Steine, Gläser, Stiefel
Foto: © HdGNRW

Flutkatastrophe 2021 – Steine, Gläser, Stiefel


Streetart-Festival ibug in Flöha

In der einstigen Buntpapierfabrik in Flöha nehmen Streetart-Künstler ihre Spraydosen zur Hand, um die Industriebrache für das ibug-Festival zu gestalten. Sie kommen den Angaben nach wegen Reisebeschränkungen vor allem aus Deutschland, aber auch anderen europäischen Ländern wie Belgien, Österreich, Schweden und Frankreich.

Die ibug - die Abkürzung steht für Industriebrachenumgestaltung - versteht sich als internationales Festival für urbane Kunst. Seit 2006 werden so an jährlich wechselnden Orten alte Industriebrachen zu kreativen Räumen für die Künstler. Die Ergebnisse können im Anschluss von Besuchern besichtigt werden. Voriges Jahr war das Festival in Zwickau zu Gast, es konnte aber wegen der Corona-Pandemie nur sehr eingeschränkt stattfinden: mit 20 Künstlern aus Deutschland und stark begrenzter Besucherzahl.

Das Gelände in diesem Jahr sei größer und ein Einbahnstraßensystem möglich, erklärte Lippold. Die Besucher - so der Plan - werden das Areal zu vorher festgelegten Zeiten erkunden können. Geplant ist das an drei Wochenenden ab dem 27. August. Zu sehen sind dann Malerei und Graffiti, Installationen sowie Upcycling- und Multimedia-Kunst.

Zudem soll die Schau digitalisiert werden. So könnten auch Interessierte, die nicht anreisen können, die Arbeiten sehen.  Auch Künstler, die nicht in Flöha sein können, sollen sich mit Exponaten und virtuellen Beiträgen an dem Festival beteiligen können.

"ibug 2021: Festival für urbane Kunst in Flöha", bis 12. September

Eine Installation des Kunstlerduos Adhocrates aus Österreich
Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Eine Installation des Kunstlerduos Adhocrates aus Österreich


Fototriennale Ray in Frankfurt am Main

Der große weiße Bau von Richard Meier liegt in einem Park am Mainufer, der derzeit von der Tiny-Houses-Skulpturenausstellung "TinyBE" bespielt wird: Bewohnbare Kunstwerke von Terence Koh, Laure Prouvost, Thomas Schütte und Christian Jankowski laden zum Übernachten ein. Das Museum selbst ist ein Container für teils sehr aktuelle und teils über alle Zeitlichkeit erhabene Exponate: Der Dieter-Rams-Stilraum zeigt hier dauerhaft den gestalterischen Kosmos des großen deutschen Designers, der in der Nähe von Frankfurt wohnt und nächstes Jahr 90 Jahre alt wird. Zudem wird in einer gerade laufenden Wechselausstellung seine "Ästhetik des Gebrauchs" diskutiert.

Außerdem ist das Haus einer von mehreren Gastgebern der Fototriennale RAY, die diesmal unter dem Titel "Ideologien" an verschiedenen Orten aktuelle fotografische Positionen zeigt. Im Fotografie Forum Frankfurt zum Beispiel Akinbode Akinbiyi, und auch im MAK sind es Fotografinnen und Fotografen aus afrikanischen Ländern, die eine Auseinandersetzung über Geschlecht, Armut, Schönheit, Körper, Identität und die Folgen von Rassismus für den einzelnen Menschen und die Gemeinschaft führen.

Yagazie Emezi (geboren 1989 in Aba, Nigeria) befragt mit ihrer Fotoserie "The Beauties of West Point" Schönheitsideale, die ein westeuropäisches Medienbild als Standard definiert. Mit "Consumption of the Black Model" setzt sie dem westlichen Blick eine andere Sprache entgegen. Yves Sambus (geboren 1980 in Lukula, Kongo) Serie "Vanitas" zeigt kongolesische "Sapeurs", in Luxusmarken gekleidete Männer, die durch die Straßen von Kinshasa flanieren. Sambu lässt sie auf Friedhöfen posieren. Im September nimmt die Triennale dann noch mal Fahrt auf, wenn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops "Ray Master Class", alles Studierende oder Absolventen verschiedener Kunsthochschulen der Region, unter der Leitung der Fotokünstlerin Johanna Diehl ihre Arbeiten ausstellen.

"Ideologien", Ray 2021, Museum Angewandte Kunst und andere Orte, Frankfurt am Main, bis 12. September

Yagazie Emezi (*1989 NG/US) aus der SerieConsumption of the Black Model
Foto: © Yagazie Emezi

Yagazie Emezi (*1989 NG/US) aus der SerieConsumption of the Black Model


Russische Impressionisten in Potsdam

Die Ausstellung mit 80 Werken russischer Impressionisten ist nach mehrmonatiger Verzögerung wegen der Corona-Pandemie nun live im Potsdamer Museum Barberini zu sehen. Ursprünglich sollte die Schau bereits am 7. November 2020 für das Publikum öffnen, jedoch war dann nur ein virtueller Rundgang möglich. Ab Samstag haben Besucher Gelegenheit, die Impressionisten in dem Museum direkt zu erleben.

Verdeutlicht werden die Wechselbeziehungen zwischen französischem Impressionismus und der russischen Kunst zwischen 1860 und 1925, wie Ortrud Westheider, Direktorin des Museums Barberini, bei der Pressekonferenz sagte. In Paris vor 1900 begegneten russische Künstler den Werken von Claude Monet und Auguste Renoir und ließen sich von den Themen und ihrer Malweise anregen. Künstler wie Ilja Repin, Konstantin Korowin und Valentin Serow wurden dadurch inspiriert.

Es sei eine wirklich herausragende Museumskooperation, sagte Zelfira Tregulova, Generaldirektorin der Staatlichen Tretjakow-Galerie Moskau, die Leihgaben bereit stellte. Damit werde russische Kunst dem Publikum in anderen Ländern nahegebracht. Die Ausstellung widme sich der bislang kaum erforschten Rezeption französischer Lichtmalerei in Russland, hieß es. Impressionistische Anregungen wurden nach den Angaben dann auch zum Ausgangspunkt zahlreicher Avantgardekünstler: Sie gingen hinaus, malten unter freien Himmel, ließen sich von Landschaften, Pflanzen, den Jahreszeiten und von Licht- und Schattenspielen inspirieren. Dazu gab es Portraits und Familienbilder.

Am Ende der Ausstellung wird diese Entwicklung mit dem Bild von Kasimir Melewitsch (1878-1935) in Weiß auf weißem Grund unter dem Titel "Konstruktion in Auflösung" (1917) verdeutlicht. Exponate kamen auch vom Staatlichen Museum der Bildenden Künste der Republik Tatarstan, Kasan, aus New York, Madrid und Amsterdam sowie von Privatsammlungen. Die Schau läuft im Museum Barberini bis 9. Januar 2022. (dpa)

"Impressionismus in Russland. Aufbruch zur Avantgarde", Museum Barberini, Potsdam, bis 9. Januar 2022

Abram Archipow "Besuch",  Staatliche Tretjakow-Galerie, Moskau, 1914
Foto: © Museum Barberini

Abram Archipow "Besuch",  Staatliche Tretjakow-Galerie, Moskau, 1914
 

 

Kunst-Umwege in der Uckermark

Eine Landpartie mit zeitgenössischer Kunst, Musik und Literatur an besonderen Orten bietet an diesem Wochenende das UM Festival in der Uckermark. Bei seiner siebten Ausgabe steht das Ereignis unter dem Titel "Umwege" und findet rund um die brandenburgischen Orte Fergitz und Klein-Pinnow statt. In der Sparte der bildenden Kunst sind Lena von Goedeke, Hannah Hallermann, Fabian Knecht, Antonia Low, Katinka Pilscheur, Michael Sailstorfer, Andrea Winkler, Raul Walch und Ulrich Wüst dabei, die sich mit ihren Arbeiten auf die Landschaft und Architektur einlassen. Jeder Umweg lohnt sich.

UM Festival "Umwege", Uckermark, 28. und 29. August


Bauhaus-Karikaturen in Weimar

Eine besondere Karikaturen-Ausstellung kann ab sofort in der Volkshochschule Weimar besucht werden. Bis mindestens Ende Januar werden dort Werke des früheren Bauhausschülers Jecheskiel David Kirszenbaum gezeigt. Die Ausstellung soll Themen rund um die erste Demokratie in Deutschland beleuchten.

Die Schau "Jecheskiel David Kirszenbaum - Karikaturen eines Bauhäuslers zur Weimarer Republik" findet auch im Rahmen des Jubiläums 900 Jahre jüdisches Leben in Thüringen statt. Rund 30 deutsche Volkshochschulen übernehmen die Ausstellung, die erstmals nur den Karikaturen von Kirszenbaum gewidmet wird.

Er machte sich als Maler und Karikaturist im Bauhaus Weimar und in der Berliner Kunstszene der 1920er-Jahre einen Namen. Später wurde er von den Nationalsozialisten verfolgt und seine Ehefrau in Auschwitz ermordet. Kirszenbaum starb 1954 in Paris.

In der Weimarer Ausstellung geht es um den Zeitgeist der Weimarer Republik: Korruption, windige Kaufleute, die Gleichstellung der Frau, aber auch der erstarkende Antisemitismus sind nach Angaben der Volkshochschule in den Werken verewigt: "Themen, die in der politischen Auseinandersetzung an Relevanz nicht verloren haben". (dpa)

"Jecheskiel David Kirszenbaum - Karikaturen eines Bauhäuslers zur Weimarer Republik", Volkshochschule Weimar, bis 31. Januar 2022

"Ich würde einfach die Pinsel ins Bild pieken und die janze Chose ‚Köcher des Amor‘ taufen!"
Foto: ULK. Wochenschrift des Berliner Tageblatts, 55. Jahrgang, Nr. 36, 10.9.1926, Seite 274_4

"Ich würde einfach die Pinsel ins Bild pieken und die janze Chose ‚Köcher des Amor‘ taufen!"

 

 

Walter de Maria in Zürich

Genau 2000 weiße Gipsbarren, je 50 Zentimeter lang und 18 Zentimeter hoch: Nach vorgeschriebenem Muster auf dem Boden ausgelegt ergibt dies ein Kunstwerk, für das nur wenige Museen genug Ausstellungsfläche haben. Es stammt von dem amerikanischen Konzeptkünstler Walter de Maria (1935–2013), der sein Werk "The 2000 Sculpture" 1992 eigens für das Kunsthaus in Zürich schuf. Dort ist das Werk nun bis 22. Februar 2022 zum dritten Mal seit 1992 zu sehen. Das Kunstmuseum eröffnet in diesem Herbst auch seinen Erweiterungsbau für Kunst ab den 1960er-Jahren von David Chipperfield.

Die Gipsbarren sehen nur auf den ersten Blick identisch aus. In Wirklichkeit haben sie entweder fünf, sieben oder neun Kanten. Wenn sie nach dem Muster von de Maria auf den Boden gelegt sind, ergibt sich "eine Art Fischgrätmuster", wie das Museum erläutert. "Je nachdem, wo sich die Besucher befinden, scheinen sich die Barren auf sie zu oder von ihnen wegzubewegen." Je nach Tageszeit erscheinen die Gipsbarren in unterschiedlichen Weißschattierungen. Das Tageslicht fällt durch eine Glasdecke in den stützenlosen Ausstellungssaal.

De Maria gehörte zu den wichtigsten Vertreter der Konzeptkunst, des Minimalismus und der Land Art, bei der teils vergängliche Kunstwerke in eine Landschaft gebaut werden. Er schuf etwa 1977 den vertikalen Erdkilometer für die Documenta am Kasseler Friedrichsplatz. Ein senkrechtes Loch von einem Kilometer Tiefe ist dort mit Messingstäben gefüllt. (dpa)

"The 2000 Sculpture", Kunsthaus Zürich, bis 22. Februar 2022

Genau 2000 weiße Gipsbarren, je 50 Zentimeter lang und 18 Zentimeter hoch: nach vorgeschriebenem Muster auf dem Boden ausgelegt ergibt dies ein Kunstwerk, für das nur wenige Museen genug Ausstellungsfläche haben
Foto: --/ Estate of Walter De Maria /dpa

Genau 2000 weiße Gipsbarren, je 50 Zentimeter lang und 18 Zentimeter hoch: nach vorgeschriebenem Muster auf dem Boden ausgelegt ergibt dies ein Kunstwerk, für das nur wenige Museen genug Ausstellungsfläche haben